BAG hängt schlimmer in den Seilen als befürchtet

Der BAG Ellwangen, ihren Genossenschaftern und Mitarbeitern kann man nur die Daumen drücken: Es kommt wohl schlimmer als bisher befürchtet. Auch die Fusion mit der BAG Hohenlohe ist noch nicht durch.

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Aus Ellwangen kommen weiterhin schlechte Nachrichten: Noch ist die Fusion mit Hohenlohe nicht in trockenen Tüchern. Archivfoto

Die jüngste Inventur brachte genau das zum Vorschein, was viele geahnt haben: Die Manipulationen der letzten Jahre waren viel umfangreicher, als bisher bekannt. In einer außerordentlichen Genossenschaftsversammlung am 22. März kommen die Details auf den Tisch. In der Führungsetage der Ellwanger BAG herrscht zwar keine Alarmstimmung, aber mehr als gedämpften Optimismus kann man dem Interimsgeschäftsführer Wolfgang Schenk und dem Geschäftsführer der BAG Hohenlohe, Michael Eißler, derzeit kaum entlocken. Gestern berichteten sie vor der Presse über die neuesten Innenansichten der BAG. Und die sind nicht sehr erfreulich.

Man hat Inventur gemacht. "Sehr, sehr gründlich", wie Eißler erzählt, der als Geschäftsführer der BAG Hohenlohe sozusagen "beratend" die Ellwangen BAG unter seinen Fittichen hat - beide BAGen sollen ja fusionieren, möglichst noch dieses Jahr. Die Augen hatte auch ein externer Wirtschaftsprüfer auf die Angelegenheit gerichtet; ein Mann, der bislang weder mit der Ellwanger BAG noch mit dem baden-württembergischen Genossenschaftsverband zu tun hatte, wie Eißler und Schenk betonen. Man möchte jedem Verdacht vorbeugen, da kontrollierten am Ende dieselben Leute, denen in den Vorjahren so manches "entgangen" war.

Die Inventur brachte es dann an den Tag: "Unser Bauchgrimmen hat sich leider bestätigt", erzählt Eißler, "es wurden bedeutende Differenzen und Manipulationen entdeckt". Bislang ging man von einem Schaden von rund zwei Millionen Euro aus. "Da steckt nach unserer Ansicht schon eine ordentliche kriminelle Energie dahinter", geht Eißler aus sich heraus. Wie groß die "Unstimmigkeiten" genau sind, behalten Eißler und Schenk zunächst noch für sich - am 22. März bekommen erst die Genossenschafter die Zahlen auf den Tisch.

Dass die enormen Löcher in der Bilanz nicht durch Zufall entstanden sind, ist klar: "Wir sind dankbar, dass die Kripo ermittelt", stellt Eißler klar. Und im Fokus der Staatsanwaltschaft Stuttgart steht ja längst nicht mehr einzig und allein ein ehemaliger Buchhalter. Wie deren Pressesprecherin Claudia Krauth unserer Zeitung gestern bestätigte, gelten nach wie vor fünf Personen als Beschuldigte. Obwohl die Namen nicht genannt werden, kann man sich doch an den bewussten fünf Fingern abzählen, wen die Ermittler da im Visier haben.

Übrigens: Dass "das Ehrenamt" an der BAG-Spitze eine Schuld trifft, glauben weder Eißler noch Schenk, wie sie ausdrücklich versichern, und nehmen damit offensichtlich den Vorstandsvorsitzenden Michael Reeb und Aufsichtsratsvorsitzenden Eugen Manz in Schutz, deren Wohnungen ebenso wie die von Geschäftsführer Karl-Heinz Schöller Ziel einer Razzia wurden.

Während auf der einen Seite also die Ermittlungsbehörden am Werk sind, um herauszufinden, wer von den Bilanzfälschungen wie viel wusste oder sie sogar konkret veranlasst hat, mühen sich Eißler, Schenk und die Mitarbeiter der BAG damit, Gegenmaßnahmen einzuleiten. Der genossenschaftliche Hilfsfonds hat in Form einer "stillen Beteiligung" geholfen, das Eigenkapital der BAG Ellwangen aufzustocken: "Das hilft uns sehr", sagt Eißler. Zwar deckt der Wert des derzeitigen BAG-Eigentums, vor allem die Immobilien, die durch die Finanzmanipulationen entstandene Finanzlücke - so viel lassen sich Eißler und Schenk dann doch entlocken - , aber die BAG braucht natürlich auch (flüssiges) Eigenkapital.

Nun lasse sich die BAG Ellwangen "sichern", bis es zu einer Fusion mit der BAG Hohenlohe kommt - oder besser gesagt "kommen soll": denn das ist noch nicht in trockenen Tüchern. Der Hohenloher BAG-Chef Eißler betont zwar, man "strebt die Fusion an", doch das letzte Wort sprechen die Genossenschafter. Jede der Mitgliederversammlungen muss mit 75 Prozent Ja-Stimmen seinen Segen dazu geben. Diese Sitzungen sollen noch heuer über die Bühne gehen, vermutlich bis zum Sommer.

Die Inventur brachte zwar Übles zutage, doch Eißler sieht die positive Seite: "Wir haben jetzt belastbares (sprich: ehrliches) Zahlenmaterial und wollen ja keine Risiken mit in die Fusion reinnehmen". Man ist indes zuversichtlich: "Mit dem Hilfsfonds und anderen Maßnahmen bewältigen wir die Situation", ist Eißler optimistisch.

Die Auswirkungen der BAG-Misere werden Ende August optisch sichtbar: Dann schließt der Raiffeisenmarkt in der Bahnhofstraße. Bis 30. September wird das Gebäude "besenrein" an die neuen Eigentümer übergeben. Dort soll dann ein zweites Ärztezentrum entstehen. Ganz und gar werden die Geschäfte des Marktes aber nicht aufgegeben. Einige - wie etwa die Obstannahme - werden in den benachbarten Gebäuden der BAG fortbestehen - zumindest bis auch die Ende 2014 in neue Hände übergehen.

Ob es in Ellwangen je einen neuen BAG-Markt geben wird, ist offen; Eißler gibt sich da nicht sehr euphorisch. Ein neuer Markt müsste, angesichts der Konkurrenzsituation, deutlich größer sein als der bisherige. Das kostet zum einen Geld, zum anderen muss dafür der richtige Standort gefunden werden. Michael Eißler wiegt dazu den Kopf: "Aber man soll ja niemals nie sagen", orakelt er.

Mitarbeiter und Außendienst

Durch den teilweisen Weiterbetrieb können auch Mitarbeiter an Bord bleiben. Eißler und Schenk sind voll des Lobes für die BAG-Mitarbeiter und ihren Einsatz. Die vier für die Poststelle im Markt zuständigen Leute werden aber wohl schon vor Ende August dort ausziehen. Ein neuer Poststellen-Betreiber ist derzeit auf Standortsuche in Ellwangen und wird wohl diese vier Personen übernehmen. Neu im Betrieb eingerichtet ist die Stelle eines nur für Außendienst zuständiger Mitarbeiters. Einen Außendienstler gab es bisher nicht, wundert sich nicht nur Wolfgang Schenk: "Man muss doch draußen bei den Leuten sein." Damit will man den Begehrlichkeiten von Konkurrenten entgegenwirken, die heftig versuchen, bisherige landwirtschaftlichen BAG-Kunden abzuwerben.

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