Mehr als nur Klamauk

"Charleys Tante" von Frank Piotraschke nach dem Schwank von Brandon Thomas hatte gestern Abend Premiere auf der Freilichtbühne in Dinkelsbühl.

|

Brandon Thomas schrieb das Stück 1892 als klamaukigen Schwank. Frank Piotraschke modernisierte das Theaterstück als Auftragsarbeit für das Landestheater Dinkelsbühl. "Das war nötig, damit sich dem heutigen Zuschauer die Problematik und Dringlichkeit erschließt, die einen Mann dazu bringt, sich als Frau zu verkleiden", erläutert der Bühnenautor. War es 1892 schlichtweg unmöglich, seine Angebetete ohne Anstandswauwau (nämlich Charleys Tante) zu treffen, galt es für 2012 einen anderen Zwang für den Rollentausch zu finden. So bleibt die Grundaussage von Thomas erhalten. Anregungen für frische Gags zieht Frank Piotraschke aus zahlreichen Screwball-Serien wie "Golden Girls" oder "Roseanne". Gepaart mit seinem absurden Humor wird daraus eine zugkräftige Komödie.

Beim Schreiben hatte Frank Piotraschke auch die Schauspieler im Blick. Aus den beiden blassen Mädchen aus der Fassung von Thomas werden farbige Figuren. Aber auch Gedanken an die spätere Besetzung mit den ihm bekannten Kollegen inspirierten den Bühnenautor. Durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Landestheater Dinkelsbühl kennt er die Facetten ihres Darstellungsspektrums. So hat sich bei der Neufassung eine Reihe interessanter Rollen entwickelt. Besonders freut sich Piotraschke über die beiden Eigenkompositionen im Stück: "Alles, was du willst" und "Nicht in diesen Schuhen". Charleys Tante auch singen zu lassen, dazu hatten ihn die Filme mit Peter Alexander und Heinz Rühmann inspiriert.

Intendant Peter Cahn setzt das Stück auf der Freilichtbühne am Wehrgang effektvoll in Szene. Die modernisierte Fassung lässt auch dem Regisseur viel Spielraum. Im Gegensatz zur Urfassung kann man mit vielen Szenen witziger und situativer spielen. Mit einem nach einer durchzechten Nacht ausgeknockten Jack zum Beispiel, der quasi als Requisit in der Folgeszene zur Verfügung steht. Auch das Karikieren von Politikern verleiht dem Stück viel Lebendigkeit. "Die Kunst ist es", so Cahn, "die Komödie trotz aller effektvollen Streiche nicht in Klamauk abgleiten zu lassen." Das gelingt ihm, indem er die Not der einzelnen Charaktere klar herausarbeitet: Der eine ist verliebt, der andere fürchtet finanziellen Ruin. . . Um einer ausweglosen Situation zu entgehen, schlüpft ein Mann in die Frauenrolle und erhält so die Farce aufrecht. Das ist der Witz an dem Stück.

Frank Piotraschke spielt die Hauptrolle. "Loslassen muss man da schon können", erklärt der Autor und Schauspieler, aber das große gegenseitige Vertrauen zum Regisseur, das in zehn Jahren gemeinsamer Arbeit gefestigt wurde, kommt dem Stück zugute. Das habe sich bei vielen Projekten gezeigt. Frank Piotraschke war zwei Jahre lang festes Ensemblemitglied beim Landestheater Dinkelsbühl. Danach zog es ihn wieder in die Großstadt. Doch immer wieder übernimmt er Rollen in den Inszenierungen des Landestheaters, führt Regie oder betätigt sich als Bühnenautor. Für die Sommerfestspiele ist er nun seit zehn Jahren auch beim Publikum ein sehr beliebter Gast, sind doch Rollen wie Frank n Furter in "The Rocky Horror Show" immer noch in guter Erinnerung bei den Dinkelsbühler Zuschauern.Info Karten und weitere Infos gibts unter Telefon 0 98 51 / 90 26 00.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Politik der kleinen Tritte

Die Umsetzung des Crailsheimer Radverkehrskonzepts ist seit Jahren im Gange. Zuletzt kam die Stadt nicht so schnell voran wie geplant – aber das soll sich ändern. weiter lesen