Merlins offenbaren schon überwunden geglaubte Schwächen

Ganz ruhig sitzt Ingo Enskat bei der Pressekonferenz in seinem Sessel. Doch in ihm brodelt es. Seine Spielanalyse so sachlich, wie treffsicher: "Nach zwei kämpferisch ordentlichen Spielen ein unerwarteter Rückfall - das ärgert mich unheimlich!"

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In erster Linie hob er damit auf die Viertel Nummer 3 und vier 4 ab, wo sich die Gastgeber nicht wirklich energisch gegen die sich anbahnende Niederlage zur Wehr setzten. Die Defense ging zu lax zur Sache. Zudem gelang es nicht, den gegnerischen Lauf zu stoppen. Die Wurfauswahl ließ ebenfalls zu wünschen übrig - musste Coach Willie Young nach der Partie einräumen. Zu Ende gingen am Samstag auch zwei Miniserien. Karlsruhe hatte zweimal in Folge verloren, die Korbjäger aus Crailsheim die gleiche Bilanz mit positivem Vorzeichen zu Buche stehen.

Zudem bleibt die Erkenntnis, dass die BG Karlsruhe nicht nur aus Rouven Roessler und seinen Spielkünsten besteht. Der Leistungsträger war bei den Merlins - unter anderem verteidigt vom Ex-Teamkollegen Jonathan Moore - in guten Händen. Doch währenddessen sprangen Jaivon Harris (17 Punkte/3 Dreier) und Jeremy Black (20) in die Bresche, wobei sie unter dem Korb viel zu leichtes Spiel hatten. Nach holprigem Start, kamen die Merlins ohne den für zwei Spiele gesperrten (Ausschluss in Göttingen) Benny Lischka bis zum Viertelende auf Betriebstemperatur (16:16). Vier mehr oder wenige offene Dreier versenkte Eric Vierneisel für das Gästeteam aus Baden. BG-Spielmacher Michael Stockton, der in Spielanlage und Physiognomie, wenn auch auf anderer Position unterwegs, ein wenig an Ex-Merlin Jared Stohl erinnert, steuerte 14 Punkte mit bei.

Wenige Minuten vor der Halbzeit sorgte ein Stromausfall für eine rund viertelstündige Unterbrechung. An den Kräfteverhältnissen (26:30) änderte sich bis dahin nicht wirklich viel.

Trotz deutlich besserer Dreierquote (46 zu 27 Prozent) für die Gäste, machte deren Coach Torsten Daume "das Innenspiel" als matchentscheidend aus und lobte dabei besonders Jeremy Black (Nummer 13; 20 Punkte). Wobei die Gäste phasenweise viel zu einfach zum Ziel kamen, indem sich ein Verteidiger beispielsweise durch eine einfache Körpertäuschung düpieren ließ und damit die Grundlinie aufmachte.

"Karlsruhe hatte den Ball unter Kontrolle. Wenn nicht, muss man sich auch mal hinschmeißen, und Ballbesitz für sein Team bekommen. Wir hingegen haben unser Heil in offensiven Einzelaktionen gesucht und uns in der Defense gegenseitig angeblufft", legte Ingo Enskat den Finger in die Wunde. "Im Übrigen", schob er auf entsprechende Frage, nach, "hat für uns der Abstiegskampf schon lange begonnen". Im finalen Abschnitt hatten die Gäste keine Eile, brachen im einen oder anderen Fall auch möglicherweise vielversprechende Angriffe ab, um routiniert Zeit von der Uhr zu nehmen. Die Merlins ließen sie gewähren und waren nicht energisch genug auf Balleroberung aus.

Ein gutes Spiel machte, wie auch Antonis Sivorotka, Kosta Karamatskos bei seiner Premiere im Trikot der Merlins. "Er spielt aggressiv in der Defense, penetriert in der Offense zum Korb - ein guter Typ, gab es vom Coach ein paar verbale Streicheleinheiten. Die mögen dem Selbstbewusstsein des gelobten Spielers guttun, halfen dem Team letztlich aber genauso wenig zum Erfolg wie die hundertprozentige Freiwurfquote (15/15). In Ingo Enskats Schlussaussage schwang da schon so etwas Galgenhumor mit: "Wir haben noch viel Potenzial nach oben! Es kann nur besser werden gegen Nürnberg im nächsten Auswärtsspiel", sagte er und grinste sich eins. Die angesprochenen NBCler haben Klassenprimus und Aufsteiger Vechta ein Schnippchen geschlagen und dort (!) mit 85:84 gewonnen. Spaziergänge sehen anders aus. Aber nicht zuletzt in Göttingen hat das Merlins-Team ja unter Beweis gestellt, dass es keine Angst vor großen Namen hat. Lust auf mehr machten auf jeden Fall die jungen Schlagzeuger um Dirk Feuchter mit ihrer Halbzeiteinlage, für die es zahlreiche "Zugabe-, Zugabe"-Rufe gab. Vielleicht kommen sie bei anderer Gelegenheit ja nochmal wieder.

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