Keine Glücksbringer: Bürger und Bezirksschornsteinfeger finden nicht zueinander

Zwischen Bürgern und dem Bezirksschornsteinfeger rauchts. Für die Mitarbeiterin im Landratsamt ist das, was in Mulfingen und Umgebung die Gemüter bewegt, nicht mehr als "der ganz normale Wettbewerb".

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Schornsteinfeger Joachim Heitzmann (links) und Kollegen in Mulfingen. Eine Gruppe kritischer Bürger beobachtet den schwarzen Trupp. Foto: Matthias Stolla

Joachim Heitzmann kann darüber nicht lachen. Der Bezirksschornsteinfeger fühlt sich von vielen Mulfingern abgelehnt. Die wiederum werfen ihm vor, er werbe mit unlauteren Methoden. In Mulfingen rauchts.

"So etwas habe ich noch nie erlebt", sagt Heitzmann. Der 38-Jährige aus Ilshofen ist frustriert. Seit 18. Februar ist er Bezirksbevollmächtigter im Kehrbezirk 11 und hat deshalb mehr Rechte und Pflichten als seine "freien Kollegen". Heitzmann ist Schornsteinfeger von Amts wegen. Nur er darf und muss Feuerstättenschau, Bauabnahme und andere hoheitliche Aufgaben erledigen. Alle anderen Kaminkehrer dürfen fegen und messen, aber sie müssen Heitzmann berichten.

Für Heitzmann ist der Fall damit klar, für viele Bürger offensichtlich nicht: Sie wollen Heitzmann nicht kehren lassen. "Manche schlagen mir die Tür vor der Nase zu. Andere machen gar nicht erst auf." Aggressiv, "als wollte man ihnen den Sohn wegnehmen", seien manche, berichtet der Ilshofener. Einer seiner zwei Mitarbeiter sei in Jagstberg auf offener Straße "beinahe verklopft" worden.

In solchen Fällen hörten er und seine Mitarbeiter oft den gleichen Satz: "Wir haben schon einen Kaminkehrer." Für Heitzmann ist klar, wer damit gemeint ist: sein Kollege, Andreas Gagstatter aus Ilshofen-Niedersteinach. Der war Mitarbeiter von Heitzmanns Vorgänger Lothar Hagel. Nachdem Hagel in Ruhestand gegangen war, fegte Gagstatter weiter, nur eben nicht als Bezirksbevollmächtigter.

Mitarbeiter droht Heitzmann

Stefan Dörr ist einer jener Mulfinger, die mit Gagstatter sehr zufrieden sind. Günstiger und besser sei der, sagt der 60-Jährige. Auf Heitzmann ist er nicht gut zu sprechen. Dessen Mitarbeiter habe ihm gedroht, "bei der Feuerstättenschau ganz genau schauen zu müssen", sagt Dörr. Außerdem habe Heitzmann für die Feuerstättenschau eine Frist gesetzt, die bereits abgelaufen war, als sie zugestellt wurde. "Und diesen Mann muss ich in mein Haus lassen. Da verliert man das Vertrauen in den Staat", schimpft Dörr.

Für Dörrs Nachbar Richard Friedrich war Gagstatter "der angenehmste Schornsteinfeger seither". Heitzmann habe über seine Mitarbeiter mit einem Ultimatum für die Feuerstättenschau Druck ausgeübt. Für die verkürzte Frist hat sich Heitzmann inzwischen entschuldigt: "Das war ein Fehler." Dennoch werde er den Verdacht nicht los, dass sich sein Konkurrent Gagstatter auf seine Kosten in günstiges Licht setze: "Er hat mir 160 Bescheide geschickt, alle ohne Beanstandungen." Das könne nicht sein, sagt Heitzmann: "In drei Häusern war ich selbst und habe Glanzruß gefunden." Der muss gemeldet und ausgebrannt werden.

Gagstatter widerspricht: "Wenn ich Beanstandungen feststelle, melde ich sie." Im freien Wettbewerb dürfe die Bevölkerung entscheiden, wen sie kehren lasse.

Kürzlich wollte Heitzmann mit acht Kollegen in Mulfingen den großen Schornstein der Mulfinger Schule kehren. Die Gemeindeverwaltung aber lehnte ab. "Wir wollen nicht als Werbeträger herhalten", begründet Dieter Göller, Leiter des Technischen Amts, die Entscheidung. Ein Häufchen kritischer Bürger beäugte den schwarzen Trupp misstrauisch, bis er abfuhr und nach Künzelsau-Ohrenbach auswich. Dort freuten sich Hausbesitzer. Heitzmann und seine Kollegen kehrten an diesem Tag kostenlos.

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Kommentare

10.03.2013 19:37 Uhr

Abschaffen!

Endlich bewegt sich etwas! Meine moderne Gasheizung braucht keinen schwarzen Mann. Es kann nicht sein, dass hier Bürger um ihre Grundrechte gebracht werden, nur um das Einkommen einer Gruppe zu sichern. Das Märchen der duch Vögel und anderes Getier verstopften Abgaswege ist falsch.

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