Die Sache mit dem Sektfrühstück

Emrah Yigit aus Kirchberg ist Lehrer an der Realschule Schenkensee. In der Show „Wer wird Millionär?“ bei Günther Jauch kommt er bei vemeintlich leichten Fragen ins Schwitzen – und gewinnt doch.

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Das Unterrichten ist Emrah Yigit am Dienstag nicht ganz leicht gefallen. Der Mathe- und Englisch-Lehrer an der Realschule Schenkensee in Hall ist ungezählte Male auf seinen TV-Auftritt vom Vorabend angesprochen worden. „Und ich bin tatsächlich ein bisschen zu spät zum Unterricht gekommen, weil ich immer wieder aufgehalten worden bin“, erzählt Yigit lächelnd.

Seine Schüler und Lehrerkollegen haben am Montagabend fleißig mitgeraten und zuweilen ordentlich mitgezittert, als die RTL-Show „Wer wird Millionär?“ ausgestrahlt wurde und Emrah Yigit tatsächlich auf dem Kandidatenstuhl gegenüber Moderator Günther Jauch Platz nahm. Klar, dass sie ihn am Dienstag auf dem Schulflur immer wieder in Beschlag nehmen.

Yigit selbst hat die Sendung gemeinsam mit seiner Frau Judith, den Eltern und Schwiegereltern daheim in Kirchberg angeschaut. Und obwohl er längst wusste, wie es ausgehen wird – immerhin ist die Show bereits Anfang November aufgezeichnet worden –, war Yigit aufgeregt. Freilich durfte er im Vorfeld niemandem vom Ausgang berichten, das musste er zuvor per Unterschrift zusichern. Und sonst wäre ja auch die Spannung weg gewesen.

Flink gelöste Rechenaufgaben

Schon einmal war Yigit gemeinsam mit seiner Frau als Zuschauer in der Rateshow: „Wir saßen in der ersten Reihe und waren sehr oft im Bild.“ Dann hat er sich selbst beworben, musste dafür unter anderem ein einstündiges Skype-Interview absolvieren – und es klappte. Da saß er nun also in einer Runde von acht potenziellen Kandidaten und musste möglichst schnell eine Einstiegsfrage beantworten, um überhaupt auf den begehrten Kandidatenstuhl zu kommen.

Anfangs sah Yigit da ziemlich alt aus – und Günther Jauch legte ihm mit väterlichem Charme und sachte mahnend die Hände auf die Schulter. „Ich war komplett nervös“, erinnert sich Yigit. Aber nach dem anfänglichen Ausfall spürte er, wie er sich langsam besser fühlte. Schließlich hat er es mit dem flinken Lösen einiger Rechenaufgaben in die eigentliche Fragerunde geschafft. „Seit 17 Jahre schaue ich diese Sendung, und vor den ersten fünf Fragen habe ich riesigen Respekt“, erzählt Yigit. Oftmals würden genau dort die Gefahren lauern. Und dann kam eben jene vierte Frage, bei welcher der 30-Jährige bereits einen Publikumsjoker bemühen musste und offenbar wirklich der einzige im Studio zu sein schien, der nicht auf die richtige Antwort „Sektfrühstück“ kam. Yigit nimmt’s mit Humor. „Meine Frau war dabei und ist dabei sicherlich zehn Tode gestorben“, erzählt er lachend. Zumal das Sektfrühstück im Hause Yigit nicht unbekannt sei. Auch bei zwei weiteren vermeintlich leichten Fragen geriet der Pädagoge ins Straucheln – bekam aber mithilfe der Joker noch die Kurve.

Vorbereitung: Zeitungslektüre

Schließlich konnte Yigit doch noch zeigen, welches Wissen er drauf hat. Immerhin hat er vor einiger Zeit eine Facebookseite erstellt, auf der er allerlei Wissenswertes veröffentlicht – „es macht mir Spaß, zu recherchieren und die Ergebnisse zu posten“. Zudem habe er zur Vorbereitung für die Show viel Zeitung gelesen.

Als er dann bei der 64 000-Euro-Frage erneut in Bedrängnis geriet, wollte er nichts riskieren. Er stoppte und gewann schließlich 32 000 Euro – Geld, das er und seine Frau für den Traum vom Eigenheim gut brauchen können. Alles richtig gemacht also.

Die Aufregung nach der Ausstrahlung sei noch größer gewesen als nach der Show-Aufzeichnung. Als Emrah Yigit wieder auf sein Smartphone schaute, hatte er 240 Nachrichten – „teilweise von Leuten, von denen ich schon ewig nichts mehr gehört habe.“ Dass er so viele positive Reaktionen bekam, freut ihn enorm. Allerdings habe es auch ein paar blöde und diskriminierende Kommentare gegeben. Das tue schon weh, räumt der sympathische Lehrer ein. Wie ihn dann eine ehemalige Schülerin in Schutz genommen hat, das habe ihn ehrlich gerührt.

Schüler und Kollegen sind stolz

Überhaupt scheinen Schüler wie Lehrer auf Emrah Yigit stolz zu sein: „Für diese tolle Leistung haben Sie sich dieses Sektfrühstück wirklich verdient“ – gratulierte ihm seine siebte Klasse mit einem Glückwunschschreiben samt Bild. Und den Spaß, den Kollegen nach dem Unterricht ein kleines Sektfrühstück zu spendieren, ließ sich Yigit auch nicht nehmen. Ach, der Hänger bei der Sektfrühstück-Frage wird ihm wohl schon noch eine kleine Weile nachhängen. Aber der Kirchberger sieht das locker.

Übrigens: Bei den Yigits wurde am Montagabend nach der Sendung natürlich gefeiert: mit Moët-Champagner – „ein etwas teurerer Sekt“, sagt Emrah Yigit augenzwinkernd, „den habe ich für etwas Besonderes aufbewahrt“.

Emrah Yigit ist 30 Jahre alt. Geboren und aufgewachsen ist er in Rothenburg ob der Tauber. Sein Studium absolvierte der Realschullehrer für Mathematik und Englisch in Würzburg, das Referendariat in Kirchberg. Seit zweieinhalb Jahren ist er Lehrer an der Realschule Schenkensee in Hall. Im vergangenen Jahr hat Emrah Yigit geheiratet. Seine Frau Judith (27) ist ebenfalls Lehrerin und unterrichtet in Crailsheim. Das Paar wohnt in Kirchberg. Nach Jahren beim SV Brettheim spielt Emrah Yigit nun Fußball bei der TSG Kirchberg.

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