Zuschuss von 165.000 Euro: Jetzt doch Geld für die Herberge

Die Schließung der Jugendherberge im Schloss Rechenberg ist beschlossene Sache. Kann dieser Schritt mit einem Zuschuss der Gemeinde rückgängig gemacht werden? Darüber wird am Freitag entschieden.

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Kann mit einem Zuschuss der Gemeinde Stimpfach die Schließung der Jugendherberge im Schloss Rechenberg verhindert werden? Foto: Wolfgang Rupp

Die Unzufriedenheit über das Verhalten des Jugendherbergswerkes und ihres Geschäftsführers Karl Rosner waren in der jüngsten Gemeinderatssitzung deutlich zu spüren. Den Verantwortlichen wurde Misswirtschaft und Schlamperei vorgeworfen, unglaubwürdiges und erpresserischer Verhalten. Und trotzdem sprach sich eine (sehr knappe) Mehrheit (sieben zu sechs Stimmen) dafür aus, die Sanierung der Einrichtung jetzt doch mit einem Zuschuss von 165.000 Euro zu unterstützen. Bürgermeister Matthias Strobel und die Unterstützer des Antrags sehen darin eine Chance, die Schließung der Jugendherberge doch noch zu verhindern und damit "die sinnvolle Nutzung" (Bürgermeister Strobel) des Schlosses zu erhalten.

Zur Vorgeschichte: Nach den Vorstellungen des Trägers sollte sich die Gemeinde Stimpfach mit 250.000 Euro an der eine Million Euro teuren Sanierung der Juhe beteiligen. Nicht nur, dass diese Forderung als "völlig überzogen" eingestuft wurde, im Gemeinderat fand sich im Herbst auch keine Mehrheit, den abgespeckten Betrag von 165.000 Euro in die mittelfristige Finanzplanung einzustellen. Die Reaktion aus Stuttgart: Es gibt keine Sanierung und der Betrieb der Juhe wird zum Jahresende eingestellt.

Diese Nachricht enttäuscht ("von einer sofortigen Schließung war nie die Rede") und schockiert nicht nur Bürgermeister Strobel, sondern auch den Ortschaftsrat Rechenberg, der sich angesichts der neuen Situation für die Gewährung eines Zuschusses stark macht.

"Wir haben eigentlich wenig Lust, etwas zu geben", unterstrich der Bürgermeister in der Gemeinderatssitzung am Montagabend mit dem Hinweis auf die vielen noch zu erfüllenden Aufgaben. Einziger Grund, von der bisherigen Linie abzuweichen, ist für Strobel die vom Jugendherbergswerk in Aussicht gestellte Bestandsgarantie: Wenn sich die Gemeinde finanziell beteiligt, wird die Einrichtung die nächsten 20 Jahre notariell beglaubigt erhalten. Heute wisse man, in welchen Händen sich das Schloss befindet, "doch wenn es verkauft werden sollte, wissen wir nicht, wer reinkommt". Und das bereite ihm Bauchschmerzen.

Ortsvorsteher Albert Gräter verwies wie schon in der Ortschaftsratssitzung im Januar auf die vielen vom Jugendherbergswerk in der Vergangenheit durchgeführten Sanierungsmaßnahmen am Dach und an der Mauer. Seine Feststellung, wonach das Schloss gut dastehe und nichts heruntergegammelt sei, sorgte für Raunen unter den Gemeinderäten. Er setzte sich auch deshalb für einen Zuschuss ein, weil der Gemeinde im Fall einer Schließung allein durch wegfallende Wasser- und Abwassergebühren mehrere Tausend Euro pro Jahr verlorengingen. Angesichts dieser Verluste sei der Zuschuss "ein Klacks". "In Möbel, Sanitär und Innengestaltung wurde in den letzten 50 Jahren so gut wie nichts investiert", kritisierte Markus Esterle, "und dann wundert man sich, dass die Gästezahlen zurückgehen." Die Fortführung dieser Einrichtung vom Zuschuss der Gemeinde abhängig zu machen, ist für den Gemeinderat "erpresserisches Verhalten".

Die Gemeinde habe viele große und so wichtige Aufgaben wie Ausbau des Internets zu bewältigen "und kein Geld für Misswirtschaft zu verschenken". Esterle warf dem Jugendherbergswerk vor, völlig überzogene Forderungen zu stellen und dem Gemeinderat den schwarzen Peter zuzuschieben. "Nicht wir sind für die Schließung verantwortlich", machte der Gemeinderat deutlich, sondern allein der Träger. Diesem will er nicht abnehmen, dass er die Einrichtung weiterbetreiben wird, selbst wenn wir jetzt einen Zuschuss geben.

"Ich bin hin- und hergerissen", reagierte Bürgermeister Strobel auf die vorausgegangenen Beiträge: Auf der einen Seite wolle man keine Schulden machen und müsse Investitionen verschieben, auf der anderen Seite wolle man die Jugendherberge erhalten. Und weil die Tür dafür noch nicht ganz zu sei, bat er um einen Verhandlungsauftrag. "Entweder wir knicken ein oder wir geben keinen Zuschuss." Für ein Einknicken sprach sich Wilfried Bögelein aus, denn wenn die Jugendherberge schließe, drohe eine Veräußerung auch an Gruppierungen, "die wir nicht wollen", und für das Schloss einen großen Imageverlust bedeute. Zum anderen drohe dann ein Verfall, den aufzuhalten weit mehr kosten könnte als ein Zuschuss. Der sei dann im Vergleich möglicherweise nur ein "Nasenwässerle".

"Und wer gibt uns die Garantie, dass die in einigen Jahren nicht wieder einen Zuschuss von uns haben wollen?", fragte Jürgen Seifer nach. Für Thomas Hald ist hingegen klar, dass wir jetzt etwas geben müssen, auch vor dem Hintergrund, "dass wir nicht wissen, was nach einer Schließung auf uns zukommt".

Bürgermeister Strobel sieht keine Chance, einen Verkauf irgendwie zu steuern. Eine Chance sieht er allerdings, die Schließung der Juhe mit einem Gemeindezuschuss doch noch zu verhindern. Die zuletzt verhandelten 165 000 Euro sollen in drei Raten bezahlt werden, allerdings erst ab dem Jahr 2016. Zudem soll dem Jugendherbergswerk mit dem Ausbau der Schlossstraße ab 2014 entgegengekommen werden.

Wie schon die Diskussion zeigte auch das Abstimmungsergebnis, wie geteilt die Lager sind. Sieben Gemeinderäte stimmten für, sechs gegen eine Zuschuss, einer enthielt sich der Stimme. Mit diesem Votum wird sich der Vorstand des Jugendherbergswerkes in Stuttgart in seiner Sitzung am kommenden Freitag beschäftigen.

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