Zwei Bauernkinder treten in die Fußstapfen ihrer Eltern

Irgendwer muss die Welt ernähren, stellt Bianka Ziegler nüchtern fest "und dazu gehören auch wir kleinen Bauern". Bei diesem Satz strahlt die junge, sympathische Frau. Sie mag ihren Beruf und kann sich keinen anderen vorstellen.

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Ausnahmsweise einmal nicht beim Arbeiten, sondern beim Fotografieren im Stall: Bianka und Jan Ziegler aus Markertshofen.  Foto: 

"Und er hat Zukunft", ist sich die 19-Jährige sicher. Und mit ihr der ein Jahr jüngere Bruder Jan. Beide sind Bauernkinder, in und mit der Landwirtschaft aufgewachsen, und beide gehören zu den immer weniger werdenden Menschen, die eine Ausbildung in diesem wichtigen, schönen, abwechslungsreichen, verantwortungsvollen, aber auch anstrengenden Beruf absolvieren.

Die Begegnung und das Gespräch mit den beiden jungen Menschen auf dem elterlichen Hof in Markertshofen ist offen, interessant, aufschlussreich und gewährt Einblick in einen Beruf, dem in der Gesellschaft leider immer noch nicht der Stellenwert und die Anerkennung eingeräumt wird, die er verdient. Bianka und Jan Ziegler gehören zu der Generation, die in der Lage und bereit ist, die Landwirtschaft ins rechte Bild zu rücken, sich für sie und ihre Interessen einzusetzen, Vorurteile aus der Welt zu räumen und sich gegen Angriffe zu wehren.

Wer auf einem Bauernhof aufwächst, wird nicht automatisch Bauer. Viele Landwirte, die vergeblich einen Nachfolger für ihren Betrieb suchen oder gesucht haben, können davon ein Lied singen. Umso glücklicher können sich Margret und Frank Ziegler schätzen, denn in ihrer Familie wollen gleich zwei der drei Kinder in ihre Fußstapfen treten und eines Tages gemeinsam den Betrieb übernehmen. Der Zeitpunkt ist zwar noch offen, doch die Entscheidung steht felsenfest, sind sich die Geschwister einig.

Lieber Landwirt als Bankkaufmann

Beide haben die Realschule in Bühlertann besucht und sind dann auf die Eugen-Grimminger-Schule in Crailsheim gewechselt. Beide haben schon als Zehnjährige auf dem Hof mitgearbeitet, Kälber versorgt, eingestreut und wenig später beim Melken mitgeholfen, "freiwillig und weil es uns Spaß gemacht hat", wie sie betonen. Weil sie Technik "schon immer interessiert und fasziniert" hat, liebäugelte Bianka Ziegler zunächst mit der Lehre in einem technischen Beruf. "Jetzt kann ich Technik, Tiere und Natur ideal miteinander verbinden", freut sie sich über die "richtige und gute Entscheidung" , in die Landwirtschaft einzusteigen. Auch ihr Bruder hat sich mit Alternativen beschäftigt, dann aber doch dem Landwirt den Vorzug vor dem Bankkaufmann gegeben. "Mit Zahlen kann und muss ich auch hier umgehen", so Jan.

Seine Schwester Bianka befindet sich bereits im dritten Lehrjahr und auch er hat schon die Hälfte seiner Ausbildung hinter sich. Wohl kaum eine andere Ausbildung ist so vielfältig wie die in der Landwirtschaft. Beide sind davon begeistert, was sie allein an der einjährigen Berufsschule in Vollzeitform lernen: Neben allgemeinbildenden Fächern stehen Fachrechnen und Datenverarbeitung, Wirtschaftslehre, Pflanzen- und Tierproduktion sowie praktische Fachkunde auf dem Stundenplan. Ob es der Umgang mit dem Schweißgerät oder der Motorsäge ist, ob Reparaturen am Schlepper, an Maschinen und Geräten, ob Arbeiten mit Holz, Metall oder Farbe: Praktische Erfahrungen sammeln die Schüler in den schuleigenen Werkstätten und beim Unterricht einmal pro Woche auf einem landwirtschaftlichen Betrieb.

Das Geld wird im Stall verdient

Umgesetzt und erweitert werden diese Erfahrungen bei der täglichen Arbeit auf dem elterlichen Hof sowie einem Fremdbetrieb. "Jeder Betrieb hat seine eigene Philosophie und Besonderheiten", weiß Bianka Ziegler aus Erfahrung. Sie war ein Jahr lang auf einem Hof in Zumholz und hat sich dort neben den Routinearbeiten und der Versorgung der Tiere insbesondere mit Brunftüberwachung, Fruchtbarkeit, künstlicher Besamung und Herdenmanagement beschäftigt. Weniger den Tieren und dem Stall, als vielmehr der Feldarbeit widmet sich Bruder Jan derzeit auf einem Betrieb in der Nähe von Schnelldorf. Er hat lieber Kühe und Kälber um sich, so wie auf dem elterlichen Hof in Markertshofen. Dort stehen augenblicklich mehr als 100 Milchlieferanten und werden 150 Rinder versorgt. "Das Geld wird im Stall verdient", sagt Mutter Margret, als sie an diesem Samstagnachmittag im Garten Kaffee und Kuchen serviert "nur sieht man das von außen nicht." Für solche gemütlichen Gesprächsrunden bleibt normalerweise kaum Zeit. "Manches Mal fällt man einfach todmüde ins Bett", beschreiben Bianka und Jan die besonders anstrengenden Tage, beispielsweise in der Erntezeit oder wenn fünf Nächte hintereinander Kälber geboren werden. Nicht nur, dass jeden Tag 250 Tiere mit Futter versorgt, jeden Morgen und jeden Abend 90 Kühe gemolken werden wollen, es müssen auch 120 Hektar Grün- und Ackerland bearbeitet, es muss gesät, gedüngt, gemäht, siliert und gedroschen werden.

Ein Zwölf-Stunden-Arbeitstag ist in der Landwirtschaft ganz normal, "aber man ist selbstständig und eigenverantwortlich", betont die angehende staatlich geprüfte Landwirtin. "Man kann alles machen, man arbeitet unter freiem Himmel und mit Tieren zusammen", ergänzt Bruder Jan. Und beide sehen in ihren Beruf eine Zukunft - sehr zur Freude ihrer Eltern. Nicht nur, dass die Kinder nach der abgeschlossenen Ausbildung baldmöglichst auch den Meister "machen" wollen.

Die beiden hoch motivierten, arbeitsfreudigen und Neuerungen gegenüber aufgeschlossenen Kinder stehen auch voll hinter der Erweiterung des Betriebs.

In absehbarer Zeit soll Platz für weitere 80 Kühe geschaffen und gleichzeitig modernisiert werden. Die Familie schreckt weniger die Investition von rund einer Million Euro als der Berg von Bürokratie, der überwunden werden muss, was viel Zeit und noch mehr Nerven kostet. Trotzdem ist die Familie Ziegler guten Mutes, dass das Vorhaben ("wir warten jetzt nur noch auf den roten Punkt") gelingen wird und eines Tages drei Familien von dem Hof leben können. Die beiden Noch-Lehrlinge stellen sich dieser Meisteraufgabe auch deshalb ganz bewusst, "weil unser Beruf Zukunft hat".

Landwirt kann ein Traumberuf sein

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