Konjunkturumfrage

Heimische Firmen bleiben "vorsichtig optimistisch"

Heilbronn.  Der jüngste Wirtschaftslage- bericht des IHK-Bezirks Heilbronn-Franken macht Mut. Doch die Umfrage zeigt auch deutlich, so gut die Perspektiven auch sind, sicher ist derzeit nur wenig.

"Unsere Unternehmen haben trotz der Schuldenkrise im Euro-Raum Kurs gehalten und beurteilen ihre Geschäftslage nahezu unverändert günstig", bilanzierte IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Schweig nach der jüngsten Auswertung der Daten aus 330 Betrieben mit mehr als 64 100 Beschäftigten.

Der Rückgriff auf die Seefahrt ist angebracht. Der Tanker "regionale Wirtschaft" macht insgesamt gute Fahrt, die Wirtschaftssee ist zwar leicht aufgeraut, doch noch liegt das Schiff ruhig auf dem Wasser. Das Problem: Wie der Wellengang jenseits des Horizonts sein wird, weiß derzeit wohl niemand. Das einzig sichere Faktum: Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage zum vierten Quartal des vergangenen Jahres lassen sich in ganz unterschiedliche Richtungen interpretieren.

Für die Pessimisten: Über alle Branchen hinweg, bewerten die Firmenchefs die aktuelle Situation etwas schlechter als noch im Herbst vergangenen Jahres. Bei den Geschäftserwartungen sieht es noch trüber aus. Flächendeckend rechnen die Führungskräfte jetzt mit einem rückläufigen Geschäftsverlauf.

Erstmals seit dem großen Konjunktureinbruch im Jahr 2009 weisen die Kurven für Lage und Einschätzung im Gleichschritt wieder nach unten. So weit, so schlecht. Für die Optimisten: Das Wirtschaftsgeschehen in der Region bewegt sich auf einem ungemein hohen Niveau. IHK-Vize Helmut Kessler spricht deshalb auch "nur von einer Delle". Denn auch das ist Fakt: Die Wirtschaft in der Region Heilbronn- Franken ist zuletzt im Jahresmittel um gut vier Prozent gewachsen, und auch für die nächsten Monate wird mit einem Plus von etwa zwei Prozent gerechnet.

Etwas mehr als die Hälfte aller befragten Betriebe gehen von einer "gleichbleibend guten Geschäftslage aus. Ein weiteres Fünftel rechnet gar damit, dass sich die Entwicklung für die jeweilige Firma sogar "noch verbessert". Nimmt man beides zusammen, ergibt sich eine Melange, die in ihrer Färbung bestens zu Boomzeiten passt. Und es kommt noch besser: Wenn nichts Gravierendes passiert, hält die Hochkonjunktur im Baugewerbe "unvermindert an". Die Dienstleister als zweitgrößter Wirtschaftszweig melden ein Stimmungshoch und der Großhandel befindet sich derzeit sogar auf Rekordkurs. So weit, so gut. Doch direkt nachgefragt, gehen die Firmenchefs mit einem "verhaltenen Optimismus" ins nächste Kalenderquartal. "Auch wenn unsere Unternehmen offenbar kerngesund sind, bereiten sie sich doch auf schlechtere Geschäfte vor", konstatiert auch Elke Schweig.

So gut aufgestellt die heimische Wirtschaft derzeit auch scheint, so hat sich doch viel Unsicherheit wie Säure in die psychische Bodenplatte gefressen. "Sorgen machen uns vor allem Entwicklungen, die wir in der Region nur bedingt oder gar nicht beeinflussen können", beschreibt Elke Schweig das allgemeine Unwohlsein. Denn die Schuldenprobleme einiger Euroländer, aber auch steigende Energie- und Rohstoffpreise schlagen mittlerweile durch und belasten zunehmend die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Und weil auch die Weltwirtschaft wohl eine kleine Verschnaufpause einlegt, rechnet nicht zuletzt die Industrie für die kommenden Monate "mit einem schleppenderen Exportgeschäft".

Aber auch das muss nicht wirklich etwas heißen, denn am Arbeitsmarkt scheint sich die zuletzt so erfreuliche Entwicklung weiter fortzusetzen. Die Beschäftigungspläne der Firmen fallen "sogar noch etwas expansiver" aus. So will jeder fünfte Betrieb weiter zusätzliche Jobs anbieten und das, obwohl die Arbeitslosenquote selbst in diesen Wintermonaten auf einem historischen Tief (3,9 Prozent) verharrt.

Das Thema Fachkräftemangel dürfte die Personalleiter in gleichem Maße weiter beschäftigen wie ihre Kollegen in der Produktion zunehmend die Herausforderung, die Rohstoff- und Energiebeschaffung nachhaltig zu optimieren und die Effizienz in Energie- und Materialverwertung deutlich zu verbessern. Denn der Kammer zufolge ist es nämlich nicht der unsichere Ausblick, der den Unternehmenslenkern wirklich Kummer bereitet, sondern eher die Frage, wie sich die eigene Wettbewerbsfähigkeit, bei eingeschränktem Zugang zu benötigten Rohstoffen und den Preisschüben bei der Energieversorgung, dauerhaft sichern lässt.

Info Mehr Details zur konjunkturellen Entwicklung in der Region Heilbronn- Franken in der nächsten Ausgabe von RegioBusiness.


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Autor: HERIBERT LOHR | 09.02.2012

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