Balsam für die Regierungsseelen

Nach einem Jahr grün-roter Landesregierung gebe es keinen Grund zur Kritik. Darin sind sich Bündnis 90/Die Grünen und die SPD in Hohenlohe einig.

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Der erste Satz von Hermann-Josef Pelgrim (SPD/Oberbürgermeister in Hall) hört sich fast wie eine Rechtfertigung für nicht getane Arbeit an: "Oft dauert es jahrelang, bis sich Politik bemerkbar macht."

Stuttgart hat es vorgemacht und die Hohenloher ziehen nach: Nach Stuttgarter Vorbild luden die beiden Parteien in die Künzelsauer Stadthalle zum ersten Bürgerdialog ein.

"Wir wollen mit den Bürgern auf Augenhöhe gehen und ihnen die Möglichkeit geben, direkt mit uns ins Gespräch zu kommen", erklärt Grünen-Kreisvorsitzender Lutz Engelhardt. "Der neue Stil der Regierung", ergänzt Kreisvorsitzender Johannes Württemberger (SPD).

Und was hat sich noch getan? "Der Einstieg in eine Demokratie ist keine Revolution", fasst Württemberger zusammen. Doch gerade die Volksabstimmung zu Stuttgart 21 - der ersten seit dem Zusammenschluss von Baden und Württemberg - sei ein Meilenstein gewesen. Jetzt müsse sich das neue Denken, sei es beim Thema Windenergie oder der Bildungspolitik, nur noch in den Köpfen der örtlichen Politiker einprägen. Tatsächlich sei es im CDU-geprägten Hohenlohe am Anfang nicht einfach gewesen, bei den Menschen Fuß zu fassen, erinnert sich Kreisvorsitzender Engelhardt an die Wochen nach der Wahl. "Aber es wird besser", so Württemberger. Immer mehr Bürger suchten jetzt das Gespräch und akzeptierten, dass die Regierungsbank nicht mehr schwarz sei.

Brigitte Lösch, erste Stellvertretende Präsidentin des Landtags, zeigt vom Kindergarten bis zum Abitur, was sich seit Grün-Rot in Baden-Württemberg getan hat. Inzwischen finanziert das Land die Schulsozialarbeit zu einem Drittel mit, der Leistungsdruck sei verringert und die Studiengebühren seien auch abgeschafft.

Lösch erntet Beifall für ihren Vortrag. Die Stimmung ist ausgelassen. Parteimitglieder und Gäste klatschen freudestrahlend zu den Musikstücken von Boney M. Die Erfolge in der Bildungspolitik sind Balsam für die grünen und roten Regierungsseelen.

Dass sich Grün und Rot zusammentun, ist auch in Hohenlohe eine Premiere. Eine Eintagsfliege soll die neue Teamarbeit auf keinen Fall bleiben. Und die Zuhörer finden Gefallen daran, auch wenn es mehr Lob als Fragen gibt.

"Ich finde die Idee für eine parteiübergreifende Veranstaltung sehr gelungen", sagt Konrad Siebert aus Neuenstein. "Wir sollten uns gesamtpolitisch schon als Block begreifen." Klar, Streit müsse es manchmal geben, aber nie so, dass er zur Scheidung führe.

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