Zurückhaltend, aber gefühlvoll

Jedes Jahr scheint es mehr Besucher zur öffentlichen Generalprobe des Neujahrskonzerts von Hohenlohe Brass zu ziehen. Am Sonntagabend war jedenfalls kein Stuhl im Haus der Musik in Brettheim mehr frei.

|

Sich distinguiert zu geben sei ein besonderes Merkmal der Briten, erklärt Christof Schmidt, der traditionell die Konzerte von Hohenlohe Brass moderiert. Seit etwa 15 Jahren kommen die Musiker nun schon nach Brettheim, um das Programm für ihre Neujahrskonzerte innerhalb von drei Probentagen einzustudieren und in einer öffentlichen Generalprobe aufzuführen.

Unter der Leitung von Michael Böttcher eröffnen die zehn Bläser ihr Programm, das diesmal unter dem Motto "Very British!" steht, mit der Suite "Abdelazer" von Henry Purcell. Bekannt ist diese Suite wegen des an zweiter Stelle stehenden Rondos, dessen Melodie Benjamin Brittens über 300 Jahre später in den Orchestervariationen "The Young Persons Guide to the Orchestra" verarbeitete. Die Art, wie Hohenlohe Brass dieses Rondo spielt, zeigt, was Schmidt zuvor mit distinguiert gemeint hat. Denn die Musiker spielen zwar kraftvoll akzentuiert, aber geradezu verhalten.

Das kann auch ein gewisser Erschöpfungszustand nach intensiver Probenarbeit sein. Alle zehn Sätze der Suite hindurch spielt das Ensemble eher zurückhaltend: sei es mit Blick auf die Lautstärke, sei es hinsichtlich des Ausdrucks. Das bietet jedoch immer noch genügend Raum, um dem Jig-Satz schön federnde Staccato-Folgen abzugewinnen oder die perfekt abgestimmten Wechsel zwischen den konzertierenden Gruppen im vorletzten Satz, einem Air, herauszustellen.

Ähnlich fließend, aber deutlich abgesetzter klingt wenig später die Doppelchörigkeit von "Coelos ascendit hodie", eine der drei Motetten von Charles Villiers Stanford, die Ensembleleiter Michael Böttcher für Blechbläser bearbeitet hat. Sanfte Tongebung ist danach zu "Beati quorum via integra est" zu vernehmen.

Tänzelnden Jig-Charakter erhält das Scherzo aus Gustav Holsts "A Moorside Suite", gefolgt von zarten Kornett- und Flügelhornklängen im Nocturne-Satz und etwas ruppigeren und dazu kontrastierenden weich-runden Tönen im finalen Marsch.

Weichzeichnen ist im Anschluss zu Joy Webbs "Share My Yoke" angesagt. Das gelingt besonders Johannes Stürmer mit seinem innig kantabel wiedergegebenen Kornett-Solo.

Arrangements von Liedern der Beatles beschließen das Konzert. Martin Jacob bietet ein empfunden gesangliches Flügelhorn-Solo zum Evergreen "Yesterday". Entspanntes Klanggleiten ist zu "The Long and Winding Road" zu hören. Ein getupft-federnder Puls bestimmt ein feinsinnig und elegant interpretiertes "Penny Lane".

Dafür gibt es heftigen Applaus, für den sich Hohenlohe Brass mit zwei Zugaben bedankt. Ray Premrus "Blues March" beweist zuerst, dass noch genügend Kraft für groovende Momente vorhanden ist. Und John Rutters "The Lord Bless You And Keep You" sorgt für einen besinnlichen Ausklang.

Die Neujahrskonzerte

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Die Zahl der DRK Einsätze steigt

Die Umbau der Blaufelder Rettungswache ist Dank der Gemeinde und der Feuerwehr abgeschlossen. weiter lesen