Zurück auf die Schulbank

Alle Monate wieder lockt das Heimatmuseum viele Besucher ins alte Schulhaus in Horlachen. Das derzeitige Sonderthema "Dorfschulen in der Gemeinde Gschwend" übt eine besonders starke Anziehungskraft aus.

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"Guck mal, da bin ich!": Auf dem historischen Bildmaterial an den Stellwänden im oberen Flur können sich ehemalige Schüler selbst entdecken.

Sehr beliebt sind die alten Bilder an den Wänden, und die Freude ist groß, wenn sich jemand darauf entdeckt. Aber auch die Schulbuchsammlung, der Schreibtisch mit integriertem Tintenfass und besonders das Fräulein Lehrerin als lebensgroße Puppe findet Bewunderer.

Zum Fräulein Lehrerin gibt es auch eine Geschichte: Die Tochter des damaligen Lehrers Nagel durfte ab dem Jahr 1856 mit Sondergenehmigung als Unterlehrerin in Horlachen unterrichten, während Lehrerinnen üblicherweise erst nach 1900 zum Schuldienst zugelassen waren. Sie würden den Männern das Geschäft wegnehmen, so hieß es, außerdem sei ihnen die schlechte Luft in den Schulstuben nicht zuzumuten, und sie sollten eh lieber zu Hause am Herd ihre Zeit verbringen. Doch wie die gesellschaftliche Stellung der Frau hat sich das gesamte Leben auf dem Dorf und damit auch die Schulgeschichte grundlegend verändert.

Genauer unter die Lupe nahm Erwin Holzwarth vom Heimat- und Geschichtsverein Gschwend die Zeit nach 1960. Nicht per Lichtbildervortrag, sondern diesmal im lockeren Gesprächskreis. "Schick dein Kind länger auf bessere Schulen", so lautete um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts das Credo. Die Handwerksgesellschaft vollzog den Wandel zur Wissensgesellschaft. Während in der Stadt bereits rund 50 Prozent der Kinder weiterführende Schulen besuchten, waren es auf dem Land nur 20.

Doch der Besuch einer weiterführenden Schule war für die Landkinder aufgrund der weiten Schulwege oftmals auch gar nicht möglich. Überhaupt waren den Bildungsplanern die Zwergschulen auf dem Land ein Dorn im Auge, und so war die Zentralisierung samt Schulbusbetrieb die logische Konsequenz.

Ein gravierender Punkt in Gschwend war die Logistik: Die Schulbusse waren maßlos überfüllt und das im Jahr 1962 eingeweihte Schulgebäude platzte sofort aus allen Nähten. Gleichzeitig vollzog sich rasant der Wandel: Hauptschule als dritte Säule im Bildungssystem, neue Lehrpläne, Fach- und Projektunterricht, fächerübergreifender Unterricht, Einführung des neunten Schuljahrs und später der Computer. Auf so mannigfaltige Herausforderungen waren die Lehrer gar nicht vorbereitet. Doch ihre Bereitschaft zur Bewältigung derselben war so groß, dass mit der Hauptschule ein Schultyp zustande kam, der für lange Zeit eine Erfolgsgeschichte sein sollte.

Erwin Holzwarth hatte mit seiner Einführung eine lebhafte Diskussion in Gang gesetzt. Ehemalige Schülerinnen und Schüler meldeten sich zu Wort, aber auch die Lehrkräfte Gudrun und Jürgen Patzelt, Michael Wagner oder Gerhard und Regina Böhm. Jürgen Patzelt erzählte von der Einführung der Computer im Jahr 1988, womit die Gschwender Vorreiter waren.

Schülerzeitung und jährlicher Elternbrief zählen ebenfalls zu den frühen Errungenschaften. Geschichten und Anekdoten kamen auf den Tisch und der Gesprächsstoff hätte noch für Stunden gereicht, wenn Erwin Holzwarth nicht den Schlusspunkt gesetzt hätte. Am ersten Sonntag im Oktober wird er die Bekenntnisschulen am Beispiel der katholischen Volksschule in Schlechtbach ins Visier nehmen.

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