Merlins erleben ihr blaues Wunder

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Überall blaue T-Shirts und blaue Schals – die blaue Wand auf den Rängen war dieses Mal deutlich größer als sonst.  Foto: 

Rise together“ – so lautet das Motto der Merlins für die Play-offs. Doch was ist damit genau gemeint? „Wir haben im Prinzip nicht die eine Übersetzung. Gerade weil es mehrere Entsprechungen gibt, hatten wir es in der engeren Auswahl – und die Mannschaft hat sich schließlich dafür entschieden“, teilt Pressesprecher Michael Wiedmann mit. „,Rise’ kann ja auch ,aufsteigen’ heißen, aber eben auch ,sich erheben, aufstehen’ oder ‚Zunahme, Steigerung’. Der Grundgedanke ist im Prinzip, ,sich zusammen steigern’, ,zusammen groß werden/Großes erreichen’, ,zusammen an der Aufgabe wachsen’.“

Gäste starten besser

Und wie es gute Sitte ist, erhoben sich die Zuschauer in der Arena Hohenlohe und blieben stehen, bis die Merlins ihre ersten Punkte erzielten – was nur ganze zehn Sekunden dauerte. Kevin Tiggs, der zuletzt ein Spiel pausiert hatte, war wieder fit und versenkte den Dreier. Die Gäste antworteten ihrerseits mit einem Dreier durch Dane Watts und kamen besser ins Spiel. Nach knapp vier­einhalb Minuten führten die Gäste 16:8. Crailsheims Cheftrainer Tuomas Iisalo nahm die erste Auszeit.

Richtig wach waren die Hausherren dadurch nicht geworden. Gleich drei Wurfmöglichkeiten in Folge ergaben sich für die Oettinger Rockets, zum Glück für die Merlins versenkten sie keinen dieser Hochkaräter. Insbesondere das Duo Darrel Mitchell und Watts war im ersten Viertel bärenstark, zeichnete für 16 der 22 Rockets-Punkte verantwortlich. Robert Oehle half mit fünf Rebounds – die Crailsheimer holten sich insgesamt nur sechs – mit, dass es nach zehn Minuten 15:22 stand.

Im zweiten Viertel baute Gotha seine Führung zunächst auf elf Punkte aus (20:31), obwohl Chase Griffin ein Vier-Punkte-Spiel gelungen war (Dreier plus Freiwurf). Die Merlins kämpften sich auf fünf Punkte heran, als Patrick Flomo einen Wurf blockte, dies von den Referees jedoch kurioserweise als Goal Tending ausgelegt wurde. Dabei befand sich der Ball deutlich noch im Steigen und auch noch nicht am Brett (26:33). Kurze Zeit später rächte sich Papa Pat dafür jedoch mit einem Monster-Dunk, nach dem er am Ring hängen blieb und auf Robert Oehles Nacken zu reiten schien. Eine unglaubliche Szene. Spätestens jetzt war klar, dass es in der Rinderhalle ein heißer Ritt wird (29:33). Kevin Tiggs blieb bei zwei Freiwürfen nach einem unsportlichen Foul gegen ihn nervenstark von der Freiwurflinie, Konrad Wysocki legte unter dem Korb nach – 34:35 und Auszeit der Gäste bei noch zwei Minuten auf der Uhr. „Super Crailsheim Merlins“ hallte es von den Rängen. Tiggs brachte die Crailsheimer erstmals seit dem Start wieder in Führung (36:35). Kurios: Die Schiedsrichter unterbrachen das Spiel für eine Minute und der Hallensprecher musste durchsagen „Bitte nicht mit Krücken auf die Spieler zeigen“, weil ein Fan in den Augen der Unparteiischen zu arg gejubelt hatte. Christopher Dunn sorgte für etwas Entspannung auf den Rängen und für den Halbzeitstand von 41:36.

„Es ist ein komisches Gefühl, wenn du zur Halbzeit führst, obwohl du eigentlich die ganze Halbzeit hinten lagst“, sagte Ingo Enskat, der sportliche Leiter der Merlins, zur Pause. Aber die Mannschaft habe sich das auch verdient, weil sie überall, aber vor allem beim Rebound deutlich zugelegt habe nach viele Fehlern zu Beginn. „Vielleicht hat das Bewusstsein, dass es jetzt in den Play-offs um etwas geht, anfangs für Nervosität bei uns gesorgt“, so Enskat. „Aber Kompliment an die Jungs, wie sie sich zurückgearbeitet haben.“

Aufholjagd nur kurz

Mitte des dritten Viertels lagen aber die Thüringer wieder vorne (52:55), nachdem der in der zweiten Halbzeit aufdrehende Elijah Allen und Mitchell erfolgreich gewesen waren und erneut ein zweifelhafter Pfiff gekommen war (Offensivfoul). Zum Viertelende führten die Gäste gar mit sieben Punkten (56:63), sie hatten das dritte Viertel 27:15 gewonnen. Bezeichnend für diesen Abschnitt: Tuukka Kotti vergab zwei Freiwürfe und ließ sich von Janek Schmidkunz unter dem eigenen Korb leichtfertig den Ball klauen.

Es war wieder mal eine Aufholjagd im letzten Viertel erforderlich, nachdem es sogar neun Zähler Abstand unmittelbar nach Start der letzten zehn Minuten gewesen waren. Zwei Minuten später waren die Merlins nach Treffern von Michael Jost und Chris Dunn wieder dran (62:65). Gotha nahm die Auszeit. Griffin vergab anschließend den Dreier zum möglichen Ausgleich, im Gegenzug traf Gotha genauer (62:68). Auszeit Crailsheim und noch siebeneinhalb Minuten auf der Uhr. Ein Dreier von Allen ließ den Rückstand auf neun anwachsen (62:71).

Sollten die favorisierten Merlins, die als Zweiter der Hauptrunde in die erste Play-off-Runde gegangen waren (Gotha: Platz 7), zum Auftakt der Best-of Five-Serie zu Hause ihr blaues Wunder gegen die Raketen, die in blauen Trikots spielten, erleben? Es sah danach aus, vor allem, da David Hicks auch noch einen Dreier getroffen (65:74) und Nimrod Hilliard erneut ein umstrittenes Offensivfoul kassiert hatte. 67:76 hieß es bei noch vier Minuten zu spielen. Die Merlins kamen einfach nicht näher ran. 69:80 bei noch zwei Minuten. Auszeit Crailsheim. Doch die half nichts mehr. Die Überraschung war perfekt, Gotha schnappte sich mit 86:77 den wichtigen Auswärtssieg. Damit ist auch klar, dass die Merlins am Ostersamstag ein weiteres Spiel in Erfurt bestreiten müssten, falls die Serie mindestens über vier Partien geht. Die nächsten Spiele steigen am Sonntag in Erfurt (17 Uhr) und am Mittwoch (19.30 Uhr) wieder in Ilshofen.

Biss fehlt

„Es ist enttäuschend, dass wir über das ganze Spiel nie wirklich unseren Rhythmus gefunden haben, den Fluss, der uns sonst auszeichnet“, sagte Ingo Enskat. „Ich habe eigentlich gedacht, dass uns das die zwei, drei Minuten vor der Halbzeit gelungen wäre.“ In der zweiten Halbzeit habe man aber wieder wie in den ersten 17 Minuten der ersten Hälfte gespielt. „Wir brauchen in den gewissen Situationen einfach den Biss. Und Leute, die in wichtigen Situationen den Charakter haben, die Verantwortung zu übernehmen.“ Man müsse den freien Tag jetzt intensiv nutzen und sich der eigenen Stärken besinnen. „Vielleicht war das der Weckruf für die Play-offs, den der letzte gebraucht hat. Gotha hat das heute besser gemacht als wir. Wir sind jetzt gefordert, das ist klar.“

Info Gotha – Crailsheim, Sonntag, 17 Uhr, in Erfurt

Crailsheim – Gotha

77:86

Crailsheim: Tiggs (23 Punkte, 5 Rebounds), Flomo (9), Griffin (9), Dunn (9, 6 Assists), Wysocki (9), Jost (4), Hilliard (8), Kotti (4), Bogdanov (2)

Gotha: DiLeo, Schmidkunz (7), Gibbs (14), Grof, Durant, Oehle (9, 10 Rebounds), Kullamäe, Allen (13), Mitchell (15, 9 Assists), Hicks (16), Watts (11), Gomila (1)

Viertel: 15:22, 26:14, 15:27, 21:23
Rebounds: 29:35
Assists: 20:18

Weitere Spiele erste Play-off-Runde: MBC – Köln 84:66, Chemnitz – Trier 76:70, Kirchheim – Heidelberg (nach Redaktionsschluss)

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