Zu Gast bei Müllexperten: Wie griechische Kommunalbeamte vom Landkreis Hall das Entsorgen lernen wollen

In Naxos droht ein Müllberg ins Meer abzurutschen. Das ist nun auch eine Herausforderung für deutsche Experten. Eine griechische Delegation war zu Gast in Hall, um zu sehen, wie hierzulande Müll verwertet wird.

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Ortstermin bei der Murrhardter Firma Schäf (vorne, von links): Landrat Gerhard Bauer, der Gouverneur der Provinz Peloponnes Petros Tatoulis und Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel fachsimpeln vor einer Biomülltonne.  Foto: 

"Gouverneur - das ist etwas zwischen Landrat und Ministerpräsident", erklärt Landrat Gerhard Bauer das Amt seines griechischen Gastes. Für Petros Tatoulis, Gouverneur der Provinz Peloponnes, ist dagegen vor allem wichtig, was man einem deutschen Landrat abgucken kann: "Die machen mich ja fast zum Müllexperten", scherzte Landrat Gerhard Bauer nach seiner Griechenland-Reise vergangenen September. Denn als Fachmann für Abfallentsorgung hatten die Griechen ihn kennengelernt, als er mit dem aus Calw stammenden Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel, Beauftragter der Bundesregierung für die Deutsch-Griechische Versammlung, und anderen Kommunalbeamten sich die Probleme des hoch verschuldeten Mittelmeerlandes einmal genauer angeschaut hat.

Bei einer zweiten Reise Bauers und des zuständigen Dezernenten, Kreiskämmerer Werner Schmidt, hatten die Griechen um Unterstützung bei der Sanierung ihrer Mülldeponien gebeten. Jene in Naxos droht sogar ins Meer abzurutschen.

Jetzt der Gegenbesuch: "Wir haben gesehen, wie ein sehr gut organisierter Landkreis mit guter Planung sehr ernste Probleme lösen und somit seinen Bürgern mehr Lebensqualität bieten kann", schwärmt Tatoulis nun im Haller Landratsamt. Vier Tage lang hatte er mit seiner elfköpfigen Delegation angeschaut, wie im Landkreis Schwäbisch Hall Müll entsorgt oder verwertet wird. Die Bürgermeister der Kommunen Eurotas und Ikaria, Ioannis Grypiotis und Christodoulos Stavrinadis, reisten ebenso mit wie Ingenieure und Beamte aus dem griechischen Innen- und dem Umweltministerium.

Auf dem Besuchsprogramm standen sämtliche Entsorgungseinrichtungen, die die Region zu bieten hat: Die alte Deponie und das Entsorgungszentrum Hasenbühl, das Restmüllheizkraftwerk in Stuttgart-Münster, eine Biovergärungsanlage in Backnang, die Murrhardter Firma Schäf Städtereinigung, der Holzhof Broß sowie eine Kläranlage und ein Kompostwerk in Obersontheim. Finanziert wurde dies von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. "Es war alles andere als eine Sightseeing-Tour", so Bauer.

"Sie haben unsere Krise zu Ihrem Problem gemacht"

Die deutschen "Müllexperten" haben auch Lösungen parat: Deponien sollen saniert oder ausgebaut werden. Künftig allerdings solle der Müll in neuen Anlagen verbrannt oder verwertet werden. Ein entsprechendes Gebührensystem solle die Bevölkerung belohnen, wenn sie Müll vermeidet oder trennt.

Das deutsche Knowhow scheint beeindruckt zu haben, wie die Griechen in üblicher Balkan-Diplomatie erkennen ließen: "Wir werden diese Erfahrung in unserem Land weitergeben", versprach Gouverneur Tatoulis. "Es war wichtig, mit eigenen Augen zu sehen, was wir bisher nur theoretisch kannten", erklärte Bürgermeister Stavrinadis. Der Besuch habe ihnen Perspektiven geöffnet, eine weitere Zusammenarbeit sei ausdrücklich erwünscht. Was besonders beeindruckt hat? "Die konsequente Einhaltung des Konzepts bei seiner Umsetzung", staunt Tatoulis. Und weil das Bild Deutschlands am Mittelmeer derzeit nicht so positiv ist, beschwört er umso mehr die Solidarität der Deutschen: "Ich glaube, Sie haben die Krise in meinem Land zu Ihrem Problem gemacht."

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