Betriebe legen bei Lehrstellen nach - Zahl der Auszubildenden wieder gestiegen

Nach leichten Rückgängen im vergangenen Jahr wurden in Heilbronn-Franken zuletzt wieder mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen. Trotzdem können viele Firmen ihre angebotenen Lehrstellen nicht besetzen.

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Auch wenn es die Unternehmer und Vertreter von Wirtschaftsverbänden gerne andere sähen: Von einer Entspannung am "Ausbildungsmarkt" kann noch keine Rede sein. Die regionale Entwicklung passt bestens ins allgemeine Bild. Obwohl landesweit rund ein Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen wurde, konnte nach einer Online-Umfrage des BWIHK rund ein Drittel der mehr als 1500 beteiligten Unternehmen nicht alle Lehrstellen besetzen. Und so rechnen allein die IHKs damit, dass in Baden-Württemberg in diesem Jahr zwischen 5000 und 6000 Lehrstellen unbesetzt bleiben.

In der Region wird dagegen ein wenig durchgeatmet. Das gilt vor allem für das Handwerk. In den Ausbildungsjahren 2012 und 2013 von Rückgängen regelrecht gebeutelt, haben die regionalen Vertreter dieses Wirtschaftszweiges wohl so etwas wie die Umkehr geschafft. Zum Stichtag am 31. August hatten die Betriebe bei der Handwerkskammer in Summe 1470 neue Lehrverträge eingetragen. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 2,9 Prozent. Damit hat sich die positive Tendenz des vergangenen Jahres (Plus 0,8 Prozent) noch einmal fortgesetzt. "In den Betrieben ist angekommen, dass sie sich wirklich intensiv um die jungen Leute bemühen müssen", versucht Kerstin Lüchtenborg die jüngsten Zuwächse zu erklären.

Für die Leiterin der Abteilung Berufsbildung zeigt sich in dem gestiegenen Zuspruch zudem der Erfolg der enormen Anstrengungen, die auch von der Handwerkskammer selbst unternommen werden, um den Betrieben die Fachkräfte von morgen zu sichern.

So beschäftigt die Kammer seit Anfang des Jahres gleich zwei Mitarbeiter, die sich vornehmlich mit dem "Matching", also der "passgenauen Besetzung" von unversorgten Bewerbern, beschäftigen. Selbst im Ausland wurde um ausbildungswillige Jugendliche geworben. Mit Erfolg: 25 Schulabgänger aus Spanien haben jetzt eine Ausbildung bei Firmen in der Region begonnen.

Auch die jüngsten Daten der IHK sind erfreulich, immerhin wurden 4229 neue Ausbildungsverhältnisse registriert. Das leichte Plus von 0,3 Prozent blieb aber etwas hinter dem Landesdurchschnitt zurück. Allerdings: Vor einem Jahr wurde noch ein Minus von 1,4 Prozent verzeichnet. Bei der Situationsanalyse wird Elke Döring trotzdem ungewöhnlich deutlich: "Die Gründe für den vergleichsweise geringen Zuwachs liegen unter anderem in dem nach wie vor ungebrochenen Trend zu höheren Bildungsabschlüssen", sagt die Hauptgeschäftsführerin und legt nach: "Es liegt aber auch an der mangelnden Ausbildungsreife zahlreicher Bewerber, an unklaren Berufsvorstellungen sowie an der mangelnden Kenntnis der Schulabgänger über die Chancen, die eine duale Ausbildung bietet." Wohl auch deshalb hält Dietmar Niedziella, Leiter Berufsbildung bei der IHK, "weitere Maßnahmen im Ausbildungsmarketing für notwendig".

Die Schulabgänger dürften die Gegebenheiten mit einer gewissen Gelassenheit zur Kenntnis nehmen, denn im Schnitt kommen auf jeden Bewerber etwa 1,3 offene Stellen. Trotzdem kann es für den Traumberuf nicht reichen, denn die Nachfrage schwankt. Elke Döring: "Während sogar Kleinbetriebe auf einen kaufmännischen Ausbildungsplatz teilweise bis zu 20 Bewerbungen erhalten, müssen sich selbst größere Unternehmen zum Teil mit nur drei bis vier Bewerbern im technischen Bereich begnügen."

Wer nicht gänzlich festgelegt ist, hat selbst als Nachzügler fast die Qual der Wahl. Derzeit finden sich allein auf den Internetbörsen der beiden Kammern über 1000 Ausbildungsplätze. Dazu kommen noch die Plätze bei den freien Berufen, in der Landwirtschaft oder der Verwaltung, die nur über die Arbeitsagenturen gemeldet werden.

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