"Ich wäre doch arm gewesen"

Ein fröhlich klingender Abend des Dankes in Kloster Schöntal: Dieser gilt Otto Müller, dem Vater des Hohenloher Kultursommers. Nach 28 Jahren sagt er Adieu und erhält die Ehrenmedaille des Hohenlohekreises.

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Otto Müller schenkt seinem Kultursommer-Nachfolger Marcus Meyer aus Fichtenau Rosen der Züchtung Leonardo da Vinci. Diese möge er sorgfältig pflegen - wie das Musikfestival. Manchmal müsse aber auch etwas gestutzt werden, sagt Müller - für die Rosen gibts in diesem Fall die Rebschere.  Foto: 

Schwer liegt die Sommerhitze im Festsaal des Klosters Schöntal. Eben haben die Gäste noch beim letzten Gruppenspiel der deutschen Mannschaft bei der Fußball-WM im TV-Raum nebenan mitgefiebert. Nun erwartet die Zuhörer ein Überraschungsprogramm des Concertino-Ensembles unter der Leitung von Petru Munteanu. Und wie die jungen Musiker mit Violinen, Bratschen, Celli und Kontrabass zu Antonio Vivaldis Concerto grosso h-Moll op. 3/10 mit Schwung und Spielfreude anheben, ist die Schwere schnell verflogen. Im barocken Festsaal breitet sich fröhliche Feststimmung aus - ein Loblied auf den Hohenloher Kultursommer und auf Otto Müller, der das Festival ins Leben rief.

"Man muss Wege gehen", sagt Hohenlohekreis-Landrat Matthias Neth: Dieses Credo habe Müller seit jeher beherzigt. Und er habe treue Weggefährten gefunden. Wie etwa Petru Munteanu, der mit seinem Meisterkurs für junge Geiger und zahlreichen Konzerten seines daraus entstandenen Concertino-Ensembles zu einer festen Größe des Kultursommers geworden ist. Beispiel gefällig? Das Ensemble hat nicht nur das Überraschungskonzert für Müller gestaltet, sondern am Samstag in der Kunsthalle Würth in Hall und am Sonntag im Barocksaal auf Schloss Langenburg auch gleich zwei weitere Auftritt bestritten.

Neth würdigt beim Festkonzert in Schöntal die ruhige Beharrlichkeit, mit der Müller "gschwind mal" eine Konzertreihe aus der Taufe hob. Dieses "gschwind mal" sei symptomatisch für den Musik-Ermöglicher Müller. In der ersten Kultursommersaison 1987 kamen 2600 Besucher zu 21 Konzerten. Mittlerweile standen 1437 Konzerte im Zeichen des Festivals, hat Neth nachzählen lassen. Und durch Müller seien viele freundschaftliche Kontakte zu Künstlern entstanden wie etwa dem Pianisten Herbert Schuch oder der Harfenistin Silke Aichhorn.

Ein Förderkreis mit mehr als 300 Mitgliedern und einem Jahresetat von rund 600000 Euro mache das Festival zur festen Kulturgröße in der Region und weit darüber hinaus. Müller hat das Festival auf den Weg gebracht und sich jahrelang ehrenamtlich engagiert. Dafür erhält er von Neth die Ehrenmedaille des Hohenlohekreises in Silber.

Petru Munteanu und sein Ensemble schenken dem Freund zum Abschied ein eindrucksvolles Konzert - mit der meisterhaften Leichtigkeit von Mozart-Werken und mit gefühlvollen "Liedern ohne Worte" von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Besonders beeindruckend: das virtuos-turbulente Zwiegespräch zweier Violinen (Sholpan Mankeyeva und Esther Nayon Kim) in Pablo de Sarasates spanischem Tanz "Navarra". Souverän meistern die Musiker das anspruchsvolle Werk und setzen mit Johann Strauss Ouvertüre aus der Operette "Die Fledermaus" einen kunstfertigen Schlusspunkt.

Munteanu erinnert daran, wie er vor fast 30 Jahren auf der Suche nach einem passenden Ort für einen Meisterkurs fast schon aufgegeben hatte. Eher zufällig sei er im Jagsttal gelandet. Doch als er um eine Kurve fuhr und Schöntal erblickte, war ihm klar, "das wärs". Munteanu sprach beim damaligen Bildungshaus-Leiter Otto Müller vor: "Er war freundlich, aber distanziert", erzählt er. Aber die beiden verstehen sich schnell und besiegeln ihre Pläne, "mit einem Handschlag - und der gilt bis heut", sagt Munteanu. Er habe Müller viel zu verdanken und er schätze diese stille, intensive und verlässliche Freundschaft mit ihm.

Konzert und Ehrung freuen Otto Müller als "eine wahnsinnig schöne Bestätigung für die Arbeit". Aber der 69-Jährige gibt den Dank auch zurück an sein Team und das breite Unterstützernetz: "Ich wäre doch ein armer Mensch gewesen, hätte es keinen Kultursommer, keinen Munteanu, keinen Meisterkurs gegeben."

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