Seit 175 Jahren Einsatz für Tiere

Seit 175 Jahren setzen sich engagierte Stuttgarter für das Wohl von Hund, Katze und Co. ein: 1837 gründete Stadtpfarrer Albert Knapp den Tierschutzverein Stuttgart - der erste seiner Art in Deutschland.

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Hilfe seit Generationen: Angelika Schmidt-Straube, Vorstandsvorsitzende des Tierschutzvereins und Tierheim-Leiterin Marion Wünn (re.) Foto: Biedermann

Die Initiative von Albert Knapp, Pfarrer der Leonhardskirche, hatte einen Hintergrund. Vorausgegangen war der Aufruf des Stuttgarter Pfarrers Christian Dann an alle Menschen, etwas gegen die "unsäglichen Leiden der in unserer Umgebung lebenden Thiere" zu tun. "Heute sind die Probleme der Tierschützer von anderer Natur als zu der Zeit, in welcher der Verein gegründet wurde", sagt Angelika Schmidt-Straube, Vorstandsvorsitzende des Tierschutzvereins Stuttgart. Waren es damals die geprügelten und geschundenen Pferde, die Kettenhunde und die grausamen Schlachtmethoden, sind es heute die Vorgänge bei der Massentierhaltung, beim Tierversuch, beim Tierhandel und die Haltung von Tieren in Privathaushalten. "Unser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle negativen Aspekte der Tierhaltung und -behandlung vehement zu bekämpfen." Heute wie damals sei Aufklärung wichtig. "Nur ein aufgeklärter Mensch kann seinen vollen Verantwortungsspielraum nutzen." Den Worten lässt der Verein auch Taten folgen: In Botnang betreibt der Verein ein Tierheim, das für jedes in Not geratene Tier ein Plätzchen hat.

"Über das Jahr werden über 2000 Tiere aufgenommen, das sind am Tag bis zu sechs Hunde, Katzen, Kleintiere, Exoten, aber auch Nutztiere wie Schweine und Ziegen", sagt Tierheim-Leiterin Marion Wünn. "Über 70 Prozent der Tiere werden auf der Straße gefunden." Davon sind etwa die Hälfte ausgebüxt und werden in der Regel nach kurzer Zeit wieder von ihren Besitzern abgeholt. Die restlichen Tiere werden schlichtweg ausgesetzt. Die eingelieferten Tiere bleiben durchschnittlich drei Monate im Tierheim. Über 90 Prozent von ihnen könnten entweder an den Besitzer zurückgegeben oder an neue Herren oder Frauchen vermittelt werden. "Diese hohe Quote beruht auf einer guten Vorarbeit - im Tierheim vorbeikommen und ein Tier mitnehmen, geht bei uns nicht", so Marion Wünn. Stattdessen werden mit den Interessenten ausführliche Beratungsgespräche geführt. "Bei 600 bis 800 Tieren auf 18 Pfleger, stehen für die Versorgung pro Tier nur etwa drei Minuten zur Verfügung", sagt Marion Wünn. Entsprechend ist der Tierschutzverein auf Hilfe angewiesen. Neben dieser tatkräftigen Unterstützung freut sich der Tierschutzverein auch sehr über Paten- und Mitgliedschaften sowie Spenden. "Insgesamt 150 000 Euro fallen im Monat allein für Lebenshaltungskosten an - größere Investitionen sind dabei noch nicht inbegriffen", sagt Angelika Schmidt-Straube. Am Anfang des modernen Tierschutzes steht ein aufgeklärter, kritischer Geist und gewaltiger Prediger, der evangelische, pietistische Pfarrer Christian Dann. Er arbeitete seit 1794 in Stuttgart und zog 18 Jahre später nach Öschingen beziehungsweise Mössingen auf der Alb. In seinen Predigten dominierte ein Thema: Das Leiden der Tiere unter der Grausamkeit der Menschen. Seine Tierschutzschrift wurde in ganz Deutschland bekannt. Nach Aussagen von Zeitgenossen hatte Dann den dringenden Wunsch, einen Verein zur Verminderung der Tierquälerei zu stiften. Wenige Monate nach seinem Tod wurde dieser erfüllt: Albert Knapp, Kollege und Freund von Dann, hat im Jahre 1837 den Stuttgarter "Verein zur Verhinderung der Thierquälerei" gegründet. Seine Tätigkeit bestand vor allem darin, auf gesetzliche Regelungen des Tierschutzes in Württemberg Einfluss zu nehmen. Zudem ging es darum, Bürger zu informieren und belehren sowie Tierquäler zu verwarnen und anzuzeigen. Im Jahre 1839 wurden in Württemberg die ersten gesetzlichen Tierschutzregelungen in das Strafgesetzbuch aufgenommen. Nachdem dieses Hauptziel erreicht wurde, verliert sich die Spur des Stuttgarter Vereins. Am 17. Juni 1862 nahm der organisierte Tierschutz in Stuttgart wieder Fahrt auf: So wurde der "Württembergische Tierschutzverein" neu gegründet. Ein Jahr später hatte der Verein bereits 2000 Mitglieder. Bis in das Jahr 1912 stieg die Zahl auf etwa 5000 Mitglieder.

Am Samstag, 17. Juni, wird das runde Jubiläum im Tierheim Stuttgart in der Furtwänger Straße im Stadtteil Botnang, gefeiert.

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