Entsetzlicher Handel mit neunjährigem Jungen

Die Polizei hat einen Pädophilen-Ring bisher nicht gekannten Ausmaßes im Raum Freiburg zerschlagen.

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Jahrelang soll eine Mutter ihr Kind gegen Geld für Vergewaltigungen zur Verfügung gestellt haben.  Foto: 

Eine Mutter als Tatverdächtige, das ist die Ausnahme“, sagt Horst Haug, Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA). Die Behörde hat am Donnerstag Informationen zur Zerschlagung eines Pädophilen-Rings im Raum Freiburg öffentlich gemacht. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand ist ein heute neunjähriger Junge zwei Jahre lang von Pädophilen sexuell missbraucht und vergewaltigt worden. Seine Mutter und ihr Lebensgefährte aus dem Raum Freiburg sollen ihn im Netz „angeboten“ haben. Acht Tatverdächtige sitzen in Untersuchungshaft, einer ist beim Landgericht Freiburg bereits angeklagt. Sowohl der Lebensgefährte als auch ein Tatverdächtiger aus Schleswig-Holstein saßen wegen Kindesmissbrauchs bereits im Gefängnis.

Nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Michael Mächtel aus Freiburg saß der 37-jährige Stiefvater des Jungen wegen sexuellen Missbrauchs Jugendlicher mehrere Jahre in Haft. 2014 sei er entlassen worden. 2015 hat er mit der 47-jährigen Mutter des Jungen damit begonnen, das Kind im Netz „anzubieten“. „Es gibt Hinweise darauf, dass das Paar von den Männern jeweils mehrere tausend Euro bekommen hat“, sagt Mächtel. Unklar sei, für wie lange das Kind den einzelnen Männern für den sexuellen Missbrauch zur Verfügung gestellt worden ist. „Das ist noch Gegenstand der Ermittlungen.“ Es ist davon auszugehen, dass das Paar mit dem Jungen viel Geld verdient hat, weil das „Geschäft“ so gut lief. Das Kind musste nicht nur den Freiern zu Diensten sein, das Paar selbst soll sich mehrmals an dem Kind vergangen, es „mit Gewalt und Drohungen“ gefügig gemacht haben.

Die Kontaktaufnahme soll übers Internet gelaufen sein. Das Kind sei „angeboten“ worden. Die Treffpunkte waren im Großraum Freiburg. Nach umfangreichen verdeckten Ermittlungen sollte am 3. Oktober 2017 ein weiteres Treffen in Karlsruhe stattfinden. Ein 43-Jähriger aus Schleswig-Holstein wollte sich mit dem Jungen treffen. Davor soll er im Netz „Tötungsfantasien im Zusammenhang mit einem Kindesmissbrauch geäußert haben“, informiert das  LKA.

Als er in Karlsruhe eintraf, wurde er von Spezialkräften in Empfang und festgenommen. In seinem Rucksack fanden sich Fesselutensilien.  Der Mann soll 2010 vom Landgericht Kiel wegen schweren Kindesmissbrauchs zu einer zehnjährigen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden sein. Der Mann legte Revision ein, und der Bundesgerichtshof soll das Urteil an das Landgericht zurückverwiesen haben. Dort soll das Urteil auf fünf Jahre und acht Monate verkürzt worden sein. Ohne Sicherungsverwahrung. Der Mann wurde 2015 frei gelassen. Seit dem 3. Oktober 2017 sitzt er erneut in U-Haft. Mit ihm sieben weitere Tatverdächtige.

Aufgeflogen ist der Handel mit dem Jungen durch einen anonymen Hinweis am 10. September 2017. Bereits fünf Tage später waren die Mutter und der Stiefvater identifiziert. Sie sitzen seit Mitte September in U-Haft. Der Junge befindet sich in der Obhut des Jugendamtes. Das hatte schon vorher Kontakt mit der Familie. „Dabei ging es um Hilfen zur Förderung der persönlichen Entwicklung des Kindes“, sagte ein Sprecher der Behörde. Im März 2017 habe die Polizei der Behörde von einer möglichen sexuellen Gefährdung berichtet. Da sei der Junge aus seiner Familie genommen worden. Das zuständige Gericht habe aber entschieden, das Kind zurück in die Familie zu geben.

Die Ermittler konnten noch im September einen ebenfalls einschlägig vorbestraften 40-Jährigen aus dem Großraum Freiburg festnehmen. Auch er sitzt in U-Haft. Ebenso ein 49 Jahre alter deutscher Soldat. Er wurde in der deutsch-französischen Brigade im Elsass festgenommen. Ein Schweizer konnte in Österreich, ein Spanier in seinem Heimatland aufgegriffen werden.

Bei den Ermittlungen des LKA wurde auch Filmmaterial gefunden, das den sexuellen Missbrauch eines Mädchens zeigt. Die Experten für Internet-Kriminalität konnten als Tatverdächtigen den 32-jährigen Vater aus Schleswig-Holstein ermitteln. Er sitzt seit dem 3. November im Gefängnis.

„Es handelt sich um den schwerwiegendsten Fall von sexuellem Missbrauch an Kindern, den wir beim LKA je hatten“, sagt Pressesprecher Horst Haug. Die Arbeit an diesem Fall hätte die Polizeibeamten an ihre Grenzen gebracht.

Der Betreiber eines kinderpornographischen Forums aus dem Kreis Sigmaringen ist aufgeflogen. Nach einem anonymen Hinweis hatte das LKA Ermittlungen aufgenommen. Die haben dazu geführt, dass vor kurzem die Wohnung des Tatverdächtigen durchsucht wurde. 18 Notebooks und PC, über 30 Festplatten, fünf Mobiltelefone und viele digitale Speichermedien wurden sichergestellt und werden ausgewertet. Der Mann hatte das Forum im Darknet, einem illegalen Bereich des Internets, betrieben. wal

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