Wendung um 180 Grad

Viele hundert Gäste kamen zum Jahresfest der Diakoniestation Erlacher Höhe. Das Fachthema war in diesem Jahr "Inklusion sozial".

|
Moderator Jo Frühwirth befragt Rollstuhlfahrer Benedikt Hillerkuss bei der Talkrunde in der Erlacher Höhe. Hillerkuss arbeitet wie Irina Reim (ganz rechts) und Bärbel Habeck für ein Projekt der Diakoniestation in Freudenstadt. Privatfoto

Heiter und fröhlich habe sich das Erlacher Jahresfest präsentiert, das insbesondere Familien mit seinem Kinderprogramm anspreche. Dies berichtet das veranstaltende Diakoniezentrum Erlacher Höhe in Großerlach.

Die Zuhörer, die am Nachmittag der Talkrunde zum Thema "Inklusion sozial" folgten, hätten aber noch einen anderen Aspekt des Festes kennen gelernt. Sie erhielten Einblicke in Konzepte der Erlacher Höhe, mit denen Menschen, die soziale Benachteiligung ertragen mussten, wieder gesellschaftliche Teilhabe erleben. Und sie erfuhren aus erster Hand wie Menschen mit körperlichen Handicaps oder mit langer Arbeitslosigkeit ihr gesellschaftliches "Drinnen und Draußen" erlebten.

So schilderte Martin Heitzenreder vom Bedürfnis "dazuzugehören" und dass dies in unserer Leistungsgesellschaft nur über Arbeit möglich ist. Als Fachinformatiker war er, "mal selbständig und mal abhängig", über Jahrzehnte in Lohn und Brot und plötzlich ohne Arbeit. Auf 1200 Bewerbungen erhielt er 50 Antworten, zum Teil höchst abwertende. Dann rutschte er in eine Depression. Am Ende standen Überschuldung, Zwangsräumung und Obdachlosenunterkunft. "Meine Situation hat sich jetzt um 180 Grad gewendet", berichtete er am Sonntag selbstsicher. Heitzenreder arbeitet heute auf einem geförderten Arbeitsplatz bei der Erlacher Höhe als "Mädchen für alles": Fahrer, Hausmeister, Betreuer . . .

Auch Benedikt Hillerkuss arbeitet heute wieder. Er betreut Gäste im Info-Punkt im Freudenstädter Stadtbahnhof, einem weiteren Projekt der Erlacher Höhe. Er hilft mit Tipps rund ums Reisen oder für die Freizeitgestaltung. So mancher ist überrascht, wenn er mit Rollstuhl hinter dem Beratungs-Counter hervorkommt. "Ich bin froh, eine Aufgabe zu haben, eine feste Struktur am Tag", so der gelernte Industriemechaniker, der mit einer Querschnittslähmung geboren wurde.

Wolfgang Sartorius, Vorstand der Erlacher Höhe, kämpft seit Jahren für die öffentlich geförderte Beschäftigung. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt gebe es rund eine Millionen Langzeitarbeitslose, die auf dem freien Arbeitsmarkt nicht unterkommen. Der Bund habe jedoch die Mittel zu ihrer beruflichen Integration drastisch zusammengestrichen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Leiter der Crailsheimer Schulen: Vom Glück, gute Lehrer zu haben

„Für mich als Schüler war Schule eher Last als Lust“, sagt Ulrich Kern. Doch jetzt ist er Lehrer und hat seine Berufswahl nie bereut. weiter lesen