Ausbau der Ladeinfrastruktur forcieren

Wie halten es unsere Bundestagsabgeordneten mit alternativen Antrieben? Die Antworten verblüffen.

|
Elektrisch betriebene Fahrzeuge sind noch klar in der Unterzahl.  Foto: 

„Ich fahre einen Tesla. Wir haben 1998 wahrscheinlich eines der ersten reinen Elektrofahrzeuge in der Region angemeldet“, erzählt Christian von Stetten, CDU. Leider sei die damalige Fahrzeugreichweite und die Technik noch nicht so ausgereift gewesen. Anschließend habe er wieder einen Benziner gekauft.  Seit sechs Jahren nutze er wieder Elektrofahrzeuge – seit  vier Jahren wegen seiner Reichweite einen Tesla.  „Der Strom kommt von meiner eigenen Solartankstelle. Ich habe keine Probleme, die Termine im Wahlkreis mit dem Elektroauto zu erreichen. Selbst nach Berlin schaffe ich es mit einem einzigen Tankstopp.“

Niedrige laufende Kosten

E-Mobile seien nicht nur was für vermögende Käufer. „Es gibt heute Elektroautos für unter 20.000 Euro“, so von Stetten.  Der Staat unterstütze durch Kaufprämien und Steuerfreiheit. Dadurch seien die laufenden Kosten niedrig und kompensierten den etwas höheren Anschaffungspreis. „Wir brauchen mehr Ladestationen und ein regionales Elektromobilitätsgewerbegebiet, in dem sich Unternehmen ansiedeln können, welche in der Elektromobilität forschen, entwickeln oder Produkte verkaufen und warten“, fordert von Stetten. „Das würde der Region einen besonderen Stellenwert geben und für die Menschen den Wechsel in das Elektromobilitätszeitalter vereinfachen.“ Dieser sei unaufhaltsam und die Industrie müsse sich darauf einstellen.

„Ich persönlich fahre, wenn möglich, mit dem ÖPNV“, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Annette Sawade. „Das ist umweltfreundlich und energiesparend.“ Deswegen sollte auch zuerst der ÖPNV in Sachen E-Mobilität weiter gefördert werden. Richtungsweisend seien die E-Busse, die seit der Landesgartenschau in Öhringen im vergangenen Jahr im Linienbetrieb durch die Region fahren. Der E-Mobilität schlage noch viel Skepsis entgegen, der ÖPNV müsse hier eine Leitfunktion einnehmen. „Die großen deutschen Autohersteller haben leider den Trend verschlafen“, so Sawade. Positive Beispiele lieferten aber regionale Unternehmen wie Ziehl-Abegg aus Kün-
zelsau, die praxistaugliche moderne Technik wie den hybriden Rad-
nabenantrieb entwickeln.

Augenmaß ist gefragt

„Nur eine verbindliche Elektro-Quote wird weiterhelfen, da sich die Autoindustrie schwer damit tut, umzusteuern. Wir brauchen aber einen Umstellungsprozess mit Augenmaß, das ist für die Zulieferindustrie aus arbeitsmarktpolitischen Gründen essentiell“, stellt Sawade klar. Momentan seien die  Anschaffungskosten für elektrisch betriebene Autos noch vergleichsweise hoch, deshalb könne man von einem Produkt für wohlhabendere bis reiche Kunden sprechen.

Seit einiger Zeit suche er nach einem „echten Stromer“, sagt Harald Ebner, Bündnis 90/Die Grünen. Das sei aber schwer im Landkreis. „Niemand war in der Lage, mir in akzeptabler Frist ein Fahrzeug zu verkaufen“, so Ebner. Derzeit fahre er  privat einen Opel Meriva. Wenn es gute Lieferfristen gebe und der getankte Strom aus Erneuerbaren Energien kommt, sei ein E-Mobil ein sinnvoller Beitrag zum Klimaschutz, zum Lärmschutz und zur Feinstaubsenkung.

Kosten werden sinken

 Nach wie vor seien E-Autos aber immer noch etwas teurer als vergleichbare Modelle mit einem Verbrennungsmotor. Die Anschaffungskosten würden  aber mit der Weiterentwicklung der Technologie und ihrer Etablierung in der Produktion weiter sinken. In China und einigen Staaten Europas sei der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor längst beschlossene Sache.

Es bedürfe vonseiten der deutschen Autohersteller enormer Anstrengungen in kürzester Zeit, um den Rückstand zu anderen Herstellern aufzuholen. Attraktive Modelle mit entsprechenden Reichweiten müssten von den deutschen Herstellern zu akzeptablen Preisen auf den Markt gebracht werden. „Ein klares Ausstiegsdatum aus der Verbrennungstechnologie kann zum Entwicklungsmotor werden. Wichtig: Ladeinfrastruktur ausbauen“, sagt Ebner. Erst wenn es unkompliziert sei, ein Fahrzeug schnell und überall aufzuladen, werde sich die Elektromobilität zu einem Erfolg entwickeln.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Bundestagswahl Hall-Hohenlohe

Am 24. September 2017 wird der Bundestag neu gewählt. Alle Infos zur Bundestagswahl 2017 auf Kreisebene gibt es hier.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gericht: Verurteilung wegen Volksverhetzung

Das Amtsgericht verurteilt einen Ordner wegen ausländerfeindlichen Äußerungen. Der 57-Jährige bestreitet die Vorwürfe. weiter lesen