Junge Leute suchen Hilfe

Seit einem halben Jahrhundert bietet die katholische Einrichtung "Ruf und Rat" Hilfe und Beistand bei persönlichen Lebenskrisen. Täglich suchen mehr als 100 Menschen Rat, darunter verstärkt junge Leute.

|
Bei "Ruf und Rat" finden Verzweifelte kostenlos telefonischen Beistand. Immer mehr junge Menschen nutzen das Angebot. Foto: DPA

Ins Leben gerufen wurde das Beratungsangebot der katholischen Kirche am 1. Juni 1962 als "Offene Tür" in der Paulinenstraße 40. Im August 1975 erfolgte der Umzug in die heutigen Räume in der Hospitalstraße 26. In den 50 Jahren des Bestehens von "Ruf und Rat" suchten insgesamt 38 000 Menschen bei der psychologischen Beratungsstelle persönliche Hilfe, bei der angeschlossenen Telefonseelsorge gingen seither rund 840 000 Anrufe ein.

Es seien vor allem der berufliche Druck und die Alltagsbelastung, die den Menschen zunehmend zu schaffen machen, erklärt Pfarrer Thomas Krieg, der die Beratungsstelle seit November 2006 leitet. Auffallend sei, dass immer mehr junge Menschen bei der Telefonseelsorge Hilfe und Zuspruch suchen. Laut der hauseigenen Statistik ist ein Drittel der Anrufenden 30 Jahre alt oder jünger, 27 Prozent sind sogar 20 Jahre alt oder jünger. Bei der psychologischen Beratungsstelle liege der Anteil der unter 31-Jährigen bei rund zwölf Prozent - mit steigender Tendenz. Man beobachte zudem ganz allgemein, dass die Hemmschwelle, eine psychologische Beratung oder auch therapeutische Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen, sinke. Moderne Begriffe wie Burnout oder Mobbing gäben den Auslösern für seelisches Leiden neue Namen, die Probleme der Menschen seien aber im Grunde über die Jahre gleich geblieben, weiß Krieg. "Sie spiegeln heute wie damals die gesellschaftlichen Missstände wider." Familienkrisen, Depressionen, Beziehungssorgen, finanzielle Nöte, Einsamkeit und sogar Selbstmordgedanken seien Themen, mit denen die mehr als 55 ehrenamtlichen und zehn hauptamtlichen Mitarbeiter immer wieder konfrontiert würden. Auch Fragen nach dem Sinn des Lebens oder zur Suche nach dem Glück würden häufig gestellt, weiß Anni Kiefer, die stellvertretende Leiterin der Telefonseelsorge. "Die Vielfalt der Wahlmöglichkeiten im Alltag hat zugenommen, das überfordert den ein oder anderen zusehends", sagt Kiefer. "Viele verstehen die Welt nicht mehr." Fragen zu Glauben oder Kirchenrecht seien dagegen zurückgegangen.

Egal ob am Telefon oder beim Gespräch unter vier Augen - es gehe darum, für den Menschen da zu sein und eine Beziehung aufzubauen, so Kiefer. "Wir wollen Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen." Vor allem bei ganz akuten Krisenfällen, beispielsweise bei einem drohende Suizidversuch, wo es nötig sei, "die Person wieder auf die Seite des Lebens zu ziehen".

Info Die Telefonseelsorge ist kostenlos und 24 Stunden am Tag unter 08 00 / 1 11 02 22 zu erreichen, die Anmeldung bei der psychologischen Beratungsstelle in der Hospitalstraße 26 ist unter 07 11 / 2 26 20 55 möglich.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Die „BG“ setzt Zeichen gegen den explodierenden Markt

Die Baugenossenschaft Crailsheim kritisiert die Wohnbaupolitik der letzten Dekade und realisiert 43 neue Wohnungen im Stadtteil Türkei. weiter lesen