„Wir wollen keine Ja-Sager im Team“

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Aus Finnland nach Crailsheim: Merlins-Trainer Tuomas Iisalo (35) erklärt eine Trainingsform, und seine Spieler lauschen ihm andächtig.  Foto: 

Die Crailsheim Merlins haben vergangene Saison die beste Hauptrunde ihrer Vereinsgeschichte gespielt, 25 Siege aus 30 Spielen geholt. In den Play-offs schieden sie aber schon in der ersten Runde gegen Gotha aus. Trainer Tuomas Iisalo bewertet die abgelaufene Spielzeit und blickt auf die neue, die für die Merlins morgen in Paderborn beginnt, voraus.

Herr Iisalo, die Merlins haben eine herausragende Hauptrunde gespielt, in den Play-offs kam dann das frühe Aus. Wie bewerten Sie die Saison insgesamt?

Tuomas Iisalo: Enttäuschend. Wir haben während der regulären Saison eine sehr gute Entwicklung genommen und uns eine gute Ausgangslage für die Play-offs geschaffen. Unglücklicherweise konnten wir aus diesem Vorteil in den Play-offs kein Kapital schlagen.

Warum sind die Merlins im Viertelfinale an Gotha gescheitert? Gibt es den einen Hauptgrund?

Es gibt nur ganz selten den einen Hauptgrund. Für gewöhnlich kommen viele kleinere Gründe zusammen. Kurz gesagt: Wir haben es nicht geschafft, die Serie mit unserem Rhythmus und unserem Tempo zu dominieren. Wir haben dem größeren und physisch stärkeren Team die Spielregeln überlassen. Es ist aber zu komplex, das Ganze in Kürze zu erklären.

Werden Sie in dieser Saison in der Hauptrunde etwas anders machen?

Natürlich! Unser Arbeitsablauf entwickelt sich ständig, die Mannschaft hat ein anderes Gesicht als letzte Saison, und wir haben mehr Erfahrung.

Können Sie verstehen, wenn Fans bemängeln, dass dem Team ein Plan B gefehlt habe und das Spielsystem zu sehr auf Würfe von außen ausgerichtet war?

Jede Mannschaft hat ihre eigene Persönlichkeit. Und die sollte kein Team in den Play-offs plötzlich ändern. Jede Mannschaft nimmt gewisse Anpassungen vor, aber man kann auch zu viele vornehmen und dabei die eigene Persönlichkeit und Verantwortung verlieren. Auf der anderen Seite kann das Festhalten an seinem Plan leicht zur Sturheit werden. Niemand weiß die richtige Antwort. Ich sehe die Sache mit den Schützen von außen ganz anders: Wir hatten nicht genug Wurfkraft. Deshalb haben wir diese Saison bessere Schützen verpflichtet.

Werden Sie mit den neuen Spielern auch am Spielsystem etwas ändern?

Auf jeden Fall! Wir versuchen das Spielsystem unserem Personal so gut wie möglich auf den Leib zu schneidern. Wir werden in der Offensive kleinere Anpassungen vornehmen und umfassendere Anpassungen in der Defensive.

Was erwarten Sie von den fünf neuen Spielern Michael Cuffee, Frank Turner, Sebastian Herrera, Michael Smith und Sherman Gay?

Ich erwarte von ihnen, dass sie sich als Persönlichkeiten ins Team integrieren, dass sie dem Team helfen besser zu werden und zu gewinnen, und dass sie als echte Profis trainieren und agieren.

Warum wollten Sie mit den fünf verbliebenen Spielern Michael Jost, Patrick Flomo, Konrad Wysocki, Chase Griffin und Martin Bogdanov weiterarbeiten?

Sie sind Persönlichkeiten und Spieler, um die man ein Team aufbauen kann. Zusätzlich haben sie alle ganz spezielle Fähigkeiten, von denen wir denken, dass sie unsere Spielidee des Basketballs bestens ergänzen.

Hätten Sie gerne noch einen Spieler aus der Vorsaison gehalten?

Bei Tuukka Kotti and Nimrod Hilliard haben wir uns mit einer Entscheidung sehr schwer getan. Bei Tuukka war es eine finanzielle Entscheidung. Bei Nimrod mussten wir Stärken und Schwächen des Teams beurteilen, und leider konnte er unserer Meinung nach die Mannschaft nicht genug vervollständigen. Ich mag aber beide als Menschen und Spieler sehr. Kevin Tiggs stand aus finanziellen Aspekten auch nicht wirklich zur Diskussion.

Welche Rolle übernimmt Co-Trainer Vesa Vertio während des Trainings und des Spiels?

Vesa kommt eine gewaltige Rolle in unserer Entwicklung zu. Er kümmert sich um die körperliche Vorbereitung oder ergänzendes Training. Er ist zudem dafür verantwortlich, das Angriffsverhalten der Gegner zu analysieren. Zusätzlich treffen wir alle weitreichenden Entscheidungen zusammen. Es ist hier überhaupt keine Ein-Mann-Show, sondern ein Trainerteam, das versucht, so gut wie möglich zusammenzuarbeiten. Marko Stankovic ist uns als Assistenztrainer ebenfalls eine große Hilfe. Er hat ein sehr gutes Basketballverständnis und kann Spieler toll entwickeln. Ich schätze es sehr, dass er eine unterschiedliche Basketballphilosophie mitbringt und sich auch nicht davor scheut, meine Ansichten infrage zu stellen. Wir wollen keine Ja-Sager im Team, sondern sind auf der Suche nach der Wahrheit.

Manager Martin Romig hat über Sie gesagt, dass er kaum einen Trainer kennengelernt hat, der so analytisch und detailverliebt arbeitet wie Sie. Im Spaß meinte er, dass Sie sogar von Ihren Spielern wüssten, ob deren Toilettenpapier drei- oder vierlagig sei. Und dass er vergangene Saison stellenweise mit den schönsten Basketball gesehen habe, den Crailsheim jemals gespielt habe. Was sagen Sie zu diesem Lob?

Das ist sehr nett gemeint von Martin. Ich glaube, dass klare Ideen noch wichtiger sind als Disziplin. Wenn jeder weiß, was von einem erwartet wird, dann kann man Verantwortung aufbauen und hoffentlich auf lange Sicht ein Zugehörigkeitsgefühl. Unsere Spielweise ist nicht darauf ausgelegt wunderschön anzusehenden Basketball zu kreieren. Aber wie es in vielen Fällen ist: Die Form folgt der Funktion. Aufeinander abgestimmte Laufwege der Spieler kombiniert mit großartigem Passverhalten ergeben die effektivste Art des Basketballs. Und auch ästhetisch sehr ansprechend. Man muss sich nur mal Bamberg anschauen.

Romig sagte auch, dass die Merlins Kontinuität auszeichne. Ihr Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Würden Sie gerne noch länger in Crailsheim bleiben?

Meine Familie und ich genießen die Zeit in Crailsheim und als Teil der Merlins-Familie sehr. Ich hoffe, dass wir das nach dieser Saison fortsetzen können. Aber ich verstehe auch, dass es ein Geschäft ist. Und wir haben als Klub große Erwartungen, also werden Ergebnisse erwartet. Kommt Zeit, kommt Rat.

Sie gehen gerne joggen. Am 3. Oktober findet in Crailsheim der Sparkassenlauf über zehn Kilometer statt. Werden Sie eventuell starten?

Leider ist der Terminplan während der Saison zu vollgepackt für Laufwettbewerbe. Ich versuche, dass ich im Laufe der Woche ein paar Mal laufen gehen kann, aber selbst das gestaltet sich im Moment schwierig. Ich sollte es öfter machen, weil es gut für den Seelenfrieden und eine schöne Abwechslung zum Bürotag ist, wenn man nur dasitzt und sich Basketballspiele ansieht.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute für die Saison!

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