Suche nach Hoffnung und Trost im Glauben

Die Deutschen erwarteten im Ersten Weltkrieg die aktive Teilnahme Gottes. Dies stehe in Gegensatz zur christlichen Gottesvorstellung, betonte Erwin Holzwarth in seinem Vortrag im Heimatmuseum Horlachen.

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Erwin Holzwarth vor einer Schautafel zum Vortragsthema "Mit Gott in den Krieg" in der Ausstellung "Der Erste Weltkrieg an der Heimatfront" im Heimatmuseum Horlachen.  Foto: 

. Vor zahlreichen Zuhörern zeigte der stellvertretende Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Gschwend in vier Aspekten auf, wie der Staat, die Kirchen, Pfarrer, Soldaten und ihre Familien mit dem Krieg umgingen.

Grundlage dafür waren Dokumente, die bei der Vorbereitung der aktuellen Ausstellung "Der Erste Weltkrieg an der Heimatfront" gefunden wurden, sowie ausgestellte Objekte. "Fürchtet Gott und ehrt den König", lautete die Devise für die Untertanen, denn Staat und Kirche waren im Kaiserreich eng miteinander verbunden. Sowohl Kaiser Wilhelm II. als auch der württembergische König Wilhelm II. galten als "von Gott erwählt" und waren zugleich Schutzherr der Kirche, der Kaiser sogar Oberhaupt der protestantischen Kirche in Preußen, so Holzwarth.

Mit mehr oder weniger Begeisterung folgten die Deutschen dem Aufruf von Kaiser und Landesherren, zu den Waffen zu greifen. Der Krieg sei gerecht, erklärte die Obrigkeit und verpflichtete alle Christen zu gehorchen, wie schon Artikel 16 des Augsburger Bekenntnisses 1530 vorgab. Dabei stehe der Kriegsdienst in klarem Widerspruch zum 5. Gebot "Du sollst nicht töten", machte der Referent deutlich. Staatsführung und Militärs sorgten mit Propaganda und Zensur dafür, dass keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Krieges aufkamen, und verhinderten Berichte über Niederlagen und Kriegsverbrechen. Religiöse Inhalte wurden in Wort und Bild in den Dienst der Kriegspropaganda gestellt.

Auf Postkarten hieß es "Vorwärts mit Gott für Kaiser und Vaterland", hinter einem Soldat erschien ein Schutzengel, darunter stand der Vers "Gott schütze dich, auf Wiedersehen", und die Tapferkeitsauszeichnung Eisernes Kreuz wurde zum "heiligen Kreuz aus Eisen". "Beschütze unseren Kaiser, gib Sieg den deutschen Waffen", lauteten Verse eines Kriegsgebets. Eine schwäbische Kriegspredigt verkündete Durchhalteparolen mit dem Ziel, die Kriegsbegeisterung aufrechtzuerhalten. Als Kontrast dazu trug Holzwarth das 1774 geschriebene Kriegslied "s' ist Krieg!" von Matthias Claudius (1740 bis 1815) vor, das den Krieg und seine Folgen drastisch veranschaulicht.

Angesichts der ständigen Todesangst im Schützengraben unter Artillerie-Trommelfeuer suchten Soldaten aber auch Hoffnung und Trost im Glauben. Sie beteten und hofften auf Gott in Stunden höchster Not, Psalm- und Liedverse sowie Konfirmations-Denksprüche spendeten ihnen Trost. An Weihnachten 1914 geschah ein kleines Wunder: Als die deutsche Heeresleitung Christbäume an die Front schickte, stellten die Soldaten befehlswidrig den Krieg ein. Gemeinsam feierten deutsche und britische Truppen im Westen für ein paar Tage Weihnachten, bevor scharfe Befehle sie ab Neujahr 1915 zwangen, weiterzukämpfen.

Theologie, Kirche und Pfarrer waren in das System eingebunden und vom patriotisch-nationalistischen Zeitgeist geprägt. So teilten auch viele Seelsorger die Kriegsbegeisterung. Predigten bei Trauergottesdiensten für gefallene Soldaten bezogen sich oft auf Konfirmationssprüche und versuchte die Auferstehungshoffnung zu stärken.

Manche suchten aber auch Antworten auf die Frage, wie sich Gott zum Krieg verhielt. So betonte ein Pfarrer 1916 zwar, dass Gott hinter den Deutschen stehe, er gebe aber der menschlichen Sünde Spielraum und lasse zu, dass Böses geschehe, das für den Krieg verantwortlich sei, berichtete Erwin Holzwarth. Er ergänzte seine Ausführungen durch Hinweise auf aktuelle Konflikte zwischen Glauben und Militärdienst sowie den Missbrauch der Religion für den Krieg, beispielsweise durch islamistische Terroristen.

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