„Das Strafbedürfnis endet nicht“

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Jens Rommel leitet seit 2015 die Behörde in Ludwigsburg mit dem offiziellen Namen „Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen“. Seit 1958 verfolgen von dort Staatsanwälte, Richter und Polizeibeamte Menschen, die verdächtigt werden, Nazistraftaten begangen zu haben.

Rommel geht mit seinem Thema auch an die Öffentlichkeit.  Im Museum der Stadt Ludwigsburg hielt er einen Vortrag, den er umgangssprachlich mit „Was geht noch?“ überschrieben hat. Damit verweist er auf das Hauptproblem seiner Tätigkeit: die Zeit. Die verbliebenen Tatverdächtigen sind zwischen 1918 und 1927 geboren, also 90 Jahre und älter.

Der Saal ist mit rund 60, fast ausschließlich älteren Menschen besetzt, die sich Zeit für ein sperriges Thema nehmen. Im Gespräch zeigt sich, dass einige Zuhörer am Sinn einer solchen jahrzehntelangen Strafverfolgung zweifeln. Den Zweifel bringt ein Mann mit einer Frage auf den Punkt: Ist es überhaupt noch gerechtfertigt, „alte Männer vors Gericht zu zerren“?

Das Argument, irgendwann müsse es doch mal gut sein, ist dem 44-jährigen Staatsanwalt bekannt. Neun Verfahren hat es nach seinen Angaben 2016 gegeben, in vier waren Frauen angeklagt. Somit sind es nicht allein Männer, die sich über 70 Jahre nach dem „Dritten Reich“ der Verantwortung stellen müssen.

Eine Angeklagte war die Sekretärin eines Lagerkommandanten. An diesem Fall zeigt Rommel, wie schwer es zu beurteilen ist, ob jemand an Gräueltaten beteiligt war, nur weil man aufgrund seiner Position hätte darüber Bescheid wissen müssen. „Solche Anklagen können unfair erscheinen“, beantwortet der Behördenleiter die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Ermittlungen, „ich glaube, dass es trotzdem richtig ist. Das Strafbedürfnis endet nicht.“

Erneut kommt ein häufig geäußerter Einwand. „Wer einen Befehl verweigert hat, wurde doch sofort erschossen“, behauptet ein Zuhörer. Rommel entgegnet, bei den vielen Vernehmungen sei noch nie ein solcher Fall ans Licht gekommen: „Es gab diesen Notstand nicht.“

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