Ständiges, tiefes Brummen im Ohr: Bad Mergentheimerin sucht Betroffene

Nicht einschlafen zu können, kann viele Ursachen haben. Oft stört ein Geräusch, das schnell wieder geht. Doch es gibt Menschen, die ein tiefes Brummen hören. Und dieser tieffrequente Ton ist beständig.

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1999 und 2000 häuften sich in bestimmten Gebieten Baden-Württembergs Klagen über einen Brummton. Die Betroffenen klagten über eine Beeinträchtigung ihrer Leistungsfähigkeit, ist auf der Website der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz unter www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/355/ zu lesen. Das Ministerium für Umwelt und Verkehr beauftragte damals die Landesanstalt für Umweltschutz mit einer wissenschaftlichen Untersuchung. Aus den 300 Beschwerden wählte die LfU 13 Wohnungen aus und führte dort Messungen durch. Zudem untersuchte die HNO-Klinik Tübingen Betroffene medizinisch-physiologisch, um deren individuelles Hörvermögen im tieffrequenten Bereich zu erfassen. Ergebnis: "Weder durch die akustischen Messungen noch durch den Abgleich mit den medizinisch-physiologischen Untersuchungen ließ sich eine gemeinsame Ursache oder Erklärung für das Brummton-Phänomen finden."

Keine gemeinsame Ursache festzustellen

Bei der Bad Mergentheimerin Sabine Hagelstein begann das Problem im Sommer 2010. Sie konnte nicht einschlafen, denn sie hörte einen sehr tiefen Bass, "ein Brummen". Natürlich hat sie die Wohnung und das Haus abgesucht; im Blick waren "die üblichen Verdächtigen": Spülmaschine, Kühlschrank und Heizung. "Gehört" hat sie nichts; die Geräte standen fest auf dem Boden sowie an der Wand. "Da hat nichts gewackelt." Zurück im Bett, war das Brummen wieder da. "An Einschlafen war nicht zu denken." Der tiefe Ton war dann zwei, drei Tage "nicht wahrnehmbar, kam aber wieder, um dann erneut zu verstummen", berichtet Hagelstein. Ihr Lebensgefährte hörte nichts, auch Bekannten war nichts aufgefallen. "Man liegt da, kann nicht einschlafen und hört einen Brummton, den andere nicht wahrnehmen." Betroffene werden oft nicht ernst genommen, denn die meisten Menschen können eine so tiefe Frequenz nicht hören. Wer sie hört, leidet - der Rest hat zuweilen einen üblen Verdacht. "Man stellt sich ja zwangsläufig die Frage, ob dem so ist", sagt Hagelstein. "Natürlich ist das keine ,Spinnerei. Es brummt eben."

Insider sprechen von "Infraschall" - dass es ihn gibt, ist unbestritten. Die Quelle zu lokalisieren ist schwierig, wenn nicht unmöglich. "Ein Blick ins Internet gibt viele Hinweise und Theorien, aber keine wirklichen Antworten", weiß Hagelstein. Klar wurde ihr, dass sie nicht alleine ist. "Wir sind viele."

Störender Brummton kommt und geht

"Seit Januar 2011 ist er ständig da." Ab Pfingsten "hat das Haus vibriert." Sie rief einen Heizungsmonteur. Der legte die Anlage komplett still, doch "die Heizung vibrierte dennoch". Das tiefe Brummen hat seither nicht nachgelassen. "Es ist ein beständiger, tiefer Basston, der auch für Vibrationen sorgt. Und es war auch noch ein Wummern da, das den anderen Ton überlagerte", versucht sich Hagelstein in einer Erklärung. Sie durchstreift die Gegend. Beim Walken vernimmt sie das Wummern auch in Edelfingen und Dainbach. Im Verdacht hat sie Klimaanlagen, neu installierte Maschinen und Trafohäuschen.

"Da läuft man durch die Gegend und spitzt die Ohren." Trafohäuschen "sind es nicht", ist sie sich sicher. Sie spricht mit Betriebsleitern. "Die meisten waren verständnisvoll." Die Zusage, "mal nachzusehen", erhält sie mehrfach. Ob es daran lag, dass das tiefe "Wummern" seit dem 15. Dezember verstummt ist, weiß die Mergentheimerin nicht. "Wenn ja, ist es schön."

Auf der Suche nach der Quelle

Doch der Brummton ist weiter da. "Wenn draußen viel Verkehr ist, wird er überlagert." Auch Radio oder Fernseher überdecken den Ton. Ab 22 Uhr, wenn es draußen ruhiger wird, "ist das Brummen richtig störend". Hagelstein verbrachte, "um endlich mal wieder schlafen zu können", einige Nächte außerhalb von Bad Mergentheim. "Eher zufällig" hört sie von zwei Frauen aus dem Weberdorf und der Stadtmitte, dass diese den Brummton auch hören. Beide nennen "Anfang 2011" als Zeitpunkt, an dem er ihnen erstmals auffiel. Hagelstein ist weiter auf der Suche nach der Quelle. Per E-Mail an "infraschallbrumm@ gmx.de" können Betroffene mit ihr Kontakt aufnehmen.

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