Wenig Perspektive, viele Probleme

Das Haus in Bad Mergentheim macht Miese, wie die Leiterin im Kreistagsausschuss mitgeteilt hat. Sie fordert eine neue Ausrichtung, um ein breiteres Publikum zu erreichen.

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Es sind keine hausgemachten Gründe, die das Deutsch­ordensmuseum in Bad Mergentheim in diesem Jahr wieder ins finanzielle Defizit führen werden. Vielmehr sorgen Auflagen und Gesetze für stetige Mehrausgaben. Vor drei Jahren hatte Museumsleiterin Maike Trentin-Meyer dem Ausschuss für Soziales, Bildung, Kultur und Verkehr zum bisher letzten Mal die Situation ihres Hauses vorgestellt. Dieser Tage war sie erneut zu Gast im Landratsamt des Main-Tauber-Kreises, der mit 6,25 Prozent am Museum beteiligt ist. Positiv seien die Besucherzahlen in dem 5000 Quadratmeter großen Haus mit einem Museumsbereich von 3000 Quadratmetern auf vier Stockwerken. Mehr als 31.000 Interessierte kämen pro Jahr, davon mehr als 7000 zu den vielfältigen Veranstaltungen, so Trentin-Meyer.

Bis zu 600 Führungen im Jahr

Die jährlich 500 bis 600 Führungen seien ebenso stark nachgefragt wie museumspädagogische Angebote, mit denen alle Altersgruppen angesprochen würden. So gebe es Kooperationen mit Schulen und einem Altersheim. Seit 2015 sei zudem die Arbeit mit Flüchtlingen unter dem Motto „Deutsch lernen im Museum“ hinzugekommen, aus der sich seit März ein Monatstreff entwickelt habe. Derzeit wird das interkulturelle Theaterstück „Odyssee des Lebens“ vorbereitet.

Die Museumsleiterin berichtete von dem ambitionierten Veranstaltungsprogramm, stetig wechselnden Sonderausstellungen, Literatur im Schloss und den Schlosskonzerten, die vom Förderverein organisiert und finanziert werden. Die Wanderausstellung zur Geschichte des Deutschen Ordens von 1190 bis heute werde europaweit ausgeliehen.

Der positiven Ausstrahlung und Außenwirkung des Deutsch­ordensmuseums auf der einen Seite stehen die stetig steigenden Kosten gegenüber. Die Wendel­treppen sind im vergangenen Jahr für mehr als 200.000 Euro saniert worden. 2015 wurde die Brand- und Einbruchmeldeanlage für mehr als 250.000 Euro neu eingebaut. In diesem Jahr steht die Generalüberholung des Aufzugs, die Erneuerung der Heizungsregelung und der Toilettenanlage auf dem Programm. „Hier kümmert sich das Land um seine Immobilie“, so Trentin-Meyer. Der Pachtvertrag sehe jedoch vor, dass der Pächter für die bauliche Unterhaltung zuständig sei. Das bedeute zum Beispiel die Finanzierung der Toilettenerneuerung für rund 20.000 Euro.

In ihrer Präsentation erläuterte Trentin-Meyer die finanzielle Entwicklung des Deutschordensmuseums, die seit Jahren immer wieder Thema ist. 2003/04 seien Sparmaßnahmen eingeleitet worden, 2005 habe das Land als Immobilienbesitzerin die Miete von immerhin 110.000 Euro plus Mehrwertsteuer erlassen. 2013 dann hätten die Anteilseigner eine Finanzierungsvereinbarung geschlossen und ihre Zuschüsse erheblich aufgestockt. „2016 schreiben wir noch eine schwarze Null, aber 2017 geraten wir wieder sauber in die Miesen“, kündigte sie an. „Und das wird so weitergehen.“

Grund seien gehörige Zusatzkosten, die seit 2013 anfielen. Die Zahlung des Niederschlagwassers für versiegelte Fläche spiele ebenso eine Rolle wie ein vorgeschriebenes Energieaudit, erhöhte Brandschutzauflagen oder die „Prüfung nach den Grundsätzen der guten Unternehmenskultur“. Alles das koste zusätzlich.

Mindestlohn und Denkmalschutz

Allein die Einführung des Mindestlohns habe die Ausgaben um 34.000 Euro erhöht. Die jüngste Erhöhung des Mindestlohns um 34 Cent bedeute für das Museum Mehrkosten in Höhe von 3000 Euro. Hinzu kämen Auflagen des Denkmalschutzes und die stetigen Erneuerungen im Bestand. „Zukünftig werden mehr Mittel zur Kostendeckung der Mindestausstattung nötig sein“, stellte Trentin-Meyer fest. Und sie forderte, das im Gesellschaftsvertrag festgeschriebene Ziel, den inhaltlichen Ausbau des Deutschordensmuseums zu einem „qualifizierten Museum mit überregionaler Ausstrahlung“, einzulösen.

Das Deutschordensmuseum nämlich sei zurzeit ein Spezialmuseum. Es müsse sich neu ausrichten, um die breite Bevölkerung anzusprechen. „Wenn wir weitermachen wie bisher, kommen wir noch eine Zeit lang zurecht, aber wir vespern jedes Jahr vom Eigenkapital.“ Deshalb bestehe der Wunsch, dass die Gesellschafter mehr machen und mehr wirken.

„Die guten finanziellen Zeiten sind vorüber, es gibt wenig Perspektive und viele Probleme“, fasste Landrat Reinhard Frank zusammen, und versprach „Gehirn­schmalz“ einzusetzen, um neue Wege zu finden.

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