Zwei Klassen mitten im Wald

Auf dem Heilbronner Gaffenberg zieht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft ein. Besondere Künstler wie BAP aus Köln, die am 17. Juli auf der Bühne stehen, stellen besondere Ansprüche an Veranstalter und Publikum.

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Weil die Dialektiker um Vordenker und -sänger Wolfgang Niedecken (63) für das Unplugged-Konzert von BAP auf eine spezielle Möblierung direkt vor der Bühne pochen, gelten nach mehr als einem Vierteljahrhundert neue Regeln im Wald bei Heilbronn. Wenn BAP auf dem Gaffenberg den Stecker rauszieht, muss es offenbar gesitteter zugehen als bei den 25. Festivals zuvor, bei denen BAP 2006, 2009 und 2012 ganz konventionell gastierte. Niedecken verlangt nun Stühle direkt vor sich, auf denen sich die Zuhörer anständig setzen und wohl auch so verhalten sollen. 400 dieser Möbelstücke müssen daher auf den Berg geschafft werden. Hinter den Stuhlreihen herrscht zwar wieder die gewohnte (Un-)Ordnung aus Tischen und Bänken. Aber: Die bestuhlten Plätze kosten fünf Euro mehr - ohne Nummerierung. Ein Hauch der charakteristischen Platzbesetzung im Anarchostil ist also geblieben.

Dass das Möblierungsexperiment mit Niedecken & Co., die laut Albumtitel "Zosamme alt" geworden sind, scheitern könnte, ist nicht zu befürchten. Andernorts überbieten sich die Kritiker mit Hymnen für die Evergreens in neuer Aufmachung.

Der Kulturtageverein-Vorsitzende Rudi Faul rechnet mit mindestens 3500 Besuchern. "Aber das wird sicherlich übertroffen", ist er optimistisch. Der schwäbische Auftakt am Mittwoch und das Gastspiel von BAP am Donnerstag sind fast ausverkauft, womit bereits 2600 Tickets weg wären. Bei den Jazz-Rockern am Freitag und dem Ausklang mit Pippo Pollina gebe es kartenmäßig "noch etwas Luft", sagt Faul.

Auf dem Gaffenberg wird am bewährten Konzept festgehalten: Kassenfüller, damit die Finanzierung gesichert ist, neben Nischenkünstlern für das anspruchsvollere Publikum. Wenn zwei Abende ausverkauft sind, ist unterm Strich kein Verlust zu befürchten. Der Etat summiert sich diesmal auf 120000 Euro, wobei die Hälfte von Sponsoren und der Stadt Heilbronn stammt. Der Rest muss über Eintritt und Gastronomie erwirtschaftet werden.

Für Harry Mergel, seit kurzem Oberbürgermeister von Heilbronn und anno 1986 einer der Mitbegründer auf dem Gaffenberg, ist das Festival "mehr als ein Kulturgenuss - es ist vor allem auch Kult". Dazu hätten die "treffsichere Auswahl der Künstler, die einzigartige Lage mitten im Heilbronner Stadtwald mit seiner entspannten und entspannenden Atmosphäre, die überschaubare Größe und der herausragende ehrenamtliche Einsatz des Teams" beigetragen. Obwohl der Verein allenfalls 30 Mitglieder hat, sorgen 180 Helfer für einen reibungslosen Ab- und Verlauf.

Das Gaffenberg-Festival vom 16. bis 19. Juli

Mittwoch, 16. Juli, 20 Uhr: Neue Museumsgesellschaft, Erpfenbrass, Bernd Kohlhepp und Christoph Sonntag

Donnerstag, 17. Juli, 20 Uhr: BAP zieht den Stecker

Freitag, 18. Juli, 19.30 Uhr: Pete York & Young Friends, The United Jazz + Rock Ensemble 2nd Generation

Samstag, 19. Juli, 19.30 Uhr: Pippo Pollina & Palermo Acoustic Quartet

Info Kartenpreise zwischen

30 und 48 Euro;

Telefon (07131) 205252

www.gaffenbergfestival.de

SWP

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