Das Erfolgsgeheimnis: Kein gnadenloser Kommerz

„Drei Tage wach in Eberbach“ war auch bei der 25. Auflage des Gassenfestes wieder die Devise. Das ungemütliche Wetter tat der Stimmung keinen Abbruch.

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Da kann es Hunde und Katzen regnen: Das Eberbacher Gassenfest besitzt mittlerweile ein ähnlich hartgesottenes Stammpublikum wie die Muswiese – das Wetter spielt keine große Rolle, gefeiert wird unter allen meteorologischen Umständen.  Foto: 

Freiluftbühnen und viele Bands gehören mittlerweile zum Kernprogramm von Stadt- und Straßenfesten landauf und landab. Fünf Bühnen und 36 Bands auf einmal – das gibt es jedoch nur in Eberbach. Aus einem kleinen Vereinsfest hat sich über einen Zeitraum von 34 Jahren ein Mega-Event mit Zigtausenden von Besuchern entwickelt. Und das alles in einem 180-Seelen-Dorf im Jagsttal.

„Wenn wir nicht das ganze Dorf hinter uns hätten, könnten wir so etwas nicht machen“, sagt Hans Hassler. Er ist einer der Männer der ersten Stunde und so etwas wie der Gründervater des Eberbacher Gassenfestes. Mit seinen Kumpels vom Verein Hüttenfreunde Eberbach hat er 1983 die erste Gassenbühne aufgebaut, Bands rekrutiert und die mittlerweile legendäre Eberbacher Gassenbar in der Garage gegenüber eingerichtet. Sie ist bis heute ein Publikumsmagnet im Herzen der dreitägigen Mammutveranstaltung, obwohl inzwischen 24 weitere Bar- und Imbissstände eingerichtet sind.

Kaum einer davon arbeitet gewerblich, alle werden sie von Mitgliedern befreundeter Vereine aus dem Jagsttal betrieben. Von den Theaterfreunden Nitzenhausen,über die DLRG Gerabronn bis zum VfB-Fanclub Ettenhausen – gut 400 ehrenamtliche Helfer trugen zum Gelingen des 25. Eberbacher Musik-Festivals bei, das sich immer noch ganz bescheiden „Gassenfest“ nennt.

Dass die Veranstaltung nicht ins Kommerzielle abgleitet, darauf haben Hans Hassler und sein Team von Anbeginn bis heute immer akribisch geachtet. Das Publikum schätzt die immer noch familiäre Atmosphäre des lebhaften, bisweilen ein wenig anarchischen, aber vor allem zutiefst hohenlohischen Festes, das ohne „von oben“ verordneten Frohsinn auskommt. Das zweite Erfolgsgeheimnis ist die musikalische Vielfalt, die alle Geschmäcker und Generationen auf ihren Kosten kommen lässt.

Auf der Gassenbühne im Herzen des Dorfes  treten traditionell Bands auf, die dem Publikum gehörig einheizen und es zum Abrocken animieren.  Mit einem einzigartigen Mix aus Polka, Punk und russischer Folklore brachten Ivan Ivanovich und seine „Kreml Krauts“ am Freitagabend selbst eingefleischte Vertreter der Thekenkultur dazu, sich aufs Tanzparkett zu wagen.

Jeder Geschmack wird bedient

Als gemütlicher Treffpunkt für die ältere Generation war ursprünglich die Biergarten-Bühne am idyllischen Jagstgestade gedacht. An diese Tradition knüpften am Sonntagnachmittag der Musikverein Buchenbach und die Winzerkapelle Klepsau mit ihren volkstümlichen Blasmusikweisen an.

Am Freitagabend jedoch bevölkerte vor allem die junge Generation den Eberbacher Wasen, denn Markus Martin vom Organisationsteam hatte den mittlerweile legendären Ballermann-Entertainer DJ Klaus Wolf für eine fetzige Malle-Party gewinnen können.

Für Freunde des gediegenen Blues wartete die Bühne am Berg mit einer feinen Auswahl an Bands auf, die den Groove auf die Zuhörer überspringen ließen. Mit facettenreichen, dynamischen Rhythmen begeisterte der charismatische tschechische Sänger und Gitarrist Marcel Flemr mit seiner „Marcel Flemr Band“  die Zuhörer am Freitagabend, und am Samstag  gelang es der Louis Trinker Band auch bei Nieselregen, die Berg-Bühne zum Schwoofen zu bringen.

Auf der Inselwiese etwas abseits vom Dorfrand konnten Hardcore-Metaller wie „Finsterforst“ so richtig Radau machen. Ein Forum für junge Bands ist die Bühne am Café, auf der über ein halbes Dutzend Bands einen erfrischenden Soundmix zum Besten gaben.

Musikbands standen an drei Tagen auf den fünf Bühnen des Eberbacher Gassenfestes. Ein derartiges Aufgebot gibt es in der Region nur noch beim ungleich größeren Taubertal-Festival in Rothenburg (siehe Seite 12).

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