Christbäume gibt es auch in bio - und aus der Region

Nur noch wenige Landwirte verkaufen Christbäume ab Hof. Die meisten Leute wollen eine Nordmanntanne und die wächst nicht im Wald. Also heißt es: selber anbauen.

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Martin Mayer sägt die unteren ungleichmäßig gewachsenen Äste der frisch geschlagenen Nordmanntanne ab. Jetzt kann der unbehandelte Baum in den Verkauf.  Foto: 

Martin Mayer aus Engelhofen ist Land- und Forstwirt. „Seit der Hofübernahme habe ich immer wieder Waldflächen zugekauft. Möglichst solche, wo schöne Fichten- und Tannenbestände sind“, berichtet er. Aber die beiden Baumarten sind nicht mehr so gefragt. Rund 80 Prozent seiner verkauften Christbäume sind Nordmanntannen aus eigener Kultur.

Ein Teil der Bäume steht in der Nähe seine Hofes. Bei Gschwend hat er noch einmal rund 4000 Nordmanntannen auf einem halben Hektar angepflanzt. „Wir sind ein Biobetrieb. Die Bäume werden weder gedüngt, noch gespritzt. Das schätzen viele Kunden. Zu uns kommen auch Leute aus Hall, weil sie einen unbehandelten Baum wollen“, sagt der Landwirt, dessen Hauptstandbeine die Mutterkuhhaltung und der Holzverkauf sind. Im Frühjahr pflanzt er gleich wieder junge Bäume nach. Im Juni mäht er zwischen den Bäumen, lässt das aber Gras liegen. „Dann ist der Boden gut bedeckt und die Nährstoffe aus dem Mähgut bleiben ihm erhalten“, erklärt er. Dort wo es nötig ist, greift er mit einem leichten Korrigierschnitt ein. „Bei einer Doppelspitze wird eine abgeschnitten oder eine zu lange Spitze wird gekürzt“, erklärt er.

Verkauf startet am Samstag

Erst gestern haben er und sein Sohn mit dem Einschlagen der Weihnachtsbäume begonnen, am Samstag gehen sie in den Ab-Hof-Verkauf. „Die Frische der Bäume kommt gut an“, sagt er. Ein Kunde habe mal gesagt, den Baum könne man gar nicht rausschmeißen, weil er nach drei Wochen immer noch nicht nadelt, erzählt er und lacht. Am häufigsten würden Bäume zwischen 1,70 und 2,40 Meter verlangt. Der Preis gehe aber nur bedingt nach Größe. Die Qualität sei entscheidend: „Der perfekte, schöne Baum ist der wertvollste“, sagt er. Eine Nordmanntanne kostet 20 bis 40 Euro. Fichten gibt es ab 10 Euro, Tannen ab 15 Euro. Werden auch mal Bäume gestohlen? „Das hält sich in Grenzen, die meisten Leute haben das nicht nötig“, meint er.

Jürgen Schäfer aus Frankenhardt-Hellmannshofen hat es schon früher Spaß gemacht, zusammen mit seinem Vater Christbäume aus der eigenen Kultur zu schlagen. „Das wollte ich weiterführen, als ich den Hof 2009 übernommen habe“, so der Nebenerwerbslandwirt. Einen Hektar Blaufichte und einen dreiviertel Hektar Nordmanntanne bewirtschaftet er. Die billige Konkurrenz aus Dänemark, die in den Baumärkten angeboten wird, erschwert ihm zwar den Absatz, „aber solange ich ab Hof verkaufen kann und keine Standgebühren zahle, lohnt es sich“, meint er. Ab 9. Dezember geht es heuer los. Gemeinsam mit Freunden holt er jetzt die Bäume von den Plantagen, verpackt sie in Netze, damit vor allem die Äste der Blaufichte beim Transport nicht beschädigt werden. Danach werden die Bäume wieder ausgepackt, damit die Kunden sie begutachten können. Auch bei ihm hängt der Preis von der Qualität ab. Eine 1A-Nordmanntanne kommt auf 20 Euro der Meter. Diese Baumart geht am besten. „Aber in letzter Zeit nehmen die Leute auch gern die etwas günstigere Blaufichte“, hat er beobachtet. Die meisten Kunden hätten gern einen etwa  1,80 hohen und  1,20 Meter breiten Baum.

Unterm Jahr weiden seine Schafe – eine spezielle Rasse, die die Bäume nicht anfrisst – in den Kulturen. Weil sie Brennnesseln, Disteln oder hohes Gras verschmähen, mäht er mit dem Freischneider nach. Schon im Herbst pflanzt er nach und versucht dabei, die Bäume möglichst nach Alter zu ordnen. „Dann habe ich einen besseren Überblick“, sagt er. Einen kleinen Teil seiner Bäume holt er von einem Landwirt aus der Region, aber langfristig will er weitere Flächen erwerben. „Mein Ziel ist, keine Bäume zuzukaufen“, sagt Schäfer.

Baumverkauf zur Kontaktpflege

Matthias Schmidt betreibt einen Bio-Milchviehhof in Hausen. Bei ihm stehe die Wirtschaftlichkeit beim Christbaumverkauf nicht an erster Stelle „Wir machen das mehr, um Kontakt zu den Leuten zu haben und  unseren Betrieb zu zeigen. Das ist eine schöne Gelegenheit, sich mit den Nachbarn zu treffen“, erklärt Schmidt. Tannen und Fichten holt er aus dem eigenen Wald.  Blaufichten hat er in Kultur auf dem Trennstreifen zwischen Acker und Wald. Für die Nordmanntanne fehlen ihm die passenden Standorte. „Wenn es Spätfröste gibt, dann trifft es uns hier sicher. Das war’s dann mit einem schönen Christbaum“, meint er. Er kauft sie von einem Landwirt bei Adelmannsfelden.

Werden die Christbäume frisch  geschlagen, gibt es normalerweise kein Problem mit einem frühzeitige Nadelfall. Der Baum sollte, bevor er aufgestellt wird, kühl, schattig und im Wasser stehen. „Nochmals ansägen ist nicht nötig“, meint Martin Mayer. Wasser im Christbaumständer ist gut, aber es geht auch ohne. siba

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