Tierheim kurz vor Pleite

Das Tierheim Stuttgart befindet sich in einer prekären Situation. 2013 sind im Gegensatz zum Vorjahr große Erbschaften ausgeblieben. Wenn nichts passiert, muss das Heim in zwei Monaten geschlossen werden.

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Tierheim-Sprecherin Petra Veiel und Leiterin Marion Wünn (rechts) mit den Border-Collie-Mischlingen Arnold und Alois. Sie waren "Bettler-Welpen", sind jetzt aber wieder gesund. Foto: Sebastian Steegmüller

Der Betreiber des Tierheims, der Tierschutzverein Stuttgart, hofft auf Spenden und erhöht zugleich den Druck auf die Stadt. Diese Woche wurde der Vertrag, der das Tierasyl zur Annahme von Fundhunden verpflichtet, zum Ende des Jahres gekündigt.

Arnold und Alois sind zwei zuckersüße Border-Collie-Mischlinge. Aufgeweckt springen die beiden Hunde durch die Anlage in Botnang, schnuppern interessiert an den Tierheim-Besuchern. Dem war jedoch nicht immer so. Die beiden Brüder waren sogenannte "Bettler-Welpen", die ruhiggestellt mit Medikamenten von Banden in Fußgängerzonen eingesetzt wurden, um noch mehr Geld zu erbeuten. In einem erbärmlichen Zustand wurden sie vom Amt für öffentliche Ordnung ins Tierheim gebracht und dort aufgepäppelt.

Zum Erhalt des laufenden Betriebs benötige man 1,8 Millionen Euro pro Jahr. Der Verein als Träger erzielt seine jährlichen Einkünfte in Höhe von 600 000 Euro ausschließlich durch Mitgliedschaften, Patenschaften und dem Erlös aus Tiervermittlungen. Hinzu komme neben schwer planbaren Erbschaften eine Aufwandsentschädigung für die Versorgung von Fundtieren von der Stadt in Höhe von 200 000 Euro pro Jahr. "Der Kostendeckungsgrad für Fundtiere beträgt damit aber lediglich zehn Prozent", sagt Wünn. Um die Lücke von rund 800 000 Euro zu schließen, müsse der 23 Jahre alte Vertrag aus Sicht des Tierschutzvereins dringend nachgebessert werden. Um ein Zeichen zu setzen, wurde die Vereinbarung zum Ende des Jahres gekündigt. Gerald Petri vom Ordnungsamt wurde von den Schritten des Tierschutzvereins überrascht. Der Verein biete die weitere Zusammenarbeit zu veränderten Konditionen an. Dieses Schreiben werde man eingehend prüfen, sagte Petri, der Leiter der Abteilung "Allgemeine Sicherheits- und Ordnungsangelegenheiten". Erst danach könne man sich verbindlich äußern, wie es weitergeht. Vieles deutet auf eine Nachbesserung des Vertrags hin.

Denn nicht nur die Tierschutzorganisation "Peta" Deutschland appelliert an die Stadt, die finanzielle Sicherung des Tierheims zu garantieren und zudem für eine Vermittlung von Tieren aus dem Tierheim zu werben. Sondern auch mehrere Gemeinderatsfraktionen sprechen sich für den Fortbestand der Institution aus.

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