Hinter den Kulissen der Kinderzeche
Dinkelsbühl. Einen Blick hinter die Kulissen der Dinkelsbühler Kinderzeche erlaubt das Kinderzech-Zeughaus, das sich nun auch offiziell "Museum" nennen darf und mit vielen Überraschungen aufwartet.
Ein Museum der ganz anderen Art hat nun die "Weihe" erhalten. Es darf sich bei den offiziellen Museen Bayerns einreihen. "Und wir sind das einzige Museum, das sich allein aus Eintrittsgeldern trägt", sagt Hans-Peter Mattausch vom Verein für Brauchtumspflege in Dinkelsbühl. "Das geht, weil wir nur mit Ehrenamtlichen arbeiten."
Man muss aber auch wissen, dass das Museum nur an ein paar Tagen im Jahr offiziell geöffnet hat, nämlich immer an den Dinkelsbühler Markttagen; der nächste ist im März. Aber wer eine Führung will, bekommt natürlich eine: "Die kürzeste Vorlaufzeit war mal zwei Stunden zwischen Anfrage und der Führung." Mit anderen Worten: Das Museum ist eigentlich immer geöffnet. Man muss halt vorher anrufen. So kommt es, dass immerhin schon 5000 Besucher das Haus seit Öffnung Ende 2007 besichtigt haben - und in dem alten Dinkelsbühler Kornspeicher aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen sind.
"Gedacht ist das neue Gebäude als begehbares Magazin", erläutert Mattausch. Und weil der Brauchtumspflege-Verein, der für die Kinderzeche und das Zeughaus zuständig ist, keine halben Sachen macht, hat er ein halbes Museum draus gemacht - mit Sonderausstellungen, jeder Menge Infoterminals und einem "Schulzimmer" mit alten Schulbänken. "Hier treffen wir uns zum museumspädagogischen Begleitprogramm", erläutert Mattausch. Die Kinder können beispielsweise lernen, wie die Waffenschmiede, Sattler und Stiefelmacher im Mittelalter arbeiteten. Das Ergebnis können die Kinder dann gleich im Fundus anschauen. Doch auch das Haus selbst ist eine Schau. Denn eigentlich gibt es da zwei Häuser: zum einen das alte, gotische, das konserviert wurde, wie es war: eine große, hohe Halle, das Fachwerk unverändert, mit freier Sicht auf den sehenswerten Dachstuhl und die Dachziegel. In diese Hülle wurde zum anderen ein gedämmter, temperierbarer, zweistöckiger Kubus gesetzt, in dem die Kinderzech-Kostüme nun aufbewahrt werden.
Wie in einer Galerie kann man nun auf zwei Stockwerken um den Kubus herumgehen. Auf der einen Seite erlauben große Schaufenster interessante Einblicke in das Magazin. Auf der anderen Seite gestatten kleine Sprossenfenster reizvolle Ausblicke auf die Dinkelsbühler Altstadt.
Noch vor ein paar Jahren war der Kinderzech-Fundus im alten Rathaus untergebracht. Als dort das "Haus der Geschichte" errichtet werden sollte, drohte die Heimatlosigkeit. Da sprang die Stiftung Denkmalschutz ein, mit deren Hilfe der alte Kornspeicher saniert wurde.
Dort sieht es nun aus wie in einer mittelalterlichen Waffenkammer: Helme, Harnische, Schwerter, Säbel und Piken. Auch das Magazin einer mittelalterlichen Burg könnte so ausgesehen haben.
Und dann steht da auf einem Regal ein Paar kleiner Kinderschuhe. "Das sind die Schuhe des Lorebuben", erklärt Mattausch. Und da wird klar: Das Zeughaus erzählt immer auch die Geschichte der Kinderzeche. "Wir haben sie in mehreren Größen anfertigen lassen", meint Mattausch und erzählt, wie es zugeht, wenn die Kinder der Stadt Dinkelsbühl zur Kinderzeche eingekleidet werden: "Wir verlosen die Termine, zu denen die Kinder zum Kostüm-Aussuchen und zur Anprobe kommen dürfen."
Info
Das Kinderzech-Zeughaus in der Bauhofgasse in Dinkelsbühl ist geöffnet an den Markttagen (die nächsten Termine sind der 14. März und der 25. April) und nach Anmeldung unter Telefon 0 98 51 / 54 94 77. Weitere Informationen unter http://www.kinderzech-zeughaus.de
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Autor: UTE SCHÄFER | 24.11.2009
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