Zuerst denkt er an seine Bank

Dass er auf die Frage, wie das Jahr 2012 für ihn war, damit antwortet, dass es für "die Bank" ein durchschnittliches Jahr ohne besondere Vorkommnisse war, ist bezeichnend für Fritz Neidlein.

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"Die Bank", an die Neidlein zuerst denkt, ist "seine Bank", die Raiffeisenbank Schrozberg-Rot am See, früher Schrozberger Bank, für die er 32 Jahre seines Lebens gearbeitet hat. Dabei hätte der 60-jährige Bankkaufmann allen Grund, bei der Frage nach dem Jahr 2012 zuerst an sich selbst zu denken. In diesem Jahr ist er in den Ruhestand getreten - für jemanden, der auf 46 Berufsjahre zurückblicken kann, ein einschneidendes Datum. Und Neidlein hätte Grund, sich weiter zurückzuerinnern - an das Jahr 1966, als er bei der Raiffeisenbank Wolpertshausen eine Banklehre begann, an das Jahr 1971, als er beim Württembergischen Genossenschaftverband eine Ausbildung zum Prüfer aufnahm, und vor allen Dingen an das Jahr 1980, in dem er als Geschäftsführer in die Schrozberger Bank eingetreten ist. Erst mit Georg Hagelstein, dann mit Herbert Guttropf führte er die Bank, die 1999 mit den Raiffeisenbanken Brettheim, Leuzendorf, Rot am See und Spielbach fusionierte. Zuletzt führte er die Geschäfte in einem dreiköpfigen Vorstand mit Lothar Kaletta und Winfried Stahl.

Auf den Ruhestand hat sich Neidlein, Ehemann und Vater zweier erwachsener Söhne, nicht besonders vorbereitet. "Das habe ich vernachlässigt", bekennt er, "vielleicht war ich zu sehr in der täglichen Arbeit gebunden." Den Übergang ins Rentnerdasein hat Neidlein dennoch gut bewältigt. "Mir gehen keine Kontonummern durch den Kopf", meint er, "und ich setze mich auch nicht mit geschäftlichen Details der Bank auseinander." Mit Radfahren, Jogging und leichtem Fußballtraining bei den "älteren Alten Herren" des TSV Schrozberg hält er sich fit, und er genießt es, mehr Zeit zum Zeitunglesen zu haben.

Neidlein gibt zu, dass er eine gewisse Erleichterung spürt, aus der Bank ausgeschieden zu sein. Als Grund nennt er die umfangreichen Vorschriften und Auflagen, die den Banken im Gefolge der Finanzkrise gemacht würden. "Sicher mussten mehr Vorgaben gemacht werden, ich bin mir aber nicht sicher, ob die Regelungen alle zielführend sind", sagt Neidlein. Insbesondere kritisiert er dabei, dass kein Unterschied zwischen kleinen und großen Banken gemacht werde. Angesichts des organisatorischen Aufwands, der verlangt werde, empfinde er schon "eine gewisse Genugtuung", dass er ausgeschieden sei.

Dabei ist Neidlein keineswegs der Überzeugung, dass genossenschaftliche Banken gegen die Finanzkrise absolut geschützt seien. Bei ihnen gebe es einen Überhang an Einlagen, sie verfügten also über mehr Sparguthaben als sie an Krediten ausgeben könnten, und dieses Geld müssten die Banken irgendwo anlegen. "Auch im genossenschaftlichen Bereich kann es zu Ausfällen kommen", folgert Neidlein, "aber nicht in Größenordnungen wie bei Großbanken." Unter dem Strich hätten die genossenschaftlichen Banken mit ihren kleinen Strukturen während der Finanzkrise eher profitiert.

Trotz der Finanzkrise bewertet Neidlein den Euro positiv. Die gemeinsame Währung bringe enorme wirtschaftliche Vorteile mit sich und sei durchaus stabil. "Der Euro muss bleiben", lautet Neidleins Forderung deshalb. Anders bewertet er dagegen die Europäische Union als solche. Die EU sei von zu vielen nationalen Interessen geprägt, und zu unterschiedlich seien die Gegebenheiten in den einzelnen Ländern, sei es im Steuerrecht, sei es bei der Rentenversicherung, als dass die Staaten unter einen Hut gebracht werden könnten.

Die Finanzkrise werde auch im kommenden Jahr nicht überwunden werden, glaubt Neidlein. Er sei sich nicht sicher, dass sie "nachhaltig" bewältigt werden könne. Wenn sich die Wirtschaft wieder schlechter entwickle, werde das auch auf die Banken durchschlagen.

Persönlich wünscht sich Neidlein für 2013, gesund zu bleiben. Er hat sich vorgenommen, sich weiter sportlich zu betätigen, mehr zu reisen und sich in der Computertechnik weiterzuentwickeln.

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