Jenseits des Bösen

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  • Honorarfrei - 19.01.2017 Susan Reneau poses for a portrait as she shows off her patriotic outfit near Constitution Avenue on January 19, 2017, in Washington, DC. US President-elect Donald Trump will be sworn on January 20 as the 45th President of the United States. / AFP PHOTO / Joshua LOTT Trump  1/3
    Honorarfrei - 19.01.2017 Susan Reneau poses for a portrait as she shows off her patriotic outfit near Constitution Avenue on January 19, 2017, in Washington, DC. US President-elect Donald Trump will be sworn on January 20 as the 45th President of the United States. / AFP PHOTO / Joshua LOTT Trump Foto: 
  • „Amerika besser machen“: Seit vergangenem Jahr zeigen viele Menschen ihre Begeisterung über Donald Trump. Unsere Fotos entstanden im Oktober 2016 in Cedar Rapids, Iowa. 2/3
    „Amerika besser machen“: Seit vergangenem Jahr zeigen viele Menschen ihre Begeisterung über Donald Trump. Unsere Fotos entstanden im Oktober 2016 in Cedar Rapids, Iowa. Foto: 
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Dallastown ist eine winzige Gemeinde in Pennsylvania.  An beiden Seiten der Hauptstraße stehen kleinere, leicht heruntergekommene Häuser im Kolonialstil des frühen 20. Jahrhunderts. Vor fast jedem Haus weht ein Sternenbanner in der sanften Brise, in etlichen Gärten sind immer noch „Trump Pence“- Schilder zu sehen, in Erinnerung an den Wahlkampf, den Donald Trump mit dem heutigen Vize-Präsidenten bestritten hat. Die Stoßstangen der Pick-Up-Trucks und Familienvans zieren Aufkleber:  „Make America Great Again“. Oder:  „Baut die Mauer“. „Weist Illegale aus: Die Illegalen von heute sind die Demokraten von morgen“. Tiefer als hier kann man kaum in Trump-Land eintauchen.

  Direkt an der Main Street hat der Fotograf Lee Friedman sein Atelier. Vor einer Leinwand stehen zwei Stative mit Spiegelreflexkameras, die der Fotograf nach wie vor für die besten hält. „Mehr als 20 000 Dollar hat mich die neuere Ausrüstung gekostet, aber wenn es um die Qualität meiner Arbeit geht, kann ich keine Abstriche machen“, betont er.  Lee ist ein unterhaltsamer, redegewandter und politisch interessierter Mensch. Wenn es um die Wahl von 2016 geht, wird der Trump-Anhänger deutlich. Über den Präsidenten will Lee Friedman aber erstmal gar nicht reden. Stattdessen knöpft er sich dessen damalige Konkurrentin Hillary Clinton vor: „Sie ist kriminell, sie gehört ins Gefängnis, nicht ins Oval Office.“ Das „ovale Büro“ ist das Dienstzimmer des Staats­chefs im Weißen Haus.

Friedman zählt „Verbrechen“ auf, die er und andere Republikaner der Gattin des früheren US-Präsidenten Bill Clinton zur Last legen: etwa die 30 000 gelöschten E-Mails der damaligen Außeministerin im Zusammenhang mit dem Terroranschlag in Bengasi im Jahre 2012, bei dem unter anderem der US-Botschafter ums Leben kam. Die Mails sollen belegen, dass Clinton von den Anschlagplänen gewusst und zu spät reagiert habe. Auch die angeblichen Verbindungen, die die Clinton-Stiftung zum organisierten Verbrechen und Wladimir Putins Oligarchen haben soll, führt Friedman an.

„Wir brauchen keine etablierten Karrierepolitiker mehr, sondern erfolgreiche Geschäftsleute“, sagt der Fotograf. Solche, die auch in der Politik wirtschaftlich fundierte Entscheidungen treffen. Ob es um Investitionen in die oft marode Infrastruktur des Landes, die Modernisierung des Militärs oder um Schuldenabbau geht: Trump, der 45. US-Präsident, sei  ein „Macher“, der sich etwas in den Kopf setzt und es dann auch verwirklicht.

Besonders würdigt Lee Friedman Trumps Versprechen, Millionen neue Jobs zu schaffen. Schließlich habe sein eigenes Geschäft seit dem Beginn der digitalen Revolution stark gelitten, erzählt der Fotograf und zeigt auf einige künstlerische Aufnahmen an den Wänden seines Studios, die er bei Hochzeiten, Abiturfeiern und militärischen Zeremonien gemacht hat. „Millennials machen nur noch Fotos mit ihren Smartphones“,  lamentiert er. Selbst auf Hochzeiten, an denen Fotografen früher kräftig verdienen konnten, knipsen sie heute ihre Bilder selbst oder lassen sich von Gästen ablichten. Glücklich ist der zweifache Vater, dass das Haus abbezahlt ist und sein 28-jähriger Sohn, der beim Motorradhersteller  Harley Davidson arbeitet, einen vernünftig bezahlten Job hat. „Ich habe noch ein paar Jahre bis zur Rente, das schaffen wir“, sagt er relativ gelassen. Und fügt rasch hinzu, dass es schon hilfreich wäre, wenn Trumps Versprechen neuer Jobs auch für ihn wahr würde.

 Trumps Außenpolitik hält Friedman für gelungen – „der setzt sich mit Putin an einen Tisch, und zwei große Patrioten versuchen, miteinander auszukommen“ –, die Kommunikation des Präsidenten  hingegen irritiert ihn: „Die gottverdammten Tweets machen mich rasend“,  sagt er, reißt erbost die Baseballkappe vom Kopf und und fährt mit den Fingern unruhig durch seinen dichten, schwarzen Bart. „Irgendjemand sollte ihm das Handy wegnehmen, er muss wirklich lernen, die Klappe zu halten und nicht Chaos und Verwirrung zu stiften.“

Unter dem Strich, räumt der Familienvater ein, seien die ersten sieben Monate unter Trump eher enttäuschend gewesen. Was er allerdings nicht dem Präsidenten anlastet: Mit ihrer  Blockadepolitik im Kongress seien die Demokraten hauptverantwortlich dafür.

Was die nächsten drei Jahre angeht, zeigt sich Lee Friedman ausgesprochen optimistisch. „Weil Trump ein Patriot ist, ihm geht es nicht um die eigene Person, sondern darum, Amerika besser zu machen.“ Und sollte die eine oder andere Erwartung enttäuscht werden, gebe es immer einen tröstlichen Gedanken: „Dass die Clintons nicht wieder im Weißen Haus sind und somit das Gute über Böse gesiegt hat.“

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