Zertifizierungen für alle?

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Zertifiziertes Radvergnügen: Der Kocher-Jagst-Radweg - hier ein Wegweiser in der Haller Altstadt - ist garantiert fahrradfreundlich. Foto: Marc Weigert

Dieser Satz von Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Grüne) erschlägt einen Otto-Normalbürger: "Die Erteilung des FSC-Zertifikates für den Staatswald Baden-Württemberg ist ein Meilenstein für die naturnahe Bewirtschaftung der baden-württembergischen Staatswälder und eine Auszeichnung für die Arbeit der Forstleute in Baden-Württemberg."

Klingt staatstragend, lässt sich aber auch einfach ausdrücken: Der Staatsforst hat vom TÜV Rheinland ein Öko-Siegel dafür bekommen, dass er seinen Wald "naturnah" bewirtschaftet - was der waldliebende Laie eigentlich für selbstverständlich hielt. Eine solche Zertifizierung wird gerne als Erfolg präsentiert. Zumal dann, wenn "unabhängige Auditoren" die eigene Bestleistung regelmäßig überprüfen und garantieren. Nur so sei es möglich, dass der Wald bleibt, was er ist.

Nur ein Beispiel für den Zertifizierungswelle, mit der der Verbraucher fertig werden muss. Früher reichte es, wenn ein Bäcker seine Meisterurkunde in den Laden hing. Heute muss er für irgendetwas zertifiziert sein - nicht nur für gutes Brot, nein, auch für Kinder- oder für Seniorenfreundlichkeit. Wobei es meist reicht, den Prüfern zu versprechen, im Falle eines Falles das Selbstverständliche anzubieten - zu Beispiel einen Stuhl. Jedes Pflegeheim wird heutzutage für gute Pflege zertifiziert, jeder Friseur für guten Service und die landwirtschaftliche Genossenschaft verkauft selbstverständlich zertifiziertes Futter.

Doch man kann den Zertifizierungen etwas Positives abgewinnen: Der Kunde hat ein gutes Gewissen - er kauft ja ein überprüft gutes Produkt. Und wo viel geschafft wird, darf man auch Loorbeeren - also Zertifizierungsurkunden - einfahren. Und ja: Das Zertifizierungsbedürfnis schafft Arbeitsplätze - schließlich müssen die unabhängigen Auditoren auch von etwas leben. So schuf beispielsweise die Zertifizierung des Kocher-Jagst-Radwegs durch den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub als radlerfreundlichen Qualitätsradweg eine Win-Win-Win-Situation: Der ADFC hat eine Beschäftigung, die Kreis-Touristiker werben gleich mit vier goldenen Sternen und der Radler kann einen richtig gut ausgebauten Radweg nutzen. "Von daher profitieren wir doch alle", strahlen die Kreis-Touristiker. Übrigens gilt das auch für weitere 52 Qualitätsradwege in der Republik.

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