Es ist angerichtet: Der Kampf um die BBL-Rückkehr beginnt

Die Hauptrunde in der Pro A ist abgeschlossen. Nun starten die Play-offs. Crailsheim trifft auf Gotha – ein gutes Omen.

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Chase Griffin (links) spielte von 2012 bis 2014 für Gotha. Jetzt will er mit den Merlins in die Bundesliga hoch.  Foto: 

Play-offs – allein dieses Wort elektrisiert schon viele Fans. Diese hoch spannende Entscheidungsrunde mit Pokalcharakter, bei der die momentane (Tages-)Form in einem engen Zeitfenster über Wohl und Wehe, Erfolg oder Misserfolg einer kompletten Saison entscheidet, sorgt für knisternde Krimizeit in den Hallen.

Ihr erstes Teilziel dieser Saison haben die Crailsheimer Basketballer seit geraumer Zeit erreicht – und das souverän. Längst halten sie das Ticket für die Teilnahme an den Play-offs in Händen und auch der zweite Platz nach der Hauptrunde ist seit Wochen beschlossene Sache.

Doch jetzt werden die Karten neu gemischt und es geht wieder bei null los. Genau genommen nicht ganz bei null, denn die Merlins nehmen eine gehörige Portion Selbstvertrauen mit in die Entscheidungsspiele um den Erstliga-Aufstieg und das Heimrecht im ersten, dritten und falls erforderlich fünften Spiel der jetzt anstehenden Play-off-Runde.

Nur eine Nachverpflichtung

Nach dem Abstieg aus der Bundesliga (BBL) haben die Crailsheimer Verantwortlichen das Gerippe der Mannschaft gehalten und sich auch wirtschaftlich weiter auf dem zwischenzeitlich etablierten Level bewegt. Trotzdem lief es sportlich nicht von Beginn an rund. „Am Anfang waren wir nicht recht zufrieden. Der Draht zur Mannschaft hat etwas gefehlt, auch die Energie. Die Zuschauer konnten sich noch nicht mit dem Team identifizieren. Doch dann, irgendwann rund um das Weihnachtsspiel, hat es klick gemacht“, erinnert sich der sportliche Leiter Ingo Enskat. „Das Team hat immer besser zueinandergefunden und sich kontinuierlich entwickelt.“ Mit ein Beleg dafür: kaum nennenswerte personelle Rochaden. Die Merlins haben ihre theoretisch gegebenen Möglichkeiten, noch Spieler nachzuverpflichten, nicht ausgeschöpft – weil sie es nicht brauchten. Es blieb letztlich beim Weggang von Craig Bradshaw. Für ihn stieß Kevin Tiggs neu zum Team.

„In der Rückrunde haben wir schließlich nur ein Spiel verloren“, erklärt der sportliche Leiter. „Die Arbeit hat sich gelohnt. Die Handschrift des Trainers ist deutlich sichtbar. Hohes Tempo, engagierte Verteidigung und gekonntes Zusammenspiel“ – drei tragfähige Säulen für eine gedeihliche Fortentwicklung. Das Publikum hat mit 1945 Besuchern im Schnitt mitgezogen und die Mannschaft unterstützt – auch wenn es jetzt Baunach statt Bamberg zu sehen gab.

Gefreut auf die Play-offs hat sich auch die Mannschaft. „In unserem Team steckt viel Erfahrung, fast jeder kennt auch Drucksituationen, wie sie die Play-offs schon mal mit sich bringen,“ macht Enskat deutlich. Spontan fällt ihm dazu ein Gespräch mit Chase Griffin ein, der das unlängst deutlich gemacht hat.

Die Merlins spielen mit einem Elf-Mann-Kader, wobei der Coach zumeist auch allen Spielern Einsatzminuten zugesteht. „Unsere Vielseitigkeit macht uns schwer auszurechnen. Die Verantwortung ist auf eine Vielzahl von Schultern verteilt.“

Gegner für die Merlins als Zweitem der Hauptrunde ist der Tabellensiebte aus Gotha, einer 45 000 Einwohner großen Stadt aus Thüringen, rund 260 Kilometer Fahrstrecke von Crailsheim entfernt. „Gotha hat ein gefühlt stärkeres Team als es der siebte Platz aussagt“, glaubt Enskat und warnt gleichzeitig vor den Thüringern. In Expertenkreisen wird der Etat der Gäste, zusammen mit dem des MBC, zu den höchsten der Klasse gezählt. Dementsprechend hatten viele die Thüringer im Vorfeld auch weiter oben im Klassement erwartet.

Die Gefährlichkeit des Gegners sieht Enskat in der „individuellen Stärke einiger Akteure, die, falls sie heiß laufen, auch ein Spiel allein entscheiden können“. Konkrete Namen will er nicht nennen. Grant Gibbs, Robert Oehle, Dane Watts oder Samuel Parker setzen bei den Raketen immer wieder Akzente auf dem Parkett.

Ein Manko scheint die mangelnde Geschlossenheit und Kompaktheit als Team, aber gerade das könnte während einer relativ kurzen Best-of-Five-Serie durchaus kompensierbar sein. Unterschätzen ist also nicht. Dementsprechend rechnet Enskat auch mit einer „anspruchsvollen ersten Runde“, aber – was Wunder: „Wenn man aufsteigen will, muss man jeden schlagen!“

Auch die Rockets haben sich die Play-offs als Ziel auf die Fahnen geschrieben und eine Lizenz für die BBL beantragt. Als dieses Vorhaben in Gefahr zu geraten drohte, wechselten die Verantwortlichen kurzerhand noch mal den Trainer. Der beliebte und langjährig vor Ort tätige Chris Ensminger musste gehen. Für ihn kam der 35-jährige Ivan Pavic, wie Wolfgang Heyder auch in der Vergangenheit in der Bamberger Basketballszene unterwegs.

Die Rockets spielen seit dem Aufstieg 2012 im fünften Jahr in Deutschlands zweithöchster Klasse. Dreimal erreichten sie die Play-offs, zweimal sogar das Halbfinale. Seit dieser Runde tragen die Raketen ihre Heimspiele in der Messehalle des nahen Erfurt (25 Kilometer weit weg) aus. Dort passen über 3200 Zuschauer rein.

In der Hauptrunde setzten sich die Merlins zweimal gegen Gotha durch. Daheim gab es einen 84:71-Erfolg. In der Fremde ging es beim 83:85 knapp zu. „Wir hätten das Spiel auch verlieren können“, erklärte Ingo Enskat seinerzeit nach dem Abpfiff.

Die Crailsheimer gehen mit einem Erfolgserlebnis in die Play-offs und sackten dabei auch noch einen bemerkenswerten Rekord ein. Noch nie in ihrer Zweitligageschichte konnten sie 25 Siege in einer regulären Saison holen.

Bei den Merlins sind alle Mann an Bord. Kevin Tiggs wurde in der letzten Partie geschont – eher eine Vorsichtsmaßnahme.

Erfolg auf vielen Ebenen

Besonders stolz ist der sportliche Leiter auf unsere „riesigen Erfolge, die wir in der Breite haben und die im Glanz der ersten Mannschaft schon mal untergehen“. Konkret: „Unsere zweite Mannschaft schaffte den direkten Wiederaufstieg in die erste Regionalliga und das JBBL-Team freut sich erstmals über den Sprung in die Play-offs. Das zeigt, dass wir uns nicht kleinkriegen lassen.“

Im Halbzeitprogramm tanzt die erfolgreiche Nachwuchsgruppe des Movin.

Übrigens gibt es ein gutes Omen: In der Saison 2013/14 kam es in der ersten Runde der Play-offs in der Pro A schon einmal zum Duell Crailsheim (Platz 2) gegen Gotha (Platz 7). Damals setzten sich die Merlins in der Serie 3:1 durch – und stiegen am Ende zum ersten Mal in die Bundesliga auf.

Die Crailsheim Merlins starten am Freitag mit einem Heimspiel gegen die Oettinger Rockets aus Gotha in die erste Play-off-Runde. Los geht es um 19.30 Uhr in der Arena Hohenlohe in Ilshofen. Am Sonntag, 9. April, 17 Uhr, müssen die Merlins dann auswärts ran, bevor Spiel 3 der Serie am Mittwoch, 12. April, 19.30 Uhr, wieder zu Hause stattfindet. Sollte ein viertes Spiel nötig sein, so steigt dieses am Ostersamstag, 15. April, 19 Uhr, wieder bei den Rockets. Bei einem fünften Spiel hätte Crailsheim am Ostermontag, 17. April, 18 Uhr wieder Heimrecht. Wer zuerst drei Spiele gewonnen hat, steht in der zweiten Play-off-Runde, wo dann Trier oder Chemnitz warten.

Karten für die Heimspiele gibt es beim Hohenloher Tagblatt und bei TC Buckenmaier in Crailsheim sowie beim Haller Tagblatt in Schwäbisch Hall.

Wer Tickets für das erste Heimspiel gegen Gotha besitzt, der erhält mit diesen vergünstigten Eintritt beim Irish-Folk-Music-Festival „Irish Spring“ im Crailsheimer Hangar, das am Freitag um 20.30 Uhr beginnt. ht

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