Gedächtnis des Dorfes

Dass es im neuen Michelbacher Bürgerhaus jetzt auch ein Ortsarchiv gibt, ist dem ehemaligen Bürgermeister Karl Müller (83) zu verdanken. Seit 46 Jahren sammelt er Dokumente zur Ortsgeschichte.

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1966 trat der gebürtige Kirchberger Agraringenieur das Schulzenamt in dem damals noch selbstständigen 500-Seelen-Dorf an. Auch nach der Gemeindereform von 1974 leitete er dessen Geschicke weiter als Ortsvorsteher bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1994.

Doch Karl Müllers Engagement beschränkte sich nicht nur auf die Verwaltung - von Anfang an war er als aufmerksamer Chronist seines Dorfes aktiv. In Tagebuchnotizen, Tonbandaufzeichnungen, Foto- und Filmaufnahmen dokumentierte er mittlerweile das Leben in Michelbach. Mit alten Michelbacherinnen, die sich noch an ihre Dienstzeit bei den jüdischen Bürgern im Ort erinnerten, machte er Tonbandinterviews. Den letzten Büttel, der jeden Morgen auf seine Anweisungen im Rathausvorzimmer wartete, hat er ebenfalls porträtiert.

Karl Müller bemühte sich überdies um die Aufzeichnungen früherer Chronisten aus der Lehrerschaft. Die historischen Erhebungen des Schulleiters Joachim Leidecker sowie der Lehrer Friedrich Rüb und Wilhelm Schultze hat er in mühevoller Kleinarbeit zu einer fünfbändigen Chronik zusammengestellt. Im sechsten Band schrieb Karl Müller selbst die Ortsgeschichte von 1962 bis 2010 weiter. Die Bücher stehen jetzt im neuen Ortsarchiv der Öffentlichkeit zur Einsicht zur Verfügung. Neben zwei Bänden zur Ortsgeschichte gibt es jeweils einen Band über die Kirchengeschichte, die Michelbacher Juden, die Flurnamen sowie die alten Sitten und Bräuche.

Die Werke sind eine Fundgrube für jeden historisch interessierten Hohenloher. So erfährt man zum Beispiel, dass um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert im Dorf stolze zehn Vereine gegründet wurden, darunter so illustre wie der Radfahrerverein von 1902, dessen Originalflagge im Archiv ausgestellt ist.

Neben den schriftlichen Dokumenten hat der Heimatforscher ein stattliches Bildarchiv mit 1300 Fotos zusammengestellt. Außer der Müllerschen Dia-Sammlung enthält es Bilder von Michelbacher Bürgern, historische Postkarten sowie das Archiv des Arztes Berthold Falke, der schon vor dem Krieg als engagierter Hobbyfotograf im Ort aktiv war. Alle Fotos hat Müller eigenhändig eingescannt und auf einem USB-Stick gespeichert.

Eine Auswahl der Bilder ist noch bis zum 2. Dezember im Erdgeschoss des neuen Bürgerhauses in Michelbach/Lücke ausgestellt. Zur Ergänzung der Ortschronik bietet Karl Müller im kommenden Winterhalbjahr fünf Diavorträge an. Die Termine werden rechtzeitig im Mitteilungsblatt und im HT bekannt gegeben.

Korrektur In die Bildunterschrift zu dem Bericht über die Einweihung des Bürgerhauses ("Ein Juwel für das Dorf", HT vom 1. September) hat sich leider ein Fehler eingeschlichen: Bauleiter war Gerhard Reiss und nicht Gerhard Strauß.

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