Vollzeitjob zum Geburtstag Landrat a. D. Denzer feiert seinen 70.
Tauberbischofsheim. Drei Jahre war er der Erste Landesbeamte, 24 Jahre lang Landrat, seit sieben Jahren ist er im Ruhestand. Vorgestern feierte Georg Denzer 70. Geburtstag. An Ruhestand denkt der umtriebige Pfälzer noch lange nicht.
Erst Referendariat in Heidelberg und Mannheim, dann im Landratsamt am Bodensee und ein Jahr im Bundesinnenministerium - über diese Etappen führte der Weg von Georg Denzer ins Landratsamt des Main-Tauber-Kreises. "Vom kleinen Landratsamt nach Bonn - das war ein Kulturschock", lacht der gebürtige Pfälzer heute darüber. Georg Denzer war vier Jahre lang Personalchef der Bereitschaftspolizei, zu einer Zeit, in der die Baader-Meinhof-Prozesse liefen. Und weil er dort keine Karrierechancen sieht, wird er am 1. Februar 1978 Erster Landesbeamter. Nur drei Jahre später wird er zum Landrat des Main-Tauber-Kreises gewählt. Die Bosch-Teststrecke, die Sicherung der Tauberbahn oder die Verbesserung der Infrastruktur und die Entwicklung der drei Berufsschulen zu Schulzentren - in den 24 Jahren seiner Tätigkeit hat Georg Denzer viel bewegt. Er galt und gilt als umtriebiger Macher.
Wäre im Jahr 2005 der Ruhestand für den damals 63-Jährigen von Gesetzes wegen nicht vorgegeben gewesen, er hätte nach eigener Aussage gern noch ein paar Jahre im Amt verbracht. Aber: "Das Leben besteht nicht nur aus einer Funktion, einer Tätigkeit - man muss auch loslassen können", sagt Georg Denzer. Er gibt zu, dass es ihm schwergefallen ist, aus dem Amt zu scheiden. "24 Jahre Landrat - das war schließlich ein ganzes Berufsleben."
Heute gewinnt er seinem "Ruhestand" durchaus auch positive Seiten ab: "Man kann sich mehr um die Familie kümmern." Er entdeckt das Lesen wieder für sich und durch den inzwischen verstorbenen Professor Reiner Schmidt und die Bronnbacher Klassik einen Zugang zur Musik. Sport hingegen ist außer ein wenig Skifahren nicht so sein Ding. "Na, bei 1,60 Meter Körpergröße konnte doch aus mir nie ein großer Sportler werden", witzelt er in seiner typisch schlagfertigen Art.
Was Denzer nicht vermisst, sind die vielen Repräsentationstermine: "Heute gehe ich dahin, wohin ich will. Früher glaubte ich, ich muss überall hin. Das nahm mir natürlich die Freizeit." Um die Feierlichkeiten zu seinem Geburtstag allerdings muss er sich selbst kümmern. Auch wenn er die Flucht in seine Heimat, die Pfalz, angetreten hat, so lässt er es sich nicht nehmen, mit Freunden, langjährigen Wegbegleitern und Mitstreitern der ersten Stunde einen "Altlandrätlichen Dämmerschoppen" zu veranstalten. "Altlandlandrat", diesen Titel, den die fränkischen Nachbarn vergeben können, den hätte er schon gern. Genauso gern wie einen Vollzeit-Job "als Repräsentant oder so" in Berlin. Eine kleine Wohnung hat er dort schon seit Jahren. "Noch mal zwei, drei Jahre in die Vollen gehen, das wäre was", sagt er.
Haus und Garten allein füllen Georg Denzer nicht aus. So ist es kein Wunder, dass der "Altlandrat" in vielen Bereichen aktiv ist. Seit einiger Zeit ist er für die HOT-Region als Bioenergiebotschafter tätig, hat Beraterverträge bei der Westfrankenbahn und bei EBM-Papst in Mulfingen, ist bei der Sportmarketing Tauberbischofsheim GmbH im Aufsichtsrat, Mitglied im Landwirtschaftlichen Maschinenring und als Reisebegleiter viel unterwegs.
Ob Nordkap, China oder Syrien - Georg Denzer begleitet nicht nur die Reisegruppen, sondern setzt sich mit der Kultur und Politik der bereisten Länder intensiv auseinander. So ist auch zu erklären, wieso er die Berichterstattung über die Lage in Syrien als äußerst einseitig abtut. Und genau an dieser Stelle kommt der Georg Denzer zum Vorschein, wie ihn der Landkreis kennt. Denzer hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg.
"Das passt mir alles nicht, was da läuft", sagt Denzer mit entsprechendem Nachdruck über die anstehende Polizeistrukturreform. "Die sollen doch sagen, dass sie die Einsatzkräfte in den Ballungsräumen brauchen und sollen nicht versuchen, uns Sand in die Augen zu streuen." Seiner Meinung nach geht es gar nicht um die Polizei, sondern um die Auseinandersetzung zwischen den Verdichtungsräumen und dem ländlichen Raum.
Genau zu diesem Thema saß er vor vielen Jahren in der TV-Talkshow "Nachtcafé" bei Wieland Backes. Und wieder weiß Georg Denzer eine nette Geschichte darüber zu erzählen. Einige dieser kuriosen, lustigen, auch politischen Geschichten werden ganz sicher wieder erzählt werden, wenn er im Kreise seiner Familie und Freunde feiert.
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Autor: HEI | 09.02.2012
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Zu seinem 60. Geburtstag bekam Georg Denzer von seiner Frau diese Wurstschneidemaschine geschenkt. Diese wird ganz sicher zu den Feierlichkeiten anlässlich seines 70. Geburtstages wieder in Gebrauch genommen. Foto: Heike Heise
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