Katzen-Mafia im Visier
Stuttgart. Gibt es wirklich Profi-Tierfänger, die Haustiere stehlen? Tierhalter glauben felsenfest daran, im Internet warnen zig Seiten vor den Tätern. Dabei sind selbst Tierschützer äußerst skeptisch: Ist alles nur Hysterie?
Die Haustier-Mafia kommt nachts oder frühmorgens im weißen Lieferwagen. Ihre Beutezüge sind raffiniert ausgeklügelt: Unter dem Deckmantel von Altkleider- oder Schuhsammlungen kundschaften sie Wohngebiete aus. Mit Sexuallockstoffen machen sie Katzen gefügig - und nehmen sie mit, um sie an Versuchslabors und Tierfell-Produzenten zu verkaufen.
So ähnlich klingen die Geschichten über professionelle Tierfänger, die seit vielen Jahren kursieren. Sobald in einem Dorf oder Viertel mehrere Tiere spurlos verschwinden, ist das Gerücht von den Katzenfängern nicht weit. Lokalzeitungen berichten über Verdächtigungen, im Internet warnen dutzende Seiten wie "tierdiebstahl.de" vor den Machenschaften der Tier-Mafia und geben Tipps, wie man sich schützen kann.
Doch selbst Tierschützer winken ab. "Es gibt keinen stichhaltigen Nachweis für diese Geschichten", sagt Herbert Lawo vom Landestierschutzverband Baden-Württemberg. Der Reutlinger wurde selbst schon bei Verdachtsfällen zu Hilfe gerufen. "Die Polizei hat sogar mehrmals Lieferwagen von Kleidersammlern angehalten und durchsucht", sagt Lawo. Ergebnis: keins. Im Bundesgebiet ist noch nie ein Täter dingfest gemacht worden. Dennoch glauben viele Menschen felsenfest an Tierfänger. "Das ist zum Selbstläufer geworden", sagt Lawo.
Auch für die Betreiber des Tierregisters "Tasso", das jährlich 50 000 entlaufene Tiere zurückvermittelt, sind die Vorwürfe Alltag. "Das wird sehr oft an uns herangetragen", sagt Sprecher Lutz Thümmel. "Wenn die Tonnen von Kleidersammlungen aufgestellt werden, bilden sich in manchen Vierteln regelrechte Bürgerwehren." Auch Tasso-Leute hätten sich schon auf die Lauer gelegt. Heraus kam nie etwas.
Doch die Skeptiker stehen vor einem fast philosophischen Problem: Man kann nicht beweisen, dass etwas nicht existiert. "Es ist unmöglich, den Leuten das auszureden", sagt Thümmel. Dabei sind die Zweifel an der wirtschaftlichen "Verwertbarkeit" der Haustiere groß:
Versuchslabors sind gesetzlich verpflichtet, eigens gezüchtete Labortiere zu nutzen. Versuche an Haustieren sind verboten - und wären wissenschaftlich wertlos, da kontrollierte Bedingungen herrschen müssen. "Kein Labor kann sich erlauben, mit wildfremden Tieren zu experimentieren", sagt Lawo.
Für Katzen- und Hundefelle, die zu Rheumadecken und Innenfuttern verarbeitet werden, gab es bis vor kurzem zwar einen Markt. Doch der logistische Aufwand, den "Rohstoff" ausgerechnet in deutschen Wohnsiedlungen zu beschaffen, wäre kaum rentabel: Aus China und Korea konnten Felle für wenige Cent importiert werden (seit 2009 ist der Handel verboten). In Süd- oder Osteuropa gebe es zudem streunende Tiere im Überfluss.
Doch diese Argumente können die Tierdiebstahl-Aktivisten nicht überzeugen. Im Gegenteil: Sie rüsten sich für den Befreiungsschlag, um aus der "Spinner-Ecke" zu kommen. "Wir wollen die Täter aus ihren Löchern scheuchen", sagt die für Süddeutschland zuständige Mitarbeiterin von "tierdiebstahl.de". An der Existenz der Tierfänger gebe es keinen Zweifel. "Wir haben einen Staatsanwalt gefunden, der der Sache nachgeht - aber dem müssen wir Fakten liefern." Also sammelt das Aktivisten-Netzwerk akribisch Vorfälle aus ganz Deutschland, führt Listen mit verdächtigen Kennzeichen, stellt zwielichtige Firmen an den Pranger, tauscht Namen verdächtiger Personen aus. "Wir haben da zum Beispiel einen Halbrussen aus Schwaben im Visier", sagt die Mitarbeiterin, die anonym bleiben will. Warum es sich eben doch lohne, in Deutschland auf Katzen- und Hundefang zu gehen, ist für die Tierfreunde klar: "Die Tiere hier sind wohlgenährt und gepflegt, das finden sie anderswo nicht." Außerdem sei der Tierdiebstahl etwa für osteuropäische Kleidersammler auf ihren Touren nur ein Nebenerwerb.
Die Zahl der Haustiere, die jährlich verschwinden, wird auf mehrere hunderttausend geschätzt. "Die größte Gefahr ist der Straßenverkehr", sagt Petra Zipp vom Tierschutzzentrum Pfullingen. Werde ein Tier überfahren, erfahre der Halter das oft nie. Laut Lawo gibt es auch hin und wieder Fälle, bei denen Tierhasser oder gar Satanisten Tiere töten. Häufiger kommen Katzen jedoch aus Eigensinn nicht mehr zurück. "Wenn es denen woanders besser gefällt, bleiben sie einfach dort", sagt Lutz Thümmel.
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Autor: ROLAND MÜLLER | 07.01.2010
Stets umgeben von Gefahren: Freilaufende Katzen. Profi-Tierfänger gehören wohl eher nicht dazu. Archivfoto
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Kommentare (5)
Katzen-Mafia im Visier
Tierdiebstahl distanziert sich hiermit ausdrücklich von den Informationen, die die anonyme Informantin in Bezug auf die Recherchearbeit von Tierdiebstahl dem Redakteur gegenüber gemacht hat. Wie diese Person, überhaupt zu ihren Vermutungen in Bezug auf die Arbeit von tierdiebstahl kommt, ist ebenfalls als zweifelhaft anzusehen, schadet eher der Sache!Außerdem liegt auch bei tierdiebstahl die Vermutung sehr nahe, dass diese Informatin aus dem bayerischen Raum kommt, deshalb ist die Verwunderung, dass der Artikel im Stuttgarter Raum erschien auch bei tierdiebstahl sehr groß. Förderlich für die Arbeit von tierdiebstahl ist dieser Zeitungsartikel mit Sicherheit nicht!
Zu:Reale Situation im Erscheinungsbereich...
Diesen Kommentar gibt die Betreiberin von www.katzenfreunde-gegen-katzenklau.de ab, welche seit langen Jahren im Pharmakonzern Bayer Leverkusen tätig ist.Wie passt das zusammen???
tierdiebstahlby@aol.com
zum 3ten Kommentar, "was wie zusammenpasse ..."
da dem Leser in diesem Kommentar Fragezeichen gesetzt wurden: Antworten und Hintergrund sind auf der Internetseite u.a. unter "BRD aktuell" www.katzenfreunde-gegen-katzenklau vorhanden.Außer dem Querverweis auf Information werden diese hier nicht eingefügt, da sie weder den Artikel noch die Zeitung betreffen und daher die "Kommentarfunktion für Artikel" hierzu nicht weiter missbraucht wird.
Auch unser Forum und Gästebuch zeigt, dass dort ausreichend Platz für kritische Fragen und Meinungen - auch öffentlich - vorhanden war und ist, und diese auch beantwortet wurden.
vlg. Birgit Stübner, birgit.stuebner@t-online.de, www.katzenfreunde-gegen-katzenklau.de