Tübingen
: Das KIKE-Kunstatelier bietet Kindern krebskranker Eltern Unterstützung und begleitet die Familien

„D ie Titanic geht zwischen großen Wellen unter. Zwar nahen Rettungsboote heran, doch auch sie haben mit der Übermacht der Wellen zu kämpfen“, so erklärt Ina Taller ein Bild, das ein Kind bei ihr gemalt hat. Zur Freude der Kunsttherapeutin zeigt es nicht nur die gewaltige Bedrohung durch das Wasser, sondern mit den Rettungsbooten auch einen Ausweg.
Von
Rebekka Schäfer
Tübingen

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Nicht gesetzt

Die Diplom-Kunsttherapeutin arbeitet zusammen mit ihrer Kollegin Jutta Eltgen im Atelier von KIKE. Das Angebot des Tumorzentrums Tübingen-Stuttgart richtet sich an Kinder krebskranker Eltern. Das Kunstatelier soll ein „geschützter Ort“ für die Kinder sein – ein Ort, an dem sie ihre Bedürfnisse ausleben können und sich nicht verstellen müssen.

Bedürfnisse ausleben: Das können Kinder, bei denen ein Elternteil an Krebs erkrankt ist, häufig nicht. „Viele ziehen sich zurück, da sie mit der Situation überfordert sind.“ Andere versuchen, die Eltern zu entlasten, in dem sie zuhause mehr Aufgaben übernehmen oder sich in der Schule besonders anstrengen. Jedes Kind reagiere ganz individuell auf die große Belastung – für viele ist die Kunsttherapie eine wertvolle Unterstützung.

Vor jeder Therapie findet ein Elterngespräch statt: „Welche Rolle hat das Kind in der Familie?“ und „Wie geht es mit der Krankheit des Elternteils um?“ Das sind wichtige Fragen, um herauszufinden, ob dem Kind eine Therapie helfen könne, so Taller. Die Kommunikation mit der Familie spiele über den gesamten Zeitraum der Therapie eine zentrale Rolle.

„Am Anfang sagen Kinder oft: „Es geht mir gut.“ – viele können ihre Gefühle nicht zuordnen, sagt Taller. „Sie müssen lernen, was ihre eigenen Bedürfnisse sind.“ Diese Entwicklung soll mit der Kunsttherapie gefördert werden. „Kinder drücken sich anders aus als Erwachsene, wir begleiten sie in der Situation, in der sie sich gerade befinden“, so Eltgen. Sie reproduzieren ihre Erfahrungen, „zeigen ihre eigene Welt“ mit dem Ausdruck durch die Kunst.

Das kann auf vielfältige Weise geschehen, der kleine Raum lädt zum Aktiv-Werden ein: Ton, Farben, Leinwände –der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Dabei gehe es nicht darum, dass die Teilnehmer am Ende „etwas Schönes mit nach Hause nehmen können“, sondern um den Prozess, den sie durchlaufen, erklären die beide Therapeutinnen.

Wie sich die Gefühle der Kinder denn äußern können? Taller erzählt von Kindern, die einen Teddybär immer wieder im Ton vergraben und ihn dann wieder zum Vorschein bringen: „Sie lernen, dass auch, wenn etwas weg zu sein scheint, es doch noch da ist.“

Einen offenen und kindergerechten Umgang mit dem Thema Krebs halten die Therapeutinnen für wichtig. „Sie wissen, dass sie hier alle Fragen stellen können und wir über ihre Situation Bescheid wissen.“

Die Fortschritte der Kinder seien sehr deutlich – „Es macht Freude, die Entwicklung und Kraft der Kinder zu sehen.“, sind sich Taller und Eltgen einig.

Die Kunsttherapie von KIKE

Seit 2011 gibt es das Kunstatelier von KIKE – damals geleitet von einer Therapeutin mit nur einer 25-Prozent-Stelle. Eltgen, die 2015 anfangs nur die Elternzeitvertretung für Taller war, wurde aufgrund der wachsenden Nachfrage übernommen. Insgesamt 29 Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 18 Jahren nehmen an dem Projekt momentan teil – und die Nachfrage steigt. Die meisten Stunden sind Einzeltherapien. Eltgen betreut aber auch eine Gruppe von vier Jugendlichen, die sich durch Austausch gegenseitig unterstützen können – ein Projekt, das in Zukunft noch weiter gefördert werden soll. Voraussetzung ist allerdings, dass KIKE viele neue Spenden bekommt.