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Martinstag einst und heute

Am Freitag ist Martinstag. Die Legende vom geteilten Mantel kennt in Hohenlohe jeder - zumindest im Kindergartenalter. Dabei hat der Tag früher weitaus mehr das Leben der Menschen bestimmt - und zwar in jedem Alter.

Isabel Hofmann | 0 Meinungen
Der Marinstag ist der Namenstag von Sankt Martin. Der Heilige setzte sich besonders für die Armen ein. Früher war der Martinstag deshalb der Pacht- und Zinstag, an dem die Leute Getreide oder Vieh bekamen, da es kein anderes Zahlungsmittel gab.

Zu seinen Ehren werden in der ganzen Region in jedem Jahr Martinsumzüge veranstaltet. Früher sollte die Lichtprozession böse Geister vertreiben und an die Botschaft des heiligen St. Martin erinnern, die da lautet: Vergiss die Notleidenten nicht. Heutzutage ziehen die Kinder mit ihren Laternen von Haus zu Haus und singen Lieder oder sagen Sprüchlein auf.

Dazu gibt es Martinsbrezeln oder Martiniweckle. Die zwei Gebäcksorten erinnern daran, dass für den heiligen St. Martin die Notleidenden, die Armen und die Hungernden im Mittelpunkt standen.

Der Martinsritt gilt als Danksagung. Der heilige St. Martin gründete im Jahre 361 das erste Kloster im Abendland. St Martin gilt als Schutzpatron der Alpenhirten, Bauern, Winzer und Müller. Die Legende sagt, Sankt Martin sei im tiefsten Winter durch ein Dorf geritten, habe einen Bettler getroffen und mit ihm seinen Mantel geteilt.

Eine weitere Tradition ist die Martinsgans. Als Martin zum Bischof von Tours ernannt werden sollte, versteckte er sich in einem Gänsestall. Da ihn die Gänse durch ihr Geschnatter verrieten, befahl er, sie alle zu schlachten und zu braten.

Klara Härpfer aus Weipertshofen erinnert sich, dass der Tag früher weitaus mehr als heute, das Leben bestimmte. "Auf dem Martinsumzug hat man gesungen und alle haben sich darauf gefreut. Die Geschichte des heiligen St. Martin wurde nachgespielt. Es war sogar ein Pferd dabei." Nach dem Martinstag  kehrte meistens die Ruhe im Ort ein. Die Bauern hatten zum größten Teil ihre Arbeit verrichtet, deshalb trafen sich die Dorfbewohner nun häufiger, um gemeinsam die Geschichte des heiligen St. Martin aus einem Heiligenlegendenbuch zu lesen. In ihrem Dorf in Bayern, in dem sie damals noch lebte, nannte man das Harles.

Kulinarisch ging es rund um den Martinstag eher weihnachtlich zu. "Nach dem Laternenumzug hat man sich  noch im Kindergarten getroffen und bei Punsch und Glühwein geredet", erzählt die vierfache Mutter. Eine Martinsgans habe es zwar eher zu Weihnachten gegeben, dafür seien Martiniweckle auch schon damals verbreitet gewesen.
 
Eckhard Frank aus Goldbach hat den Martinstag als Kind nicht gefeiert. Er kommt ursprünglich aus dem größtenteils evangelischen Hessen. Erst mit dem Umzug nach Bayern hat der die Tradition kennengelernt. In den Bauernkneipen erzählten sich die Menschen die Geschichte vom heiligen St. Martin. In seiner Gegend gab es Martinsgans, aber keine Martiniweckle. An eine Besonderheit erinnert sich der Rentner noch gut: "Früher wurden die Laternen nicht aus Papier gebastelt sondern aus Kürbissen, Dickwurz und Runkelrüben."
 
Für Hildegard Kienast aus Westgartshausen war der Martinstag früher etwas ganz Besonderes: "Den Nikolaustag, den es heute gibt, kannten die Menschen noch nicht. Dafür wurden die Kinder am St. Martin beschenkt." Statt Nikolaus kam der sogenannte Nussmärtel und warf einen Jutesack in den Hausflur, der mit Mandarinen und Nüssen gefüllt war.

Sogar ein St. Martins-Gedicht kann sie noch auswendig:
   
"Sankt Martin ist ein Reiter,
  der teilt den Mantel heiter,
  er gibt dem Mann ein teil sodann
und zieht ganz einfach weiter."

Auch im Kindergarten in Westgartshausen kennen die Kinder die St. Martinstraditionen, wenn diesen auch nicht mehr so ausgeprägt nachgegangen wird. In diesem Jahr wurde schon am Mittwoch gefeiert - mit Laternenumzug und Früchtepunsch. Die Laternen dafür haben die Kleinen selbst gebastelt. „Das hat Spaß gemacht , aber es war auch anstrengend“, sagen Martha und Johanna. Für Maja und Leni war die Geschichte vom St. Martin und dem geteilten Mantel der Höhepunkt. Auch ein Lied haben die Kinder gesungen, wie der kleine Philip weiß.
 
Und auch, wenn viele Traditionen heute nicht mehr verbreitet sind: Der Martinstag wird mindestens in zwei Lebensabschnitten wichtig - zuerst, wenn man selbst im Kindergartenalter ist und dann, wenn man Kinder in dem Alter hat.

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