"Höllenfeuer im Wohnzimmer"

"Wir Hofackers sind alle eher ungewöhnlich", meint Walter Hofacker, der in der alten Herrenmühle in Obersontheim wohnt. Der Autodidakt ist auch ohne Meisterbrief ein Könner in mehreren Handwerken.

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Auf der Suche nach einem Alterswohnsitz hat es den gebürtigen Stuttgarter Walter Hofacker nach Hohenlohe verschlagen. In Obersontheim hat der 56-Jährige ein Gemäuer gefunden, das zu ihm passt: Die alte Mühle an der Bühler hat im Erdgeschoss mehr als einen Meter dicke Wände aus Naturstein. Seit knapp zwei Jahren wohnt Hofacker dort.

Das Beste daran: "Es ist noch unverbastelt, da hat sich noch keiner dran ausprobiert", hat er festgestellt. In den nächsten Jahren will er das ursprünglich romanische Gebäude nach und nach restaurieren. Dass er dazu ein Händchen hat, hat er schon in jungen Jahren bewiesen, als er mit 16 auf Wanderschaft ging. In Ravensberg bei Bielefeld half er bei der Sanierung eines alten Bauernhofes, nebenher beschäftigte er sich mit Fotografie.

"Logisch", er habe damals auch Rockmusik gemacht und in einer Kommune gelebt. Die wichtigste Erfahrung war aber die Begegnung mit einem betagten Ofenbauer, der einen 200 Jahre alten Herd umsetzen sollte. Das Wissen des alten Handwerkers und die Tatkraft des jungen Mannes hätten sich damals ideal ergänzt, meint Hofacker. "Die Einsicht in die historische Holzfeuerungstechnik hat mich noch mehr fasziniert als die Arbeit an alten Gebäuden", erinnert er sich.

Später in den 1970er-Jahren habe er ganz andere Pläne gehabt. "Ich wollte Karriere machen und viel Geld verdienen", erklärt der Künstlertyp, der schon äußerlich mit langen Haaren und Bart sicher keinen smarten Geschäftsmann darstellt. Eine schwere Gastritis habe ihm klargemacht, das Vorhaben unter "Irrungen und Wirrungen" abzuhaken und zu seinen Wurzeln zurückzukehren.

"In mir hat schon immer ein kleiner Feuerteufel geschlummert, und mit Dreck (also Lehm, Anm. d. Red.) arbeite ich auch gern", erzählt er. Er habe sich deshalb ganz dem Bau von sogenannten Grundöfen verschrieben. "Das ist eigentlich nichts anderes als ein Lagerfeuer auf dem Boden, also auf dem Grund, mit einem Gehäuse drum herum, das von Kanälen für die heißen Rauchgase durchzogen wird. Das Gehäuse soll möglichst viel Masse haben, damit es die Wärme speichert und sie ganz langsam wieder abgibt", erklärt er das Prinzip.

Er habe Öfen gebaut, die die Wärme über Tage und sogar Wochen speichern. Die Strahlungswärme dieser Öfen sei angenehm und gesund wie die Sonnenstrahlung, da sie die Gegenstände und weniger die Luft erwärme. In einem Raum mit Strahlungswärme empfinde man Temperaturen zwischen 18 und 21 Grad als angenehm.

Hofacker hat die Feuerungen in Grundöfen weiterentwickelt: Das Holz verbrennt bei über 1250 Grad. Die Emission sei dadurch extrem gering, als wenn das Holz im Wald verrotten würde. "Aber, wenn so ein Höllenfeuer im Wohnzimmer brennt, ist natürlich ein ganz anderer Feuerschutz notwendig", betont er, lässt sich jedoch nicht in die Karten schauen, mit welcher Technik er das bewerkstelligt. Eines ist indes sicher: Er verwendet klassische Baustoffe wie Ton, Kalk und Sand. Sein größter Ofen wiegt 13 Tonnen und beheizt ein 300-Quadratmeter-Blockhaus über zwei Etagen.

Ein guter Grundofenbauer könne jede historische Mauer oder auch Lehmfachwerk nachbauen, sagt er. Selbstverständlich stellt Hofacker auch Fliesen und Kacheln her. Als historischer Kunsthandwerker könne er keinen Meistertitel erwerben. Deshalb bekam er vor Jahren den Ehrentitel Altmeister verliehen, erzählt der bärtige Hüne nicht ohne Stolz. Sein Geschick nützt ihm auch bei der Sanierung der alten Mühle.

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