Linden-Museum: Nachforschung über Erbe noch im Gange

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Die Forschung über das Erbe des Stuttgarter Linden-Museums aus der Kolonialzeit ist noch im Gange.  Das 2016 begonnene Projekt zusammen mit der Universität Tübingen läuft bis zum kommenden Jahr. Abgeschlossen sind jedoch die zwischen April 2016 und März 2017 angestellten Nachforschungen über die Herkunft von Objekten, die während der Nazizeit ins Museum kamen. Die Historikerin Shammua Mohr hat dazu jetzt einen Bericht vorgelegt.

33 Objekte von jüdischem Kaufmann im Fokus

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der externen Wissenschaftlerin betrifft eine Sammlung von 33 Objekten. Sie gehörten dem jüdischen Kaufmann Adolf Grünwald. Diese Objekte – Kleidungsstücke und Schuhe aus Japan, Bücher und Fotos –  gelangten 1937 in den Besitz des Linden-Museums. Es handelt sich um eine Schenkung, doch für Mohr besteht Gewissheit darüber, dass sie nicht freiwillig geschah.

Der Stuttgarter Grünwald (1881 - 1961) war mit seiner Familie wie viele andere jüdische Mitbürger dem Druck des nationalsozialistischen Regimes ausgesetzt. 1937 entschloss sich die Familie zur Emigration. Grünwald übergab seine ethnologische Sammlung dem Linden-Museum. Im Februar 1938 wanderte die Familie nach Brasilien aus. Grünwald war demnach in einer Zwangslage, als er seine Objekte abgab. Deswegen handelt es sich, so das Linden-Museum, um „einen unrechtmäßigen Erwerb von Kulturgut“.

Von den 33 Objekte liegen im Museum aber nur noch 19 vor. 14 seien in den 1950er Jahren veräußert worden. Die Stücke, die im Museum verblieben sind, hat das Museum im Juni in der Datenbank „Lost Art“ veröffentlicht.

Insgesamt hat das Linden-Museum zwischen 1933 und 1945 330 Sammlungen mit rund 5000 Objekten erworben. Mohr erstellte eine Verdachtsliste mit 1082 Objekten, darunter auch die von Grünwald. Von den 1082 Objekten, die Mohr intensiv geprüft hat, konnte laut Museum in 370 Fällen die Herkunft vollständig aufgeklärt werden. Bei 397 Objekten fanden sich keine Indizien für einen Hintergrund, der auf Verfolgung der früheren Eigentümer schließen lassen.

Viele Objekte schwer einzuschätzen

315 Objekte seien schwer einzuschätzen, weil sie mit dem Kunsthandel und Polizeiinstitutionen in Verbindung stehen. „Sie bedürfen der weiteren Erforschung“, so das Museum. Im Moment sei noch kein Folgeprojekt beantragt.

Info: Das völkerkundliche Linden-Museum besteht seit 1911. Träger sind das Land und die Stadt Stuttgart. Der Name geht auf den Initiator Karl Graf von Linden zurück.

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