Ohne Reinheitsgebot kommt Seetang ins Bier

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Wie wirkt es sich aus, wenn Brauereien nicht an das Reinheitsgebot gebunden sind? Bisher wurden in dieser Serie nur Bierproduzenten vorgestellt, die sich an die in Deutschland vorgeschriebene Brauweise halten mussten. Das ändert sich zum Beispiel bei unseren nordischen Nachbarn. Dänemark liegt, wenn man die Brauereidichte pro Einwohner betrachtet, mit 120 Betrieben ganz vorn in Europa.

Rund 50 Kilometer Luftlinie nördlich von Flensburg ragt die Insel Aeroe aus der Nordsee heraus. Sie hat rund 6000 Einwohner. Ein Familienbetrieb, der 1926 gegründet wurde, versorgt Einheimische und tausende Touristen mit Bier.

Die Rise Bryggeri hat eine wechselvolle Geschichte. Die Bierherstellung wurde 1956 aufgegeben und die Gebäude anderweitig bis 1999 genutzt. Aber 2004 wurde die Brauerei wiedereröffnet. Das Sortiment besteht aus 15 Sorten - fünf davon aus ökologischer Produktion. "Gerade die biologischen Biere verkaufen sich sehr gut", sagt Janni Bidstrup, eine der beiden Direktorinnen. Sie hat vor ein paar Monaten ihren Job in Kopenhagen aufgegeben und ist gemeinsam mit der ebenfalls mit der Gründerfamilie verwandten Nina Folmer in den Betrieb eingestiegen. Zusätzlich werden zweieinhalb Arbeitskräfte beschäftigt, die 500000 Halb-Liter-Flaschen im Jahr befüllen.

Das reicht finanziell für keine großen Sprünge. Bisher schrieb die Brauerei lediglich in einem Jahr seit ihrer Wiedergründung schwarze Zahlen. Nina Folmer schafft sich deshalb ein weiteres Standbein. Sie baut als einzige in Dänemark Tabak an und lässt ihn zu Zigarren drehen.

Nur 25 Prozent der Produktion verkauft die Brauerei auf der Insel. Der Rest muss aufwändig per Fähre ans Festland gebracht werden. Das dauert zwar nur 70 Minuten. Aber der dänische Staat stellt eine zusätzliche Alkoholsteuer in Rechnung. Ein erheblicher Nachteil für kleine Brauereien.

"Wir müssen nicht nur die Herstellung weiter professionalisieren, sondern auch das Marketing", hat sich Janni Bidstrup vorgenommen.

Deshalb wird der Bereich Brauereiführungen weiter ausgebaut. An guten Tagen kommen bis zu 60 Gäste, vorwiegend aus Dänemark und Deutschland. Dabei haben die Touristen allerdings meist etwas anderes im Sinn: Aeroe gilt als Las Vegas Dänemarks mit mehr als 2500 Heiratszeremonien pro Jahr.

Die Probe beginnt in der Brauerei mit den zwei angebotenen Fassbieren. 0,4 Liter kosten 45 Kronen (circa 6,30 Euro). Das Indian Pale Ale schimmert bernsteinfarben im Glas bei einer leichten Blume. Sein Geschmack zeigt viel Hopfenaroma, diese Zutat wird aus Australien importiert. "Wir hoffen, bald selbst Hopfen auf der Insel anbauen zu können", sagt Bidstrup.

Das Herting Hans No. 5 enthält sieben Prozent Alkohol, es ist sehr kräftig malzig und stellt den Verkaufsschlager dar. Problem: In Dänemark gilt für Autofahrer die 0,5-Prozent-Grenze. Deshalb soll der Verkauf von leichteren Flaschenbieren wie dem Grolle Pilsner verstärkt werden.

Und dann gibt es noch das Tangol. "Dazu fahren unsere Mitarbeiter morgens raus aufs Meer und bringen 25 Kilogramm Seetang mit", erklärt Managerin Bidstrup. In der Farbe sieht man es nicht, dafür merkt man es am leicht bitteren Geschmack, der sich deutlich von den sonstigen im Bier enthaltenen Inhaltsstoffen unterscheidet.

Resümee: Durch den weltweiten Import der Brauzutaten schmecken diese dänischen Biere intensiver. Der Wegfall des Reinheitsgebots bringt zumindest in Bezug auf das Mitbrauen von Algen keinen Vorteil. Vor allem die hohen Preise machen den Absatz außerhalb Dänemarks schwer. Dazu passt das Logo der Rise Bryggeri, das an ein mittelalterliches Steinrelief angelehnt ist. Ein kleiner Spatz sitzt vor den Pfoten eines großen Löwens, das symbolisiert den Gegensatz zwischen groß und klein.

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