LEA unmittelbar vor Kollaps

Die LEA Ellwangen steht offenbar vor dem völligen Kollaps. Die Zahl der Bewohner ist auf 3200 gestiegen. LEA-Leiter Berthold Weiß rechnet mit weiteren 1000 binnen einer Woche. Weiß denkt nun doch an Zelte.

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Gerüchteweise machte am Donnerstag die Runde, die Landeserstaufnamhestelle (LEA) in Ellwangen suche nach Helfern für den Aufbau von Zelten. Auf Nachfrage bei LEA-Leiter Berthold Weiß ergab sich ein Bild, das man vielleicht befürchtet, aber bisher doch weit von sich gewiesen hatte: Die LEA ist dermaßen überfüllt, dass man von einem Kollaps sprechen muss.

Die ursprünglich für eine Regelbelegung von 500 Personen und eine Maximalbelegung in Notzeiten von 1000 Menschen gedachte Erstaufnahme Ellwangen zählte am Donnerstag 3200 Bewohner, und täglich kommen 150 bis 200 weitere hinzu, wie Weiß sagt. Zwar weist die LEA weiterhin ständig Flüchtlinge an Landkreise und Kommunen weiter, doch das kann die Lawine nur schmälern, aber nicht aufhalten. "Wir schaffen es nicht, so viele Leute wie nötig in die Gemeinden zu verlegen", sagt Weiß. "Alle LEA-Gebäude sind vollständig belegt. Wenn Integrations- und Innenministerium uns nicht eine Entlastung verschaffen können, haben wir keine andere Chance, als Zelte aufzustellen." Das wollten weder Weiß noch das Land; Ministerien und Regierungspräsidium hatten noch vor wenigen Tagen erklärt, Wohnzelte für Flüchtlingen kämen in Ellwangen nicht in Frage. Doch die Flut reißt nicht ab.

Über das Wochenende hatte die Polizei gleich mehrere Einsätze in der LEA zu bewältigen. Die Anlässe dafür waren sehr unterschiedlich. Am Samstag wurde ein elfjähriger Junge verletzt. Wie die Polizei ermitteln konnte, soll sich der Junge am Info-Point der Unterkunft vorgedrängelt haben, worauf ihm ein 20-jähriger Mann mit einer Art Spazierstock auf den Kopf schlug. Der Junge trug Prellungen davon, gegen den 20-Jährigen wird wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt. Am Samstagabend um 21.45 Uhr wurde die Polizei alarmiert, weil ein Mann beim Wäscheaufhängen aus dem Fenster gestürzt war. Zum Glück hatte er sich nur leicht verletzt.

In der Nacht zum Sonntag gerieten dann rund 40 Personen zweier nationaler Gruppierungen aneinander. Bei der Auseinandersetzung wurden zumindest drei Personen verletzt, darunter auch ein 13-jähriger Junge. Zwei erwachsene Verletzte wurden stationär im Krankenhaus aufgenommen, bei dem Jungen genügte eine ambulante Versorgung. Die Polizei stellte fest, dass der Grund für die Auseinandersetzung war, dass die eine Gruppierung auf einer Freifläche feierte, während die andere dadurch in der Nachtruhe gestört wurde. Gegen zwei Uhr trafen die Gruppen aufeinander, doch die Polizei konnte die Situation befrieden. Gegen drei 32 und 35 Jahre alte Männer wird nun wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt.

Am Sonntagmorgen gegen 3.45 Uhr kam es erneut zu Streitigkeiten, die einen erneuten Polizeieinsatz zur Folge hatten. In der mit rund 200 Personen belegten Turnhalle gab es Streit, weil immer wieder einzelne Bewohner die Beleuchtung einschalteten. Die anderen wurden dadurch in ihrer Nachtruhe gestört, worauf sich verbale Streitigkeiten entwickelten und die Polizei wegen der Gefahr der Eskalation gerufen wurde. Die Polizei veranlasste die Durchsage eines Dolmetschers, der die Ruheregeln erklärte. Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes mussten dafür sorgen, dass das Licht gelöscht blieb. Gegen 5 Uhr hatte sich die Situation beruhigt.

Am Sonntag gerieten wiederum zwei nationale Gruppierungen aneinander. Die Polizei wurde gegen 14 Uhr alarmiert, weil sich rund 200 Personen feindselig gegenüber standen. Bis die Polizei die Gruppen getrennt hatte, waren zumindest sechs Personen verletzt worden, darunter drei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes, die von Steinen getroffen worden waren. Zwei als Rädelsführer eingestufte Personen wurden in Polizeigewahrsam genommen. Die Polizei ermittelt in diesem Fall wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs.

Eine erneute Auseinandersetzung zwischen rund 20 Personen am Sonntagabend schlichtete die Polizei, ohne dass es dabei Verletzte gab. Dazwischen fand am Sonntagnachmittag auf einem Wiesengelände vor der Unterkunft ein von einem Freundeskreis ausgerichtetes Picknick statt, mit dem die Flüchtlinge willkommen geheißen wurden. Nach Schätzungen der Polizei nahmen daran rund 150 Menschen teil.

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