Mit Fußball in die Normalität

Rund um das Gmünder Stadtjubiläum und die Staufersaga haben Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft die Möglichkeit gefunden, ihre Fähigkeiten einzubringen. Ein positives Beispiel ist Andy Mendy.

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Der 1. FC Normannia spielt in der Oberliga, hier gegen den SSV Reutlingen. Andy Mendy spielt noch nicht mit, er trainiert aber bei Normannia. Der Fußball hilft dem Asylbewerber aus Gambia auf dem Weg in die Normalität. Foto: Axel Grundler

Krieg, Verletzung von Menschenrechten und Verfolgung bringen viele Menschen dazu, aus ihrem Herkunftsland zu fliehen. Eine Flucht erscheint vielen als letzter Ausweg, um ihr Leben oder das ihrer Familie zu schützen. Ein gesicherter Ort ist für viele Flüchtlinge Europa.

Über verschiedene Wege gelangen sie hierher, um Schutz zu suchen, auch in Schwäbisch Gmünd in der Gemeinschaftsunterkunft auf dem Hardt. Viele dieser Menschen sind traumatisiert, da eine Flucht häufig unter dramatischen Umständen verläuft, durch welche oftmals psychische Belastungen und Traumata ausgelöst werden. Und - niemand flieht freiwillig!

Eine Hilfe auf dem Weg zurück in die Normalität ist ein geregelter Tagesablauf. Hierzu tragen auch sogenannte Arbeitsgelegenheiten bei.

Flüchtlinge bringen aus ihren Herkunftsländern Arbeitsbegabungen und Lebenserfahrungen mit, die als wirtschaftliches Potenzial verstanden werden dürfen, und sie sind interessiert, ihre Begabungen und Fertigkeiten bei staatlichen, kommunalen oder gemeinnützigen Trägern einzubringen. Hausmeisterarbeiten, Pflege von verschiedenen Anlagen oder die Betreuung hilfsbedürftiger Menschen sind nur wenige Beispiele für eine solche Arbeitsgelegenheit.

Auch rund um das Stadtjubiläum und die Staufersaga haben Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft die Möglichkeit gefunden, ihre Fähigkeiten einzubringen. Ein positives Beispiel ist Andy Mendy. Er wird im Juli 19 Jahre alt, kommt aus Gambia und wohnt seit November 2011 in der Gemeinschaftsunterkunft. Mendy hat seine Eltern, seine Zwillingsschwester und einen älteren Bruder in Gambia zurückgelassen. Er vermisst sie sehr. Zu dem schmerzlichen Gefühl des Heimwehs kommt noch Angst hinzu. Er hat aufgrund von Problemen sein Land verlassen. Er wurde von der Polizei so geschlagen, dass er auf einem Ohr nahezu taub ist, teilt die Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd mit.

In Karlsruhe angekommen, wurde ihm erklärt, dass er damit rechnen muss, dass sein Asylantrag abgelehnt und er zurückgeschickt wird. Doch die Flucht hat das Problem in seiner Heimat für ihn nicht gelöst. Vielmehr sind neue Probleme hinzugekommen.

Angst vor Abschiebung, keine Arbeit, keine Perspektive, Heimweh und Alleinsein. Deshalb war es für ihn als Familienmenschen und gläubigen Christen das größte Geschenk, als er von Familie Eberle letztes Jahr zum Weihnachtsessen eingeladen wurde. Und überhaupt ist Familie Eberle ein Stück seine neue Familie geworden. Dort fühlt er sich angenommen, unterstützt und geborgen. Auf die Frage, was wir von ihm lernen können, antwortet er: "Nie den Mut zu verlieren, den Mut zu haben, etwas zu riskieren und durchzuhalten." Was lernt er von uns? Antwort: "Die deutsche Sprache. Das Akzeptieren und Befolgen der Rechte und Pflichten."

Sein größter Wunsch ist es, ein ganz normaler Schwäbisch Gmünder Bürger zu werden, ausgestattet mit allen Rechten aber auch allen Pflichten. Andy Mendy besucht im Rahmen des Mercatorprojektes der PH die Rauchbeinschule. Und alle, mit denen er zusammenarbeitet oder zusammentrifft, helfen ihm dabei, Schritt für Schritt den Weg eines normalen Schwäbisch Gmünder Bürgers zu gehen. Er ist auf einem guten Weg, denn seitdem er im Dezember an einem Probetraining der Normannia teilnahm, trainiert er dort jetzt regelmäßig.

Im Rahmen der Staufersaga hat Mendy zwei weitere Betätigungsfelder gefunden. In der Rüstmeisterei reinigt er die Helme und bei den Schreinern ist er für das Anstreichen zuständig. Alle haben Mendy als zuverlässigen, hilfsbereiten und freundlichen jungen Mann kennengelernt, der auch zupacken kann. So ist es nicht verwunderlich, dass er das schwäbisch Sprichwort "Schaffa, schaffa Häusle baua" gut findet, denn er sagt: "Ich kann nur etwas erreichen, wenn ich hart dafür arbeite und mir den Schweiß von der Stirn wischen muss."

Sozusagen "im Schweiße meines Angesichts". So anders sind wir gar nicht.

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