Bühnenraum voller Details

Die Eschentaler Theatergruppe "In Fraxino Vallium" haben für ihre Aufführungen 2014 den "Zerbrochenen Krug" nach Heinrich von Kleist ausgesucht. Die Laienschauspieler sind mit Herzblut dabei.

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In Schlegels Scheune spielt die Theatergruppe "In Fraxino Vallium". Das Bühnenbild haben sie selbst errichtet.  Foto: 

Vor der Hauptprobe stehen die Darsteller kostümiert und geschminkt vor einem kleinen, rustikalen Bühnenanbau, der mit vereinten Kräften der Schauspieler gezimmert wurde. Gebrauchte Bretter und Ziegel liegen passend zum Gesamtbild auf dem Boden herum. Der Besucher wird auf dem Weg zum Zuschauerraum an der Außenwand der Hütte vorbeigeführt. Der Blick fällt auch auf die Eiszapfen an der Dachkante, die täuschend echt als Nachbildungen aus Kunststoff gestaltet sind. Sie geben einen Hinweis auf die Jahreszeit des Spielgeschehens. Für die Schauspieler dient der kleine Anbau als beengte Umkleide und als Zugang zur Bühne.

In direkter Nachbarschaft, beim Wohnhaus der Scheunenbesitzer Schlegel, hat sich eine Gruppe von Gästen eingefunden, die den Geburtstag der Gastgeberin feiern. Immer wieder sind erwartungsvolle Blicke zu beobachten. Einige unterhalten sich locker, andere wirken ruhig und konzentriert.

Der Zuschauerraum ist mit bequemen Einzelstühlen und Sitzkissen ausgestattet. Regisseur Martin Wolfram wirft durch eine kleine verdeckte Tür einen prüfenden Blick auf die Bühne und gibt Zustimmung zum dreimaligen Aufruf. Die Geburtstagsgesellschaft Schlegel nimmt im Zuschauerraum Platz und der Büttel Martin Wolfram mahnt lautstark zur Ruhe, bevor er einen kräftigen Schluck aus der Pulle nimmt.

Die Aufführung des "Zerbrochenen Kruges" nach Heinrich von Kleist beginnt. Dorfrichter Adam (Uwe Scholl) spielt eine besondere Rolle. Mit ihm gestalten Gerichtsrätin Walter (Martina Groh), Marthe Rull (Ute Klenk), der Schreiber Licht (Sigrid Scholl) und Ruprecht Tümpel (Claudia Erkert) die Aufführung in eigener Fassung frei nach von Kleist: das Geschehen und die "schlimme" Tat der vergangenen Nacht.

Das Ensemble mit elf Mitgliedern hat das Stück mit seinen umfangreichen Texten schon in der Hauptprobe perfekt im Griff. Der Regisseur muss nicht eingreifen. Wenige kleine Texthänger werden vom Regisseur, der auch als Souffleur wirkt, fast unbemerkt korrigiert.

Überhaupt ist die ganze Gruppe eine kreative Gemeinschaft. Die Bühne, mit vielen symbolischen und liebevollen Details ausgestattet, wurde gemeinsam aufgebaut. Martina Groh gesteht, dass sie dabei zum ersten Mal eine Stichsäge bediente. Wochenlang wurden alte, teilweise zerfledderte Bretter gesammelt und mit diesen der Bühnenraum erstellt. Im ganzen Raum liegen auch unordentlich verstreute Akten und Protokolle herum. So wird der Eindruck vom maroden Rechtssystem, das im Stück aufgegriffen wird, sichtbar. Dass ein Riesenstapel Akten labil über dem Angeklagten platziert ist, zeigt, welcher Bedrohung er ausgesetzt ist. Der Zuschauer hat Angst, dass er herunterfällt und ihn erschlägt.

Überhaupt die Details: Im Ofen brennt ein flackerndes Feuer, Holzschuhe geben einen Hinweis auf den Ort des Geschehens, Waschschüssel und viele andere kleine, aber feine Details sind zu entdecken. Genauso ist zu bewundern, wie die Schauspieler kostümiert und geschminkt sind.

Man merkt, dass die Gruppe etwas Abstand vom Bauerntheater nimmt und auch Denkanstöße geben möchte. Martina Groh und Martin Wolfram betonen, dass man gut zusammenhält und sich auf die Proben freut. Der Spaß und der Zusammenhalt stehen im Vordergrund. Die Zuschauer spüren das und sind vom Stück begeistert.

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