Zwei Mädchen missbraucht

Ein heute 33-jähriger Betriebswirt aus Crailsheim hat im Internet zwei elfjährige Mädchen sexuell missbraucht. Das Amtsgericht Crailsheim hat ihn jetzt dafür zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

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Nur knapp ist der Angeklagte mit der Mindeststrafe davongekommen - der Strafrahmen reicht in diesem Fall von drei Monaten bis fünf Jahre Freiheitsstrafe. Nur weil der Angeklagte und sein Verteidiger Ralf Präg auf eine Beweisaufnahme verzichteten und so den Opfern die Vernehmung ersparten, blieb Amtsrichter Mark Brinker am unteren Ende der Skala. Bis dahin mussten Brinker und Staatsanwalt Weise jedoch ihre ganze Überzeugungskraft aufbringen.

Das Urteil beruht nun ausschließlich auf den Angaben, die der Angeklagte, ein geschiedener Ehemann und Vater von zwei Kindern im Alter von neun und elf Jahren, selbst gemacht hat. Sie decken sich im Wesentlichen mit der Anklage: Demnach hat der Mann im Juni 2011 zunächst in einem Internet-Chat Kontakt zu den beiden Mädchen gefunden und dann mit einer Kamera eine Verbindung zu ihnen aufgebaut. Später hat er nicht nur sich selbst vor ihren Augen befriedigt, sondern auch die Kinder aufgefordert, sich auszuziehen - was diese teilweise befolgt haben.

Im Unterschied zu diesen Vorwürfen beteuerte der Angeklagte jedoch, er habe angenommen, die Mädchen seien 16 und 17 Jahre alt; eines der Mädchen sei sogar als 17-Jährige in dem Chat angemeldet gewesen. Zwar hätten die Mädchen zwischenzeitlich auch behauptet, sie seien elf Jahre alt, dies hätten sie jedoch wieder zurückgenommen. Überdies hätten sie in der Internet-Unterhaltung, die immer "sexistischer" verlaufen sei, obszöne Worte gebraucht, die für Elfjährige nicht typisch seien.

Zwar räumte der Mann ein, sich am Computer befriedigt zu haben, dies habe er jedoch in einer Haltung getan, dass es die Mädchen nicht hätten beobachten können.

Erst nach über einer halben Stunde gelang es Amtsrichter Brinker, den Angeklagten dazu zu bewegen, auf eine Beweisaufnahme, also auf die Vernehmung der Kinder, zu verzichten. "Ich bin bereit, am unteren Rahmen des Strafrahmens zu bleiben, wenn die Kinder nicht befragt werden müssen. Im anderen Fall hätte ich keine Hemmungen, höher zu gehen", erklärte Brinker.

Einerseits beteuerte der Angeklagte, er empfinde es als furchtbar, was ihm vorgeworfen werde. Andererseits meinte er aber auch, es sei eine Frechheit von den Kindern, ihn so "zu verarschen". Dies rief Staatsanwalt Weise auf den Plan, der dem Mann vor Augen führte, dass es ohne Einsicht keine Bewährung geben könne.

Nachdem die Kinder nicht vernommen werden mussten, beantragte der Staatsanwalt schließlich eine Freiheitsstrafe von drei Monate zur Bewährung und eine Geldauflage von 2500 Euro, während Verteidiger Ralf Präg auf eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 25 Euro plädierte.

Wie zu erwarten war, verurteilte Mark Brinker den Angeklagten zu einer Haftstrafe von drei Monaten, die er für drei Jahre zur Bewährung aussetzte. Außerdem muss der Mann 2000 Euro an den Verein "SOS Kinderdorf" bezahlen.

Bei diesem milden Urteil hielt der Richter dem Angeklagten nicht nur wie angekündigt zugute, dass er auf die Vernehmung der Kinder verzichtet hatte, sondern auch, dass er kein Interesse daran gehabt habe, sexuelle Handlungen vor Kindern vorzunehmen. Den Kontakt zu den Kindern habe der Angeklagte nicht gezielt gesucht. Jedoch habe der Angeklagte fahrlässig gehandelt, denn nachdem die Mädchen unterschiedliche Angaben zu ihrem Alter gemacht hätten, hätte er damit rechnen müssen, dass es sich um Kinder handelt.

Dass Altersangaben im Internet "Schall und Rauch" seien, habe dem Angeklagten bewusst sein müssen, schließlich habe er sich selbst als 21-Jähriger in dem Internet-Chat angemeldet.

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