Ku-Klux-Klan weiterhin aktiv

Dietmar B. aus einem Haller Teilort spricht am Montag in Stuttgart über seine Arbeit im rassistischen Geheimbund.

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Dietmar B.  lässt sich von einem Landtagsmitarbeiter den Weg zum Zeugenstuhl zeigen.  Foto: 

Der stämmige Mann mit martialischem Irokesenschnitt trägt einen blauen Bodybuilder-Pulli. Breitschultrig stapft der 49-Jährige gestern in den Landtag. Mit tiefer Stimme beschreibt der Haller vor dem NSU-Untersuchungsausschuss seine Rolle im europäischen Ableger der „United Northern and Southern Knights of the Ku Klux Klan“ (UNSKKK). Er sei nach wie vor „Supreme Grand Dragon“, also der Europa-Präsident. Offen spricht er über seine Klan-Arbeit.  Der Mann, der in der Türsteher-Szene aktiv ist, unter anderem im Bordell in Backnang für Ordnung verantwortlich war, sorgt für mehrere Überraschungen.

Denn genau vor fünf Jahren klang B. noch anders, als er von dieser Zeitung telefonisch mit seiner Mitgliedschaft in einem Rassisten-Geheimbund konfrontiert wurde. Damals, im Oktober 2012, gab sich B. wortkarg, bestritt eine Nähe zum Klan. Doch Dokumente, die der Redaktion vorlagen, belegten das Gegenteil. So wurde bekannt, dass es also einen zweiten KKK-Ableger mit Sitz in einem Haller Teilort gibt oder gab, zufällig in der selben Straße.

Mehr Bedeutung hatte zweifelsohne die erste Gruppe, die sich „European White Knights of the Ku Klux Klan“ nannte, kurz EWK KKK. Denn mindestens zwei deren Mitglieder waren Polizisten, einer von ihnen der direkte Vorgesetzte der getöteten Beamtin Michèle Kiesewetter beim Mord am 25. April 2007 in Heilbronn. Im Klan gab es mit Thomas Richter alias V-Mann „Corelli“ auch Bezüge zum Nationalsozialistischen Untergrund. Der NSU wird für den Mord verantwortlich gemacht.

Existenz verschwiegen

Als das im Sommer 2012 bekannt wurde, war der Geheimbund EWK bereits seit neun Jahren aufgelöst. Sowohl das hiesige Innenministerium  als auch das Landesamt für Verfassungsschutz berichteten, dass es seit 2003 keine weiteren Klan-Aktivitäten gegeben habe. Die UNSKKK, die es also heute noch gibt, wurde offenbar verschwiegen. Auf Nachfrage dieser Zeitung erklärte der damalige Innenminister Reinhold Gall später, Dietmar B. sei ein Einzelkämpfer ohne Bedeutung.

Ganz so ist es dann doch nicht. Dem Ableger gehören laut Akten bundesweit acht Mitglieder an. Das mindere nicht die Bedeutung, so Dietmar B., der täglich mit dem Klan-Hauptsitz in den USA Kontakt halte, der jährlich Treffen mit Kutten und Kreuzverbrennungen organisiere. Nur 2016 und 2017 habe es nicht geklappt.

Bewerber aussortiert

Die Statuten schrieben vor, dass keine Rechtsextremen beitreten dürften. 99 Prozent der Bewerber würden daher aussortiert. Das letzte Mitglied sei vor zwei Jahren aufgenommen worden. Es gehe dem Geheimbund, der in den USA durch Lynchmorde an Dunkelhäutigen berüchtigt ist, in Deutschland nur um „Brüderlichkeit, Zusammenhalt und das Leben der alten Tradition“, auf dem „Boden des Grundgesetzes“. B. stelle seine Rasse zwar über andere. „Das heißt aber nicht, dass die anderen Rassen schlechter sind.“ Der Haller distanziere sich wie die UNSKKK ausdrücklich von Fremdenhass.

Dass B. durchaus eine gewisse politische Ausrichtung lebt, zeigte ein Ermittlungsverfahren 2006. Damals wurde er von einem Puff-Besucher angezeigt, weil er ein T-Shirt mit SS-Runen und Hakenkreuz trug. Bei einer Hausdurchsuchung im Haller Teilort 2009 fanden Beamte Gürtelschnallen, Tassen, Feuerzeuge und mehr mit KKK-Aufdrucken, außerdem Utensilien aus dem Dritten Reich. Die Behörden blieben aber offenbar nicht am Rassisten dran, dementierten darauf sogar, dass es ihn gibt.

Laut Jürgen Filius, Obmann der Grünen, bewegt sich B. „in einer kruden Welt“, die nicht mit dem Gesetz vereinbar ist. Allerdings habe der Haller Hinweise gegeben, dass es weitere aktive KKK-Ableger gibt, die im Fokus bleiben sollten. Nico Weinmann (FDP) zeigt sich dahingehend beruhigt, dass „die Demografie das Thema KKK in Europa langfristig klären wird“.

Dass Brisanz im KKK stecken kann, zeigt gestern das ehemalige Mitglied Holger W., einst Rechtsrocker der Band „Triebtäter“. Er unterhielt enge Kontakte in die militante Neonazi-Szene. So kannte er das NSU-Trio auch persönlich. Der Arbeitslose lebt in Gschwend.

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