Sicherer Hafen für Lkw-Flotte

Moderne Straßenräuber machen die Autobahnen unsicher. Bestmöglichen Schutz gegen die "Planenschlitzer" bietet spezielle Lkw-Parkplätze mit ausgefeilter Sicherheitstechnik - wie im Autohof Wörnitz an der A 7.

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Ronny Pflug vor dem Sicherheitsparkplatz des Autohofs Wörnitz: Für 3.50 Euro pro Stunde oder 25 Euro Pauschale ab der 7. Stunde genießen hier Laster und ihre oft millionenteure Fracht bestmöglichen Schutz vor Dieben. Foto: Harald Zigan

Die Plünderei von Lkw-Ladungen boomt: Nicht weniger als 30 Fälle in den letzten zwölf Monaten listet Polizei-Pressesprecher Hans Ulrich Stuiber aus Hall allein für die Autobahn 6 zwischen Bretzfeld und der Landesgrenze auf.

Ein Parkplatz bei Kirchberg wird zum Beispiel am 8. Mai zum Tatort, dort verschwindet eine Palette mit 16 Flachbildschirmen im Gegenwert von 10 000 Euro.

Einen Monat später fehlen auf der Ladefläche eines Sattelaufliegers zehn Kartons mit Computern und Monitoren im Wert von 10 000 Euro und auch für 60 Sätze Bremsbeläge zum Kostenpunkt von 5000 Euro gibt es offenbar Hehler. Selbst 30 Schoko-Osterhasen und drei Paar Herrenschuhe sind vor den Ganoven nicht sicher.

Die "Planenschlitzer" besitzen durchaus Nervenstärke: Oft schlummern die Fahrer in ihren Kabinen, während einige Meter weiter hinten die Schlösser ihres Lasters geknackt und die Ladung geplündert werden.

In der Logistik-Branche ist es ein offenes Geheimnis, dass die Dunkelziffer bei dieser modernen Form des Straßenraubs entlang der Autobahnen enorm hoch ist: Speditionen begleichen den Schaden nicht selten aus der eigenen Tasche, weil sie negative Folgen für das Firmen-Image und höhere Versicherungsprämien fürchten.

Wenn es nach Ronny Pflug ginge, wären etliche Autobahn-Gangster ganz schnell "arbeitslos": Der umtriebige Geschäftsführer des Autohofes Wörnitz an der A 7 wurde in der Branche mit einer Idee bekannt, die 2007 aus einem Pilotprojekt der EU hervorging: Bis zu 25 Stellplätze für Laster und ihre zum Teil sehr wertvolle Ladung dienen seit 2009 auf dem Autohof Wörnitz als veritabler Hochsicherheitstrakt.

Die Module für die lückenlose Sicherheitstechnik hat Ronny Pflug selbst ausgetüftelt: 14 Videokameras überwachen nicht nur das auch zur Nacht taghell ausgeleuchtete Areal mit einem 2.50 Meter hohen Metallgitterzaun, sondern filmen schon bei der Einfahrt einen Laster von allen Seiten mitsamt dem Kennzeichen - und der Fahrer, der auch eine Personenschleuse nur mit einem speziellen Ticket passieren kann, erhält vom Kassenpersonal des Autohofs erst dann "freie Fahrt" vom Gelände, wenn sein ebenfalls gespeichertes Konterfei dasselbe ist wie bei der Einfahrt. Nach 45 Tagen werden die Daten gelöscht.

Dieses Konzept aus Hohenlohe-Franken machte Schule: Ronny Pflug gründete zusammen mit einem Kollegen aus Belgien den Verein "European Secure Parking Organisation"(ESPORG), unter dessen Dach mittlerweile 35 Unternehmen aus ganz Europa derartige Sicherheitsparkplätze für Lkw anbieten.

Ronny Pflug fungiert als Vizepräsident der Vereinigung, die mittlerweile auch bei der TAPA, einem weltweiten Verbund für den sicheren Transport von Markenartikel, vertreten ist und zudem das Bundesverkehrsministerium in einschlägigen Fragen der Sicherheit berät.

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