Flügelschläge mit dem Pinsel

Hann Trier wurde 1915 geboren. Daher zeigt die Hirschwirtscheuer nun den kompletten Bestand der Sammlung Würth an Werken des Künstlers: rund 40 Gemälde und Aquarelle aus sechs Jahrzehnten.

|
"Die Brezel" ist Titel dieser Eitempera-Arbeit von Hann Trier (1971).  Foto: 

Hann Trier gehörte zum deutschen Informel. Das ist eine Nachkriegs-Kunstrichtung, die auch abstrakter Expressionismus genannt wird. Ihr prominentester Vertreter ist der Amerikaner Jackson Pollock. Den Künstlern des Informel ging es weniger um gegenständliche als um spontane und emotionale Darstellungen.

War Trier (geboren am 1. August 1915) zuerst noch am Kubismus Picassos orientiert, so entwickelte er in den 1950er-Jahren seinen eigenen Stil: "Ich habe mit dem Pinsel geschlagen wie die Taube mit den Flügeln."

Halb abstrakte, doch konkreten Themen oder Objekten gewidmete Bilder sind Beispiele aus Triers Frühzeit - mit Titeln wie "Bauer am Pflug", "Pudel" oder "Guillotine".

Dann jedoch erweiterte er seine Technik, indem er begann, mit beiden Händen zugleich zu malen. "Aus der zweihändigen Malweise, den Schwüngen und Gegenschwüngen der linken und rechten Hand, entwickelte Trier sein persönliches Formprinzip", schreibt Gabriele Uelsberg, Vorsitzende der Kunststiftung Hann Trier, im Katalog zur Künzelsauer Ausstellung.

Schon in den Aquarellen, die wie Rippenbögen geformte Symmetrien aufweisen, ist dieses Prinzip unübersehbar. Doch ebenso in den gemalten Großformaten, etwa der "Windsbraut" (1974) oder "Les Demoiselles d'Avignon" (1969), einer fast monströsen Verbeugung vor Picassos bahnbrechendem Original.

Es ist eine nahezu dreidimensionale Dynamik, die ersichtlich wird. In "Die hängenden Gärten II" (1992) meint man, organische Strömungen zu entdecken. In "Virgo I" (1966) ist es, trotz der astronomischen Inspiration des Künstlers, eher eine fantastische Blumenwelt, die zum Ausdruck kommt. Und in "Fragmente II" (1994) ist es eine titanisch-archaische Landschaft mit Eis, Fels und dramatischer Aufgewühltheit, wo überdies Geister und Dämonen zu wohnen scheinen.

Info Die Ausstellung ist bis 1. Mai mittwochs bis sonntags sowie an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr zu sehen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Beherzt eingegriffen

Rund 50 000 Euro Schaden ist gestern bei einem Brand in Roßfeld entstanden. weiter lesen