Heimische Molkereien sind sicher: Dem Markt kann sich keiner entziehen

Der Milchpreis kennt nur eine Richtung: Innerhalb von gut 18 Monaten ist er tief in den Keller gerutscht. Das bekommen auch die Milchwerke zu spüren.

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Aktuell werden in Baden-Württemberg im Schnitt nur noch 26 Cent pro Kilo Milch gezahlt, notwendig zur Kostendeckung der Landwirte wären aber mindestens 35 Cent. Dieser niedrige Milchpreis lässt nicht nur die 8500 Milchviehhalter im Ländle zittern, sondern macht sich auch bei den heimischen Molkereien bemerkbar.

„Wir sind alle betroffen, dem Markt kann sich keiner entziehen“, erklärt zum Beispiel Josef  Vögele, Geschäftsführer im Milchwerk Crailsheim-Dinkelsbühl.  Er führt aus: „Auch wir mussten die Preise nach unten anpassen, um die Absätze halten zu können.“

Dass der „Milchgipfel“, der Anfang des Monats in Weinsberg stattgefunden hat, Erfolge bringt, daran glauben die beteiligten Branchenvertreter aus der Region nicht. „Wir sind zu klein, um den Markt zu beeinflussen. Hierfür braucht es Regelungen von der EU“, ist Vögele sicher.

Da geht der Geschäftsführer vom Milchwerk Crailsheim-Dinkelsbühl ganz konform mit Markus Albrecht vom Milchwirtschaftlichen Verein Baden-Württemberg. Auch der ist der Meinung:  „Mengenbegrenzungen gehen nur auf europäischem Niveau.“ Er ist sicher, dass billige Milch über Landesgrenzen fließen würde und hier würde weiter eifrig produziert. Vor allem die Iren haben beispielsweise ihre Milcherzeugung nach dem Ende der Quote drastisch gesteigert – um 33 Prozent.

Um in der schwierigen Situation zu bestehen, setzt das Milchwerk Crailsheim-Dinkelsbühl auf bestmögliche Verwertung. „In den vergangenen Monaten haben wir versucht, die komplette Milch zu verwerten. Diese Strategie ist bisher weitestgehend aufgegangen“, meint Vögele.

Auch bei der Hohenloher Molkerei in Schwäbisch Hall macht sich der niedrige Milchpreis bemerkbar. In der Generalversammlung der Molkerei wurde deutlich, dass der Bilanzgewinn 2015 bewusst niedrig ausgefallen ist. Die Erträge sollen so gut wie vollständig an die Mitgliedsbetriebe ausgeschüttet werden. So erklärte Martin Boschet, geschäftsführender Vorstand, in der Versammlung: „In schwierigen Zeiten muss das Geld vollständig zu unseren Bauern auf die Höfe. Das gilt umso mehr im laufenden Jahr.“

Die Haller verzeichneten im abgelaufenen Geschäftsjahr nur noch einen Gewinn von 10.000 Euro nach 820.000 im Vorjahr. Der Umsatz sank laut Geschäftsbericht um 38,6 Millionen auf 178,8 Millionen Euro.
 

Das Zehn Punkte-Programm von Agraminister Hauk

Ergebnis Beim Milchgipfel in Weinberg stellte Agrarminister Hauk ein Zehn-Punkte-Plan zur Verbesserung der aktuellen Situation vor.

Maßnahmen Dieser sieht unter anderem den ständigen Dialog mit dem Einzelhandel, die Nutzung von Steuererleichterungen sowie die pünktliche Auszahlung von Fördermitteln vor. Außerdem soll mit unterschiedlichen Maßnahmen  die Vermarktung und der Absatz von regionalen Produkten verstärkt werden.

Alternative Auch die Förderung von Bioprodukten ist ein möglicher Angriffspunkt. Denn den Biobauern scheint es besser zu gehen als den konventionellen Landwirten – hier stagniert der Erzeugerpreis im Durchschnitt bei 48 Cent.

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